Aufregung

Nach Hochwasser: Flutopfer aus MK verzweifelt

Hochwasser in Oberbrügge: Die Feuerwehr war im Dauereinsatz.
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Hochwasser in Oberbrügge: Die Feuerwehr war im Dauereinsatz.

Der Weg für die Opfer des Hochwassers vom 14. Juli im MK ist nicht leicht. Einige Themen sorgen für Verzweiflung bei den Betroffenen.

Oberbrügge – War der Förderantrag zu den Corona-Hilfen noch recht unbürokratisch, so ist der Antrag für die Flutwasseropfer eher das Gegenteil. „Wiederaufbau NRW” heißt das 29-seitige Werk, das seit dem 17. September bereitsteht – nur online auszufüllen und verfasst in schwer verständlicher Amtssprache. Der Online-Antrag sorgte deshalb auch für Aufregung bei einigen der rund 16 Flutwasseropfer, die die entsprechende Info-Veranstaltung im Bürgerhaus besuchten. Bürgermeister Michael Brosch und Kai Hellmann, stellvertretender Fachbereichsleiter Bürgerdienste, beantworteten die Fragen. Vor allem Oberbrügger sind von dem Hochwasser betroffen.

Weitere 12,3 Milliarden Euro wurden für die Wiederaufbauhilfe in NRW bereitgestellt. Unbürokratisch, verspricht das Land, sollen die Hilfen beantragt werden. Das Gegenteil jedoch schildert ein Flutwasseropfer aus Oberbrügge. Als „ein IT-Desaster” bezeichnet Sandra Stüwe, Angestellte der Physiotherapiepraxis von Sabrina Pallara in der Alten Post am Alten Bahnhof, die Antragsstellung. Ihr Arbeitsplatz wurde durch das Hochwasser für längere Zeit zerstört. Der Schlamm stand meterhoch in der Praxis. Sie arbeitet deshalb momentan nur im Homeoffice.

Probleme bei der Antragstellung

Ihren Unmut über das nächste Problem äußerte sie im Bürgerhaus: „Der Antrag ist sehr schwer verständlich im Bürokratendeutsch verfasst, obwohl Herr Laschet uns unbürokratische Hilfe zugesagt hat. Bei Corona ging alles so einfach”, kritisiert Sandra Stüwe und fügt hinzu, dass es zudem Probleme mit dem Login bei der Antragstellung gebe. „Ständig wird man aus der Bearbeitung rausgeworfen, immer wieder muss man sich einen neuen Login-Zugang zulegen”, sagt sie. Ihren Laptop hatte Sandra Stüwe gleich mal zur Infoveranstaltung mitgebracht. Mit der Hoffnung: „Vielleicht kann uns die Stadt ja direkt helfen und wir können den Antrag sofort stellen.”

Flut in Oberbrügge: Die Physiotherapeutin Sabrina Pallara zeigt, wie hoch das Wasser am 14. Juli am Kaiserlichen Postamt an der Rückwand stand.

Auch ihre Chefin Sabrina Pallara, die momentan als Ausweichmöglichkeit in einer Tagespflege arbeiten kann, ist entsetzt über die Kompliziertheit des Antrages. „Das Beamtendeutsch versteht kein Mensch. Wie sollen das insbesondere ältere Menschen verstehen? Wie sollen es Menschen machen, die keinen Strom haben, um online zu gehen?”

Zu der älteren Generation der Flutwasseropfer gehört Barbara Friemann. In ihrer Wohnung am Ohler Weg stand 200 Quadratmeter Schlamm. Den zu entfernen, das war für Barbara Friemann eine Herkulesaufgabe und nur mit Hilfe von Verwandten zu bewerkstelligen. Hilfe braucht sie auch jetzt – bei der nächsten Mammutaufgabe: der Antragsstellung. „Vielleicht kann mich die Stadt ja bei der Antragstellung unterstützen”, hofft sie.

Die Stadt will helfen

Für Beruhigung sorgten Bürgermeister Michael Brosch und Kai Hellmann, der die Antragstellung per Power-Point-Präsentation detailliert erklärte. Kai Hellmann wies daraufhin, dass es drei unterschiedliche Antragstellungen gibt: für Privatpersonen und die Wohnungswirtschaft, Unternehmen und für Gewerbe sowie landwirtschaftliche Betriebe.

Und erst ab einem Schadenswert von 5000 Euro könne, so Kai Hellmann, überhaupt Hilfe beantragt werden. Der Schadenersatz liegt bei 80 Prozent. Die Antragsstellung muss bis zum 30. Juni 2023 erfolgt sein.

Um den Flutwasseropfern beratend zur Seite zu stehen wird es künftig ein Team der Stadt geben, das bei Fragen rund um die Antragstellung zur Verfügung steht und Hilfestellung leistet. Hauptansprechpartnerin ist Mandy Klotz unter Tel. 0 23 53/7 31 43. Außerdem informiert die Stadt auf ihrer Homepage unter www.halver.de. Die Anträge können unter www.land.nrw/wiederaufbauhilfe gestellt werden.

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