Lottogeschäft vor der Aufgabe

Ein Bild aus besseren Tagen: Fünf Jahre lang betrieb René Henkel den Lotto-, Tabak- und Zeitschriftenladen am Alten Markt. Bald soll Schluss sein. - Archivfoto

HALVER - Nicht nur Kunden wissen: René Henkel ist kein Mann der leisen Töne. Der Inhaber des Lotto-, Tabak- und Zeitschriftenladens am Alten Markt macht seinem Ärger über Missstände in der Stadt häufig Luft. Doch wer den Händler in diesen Tagen erlebt, lernt einen ruhigeren, einen nachdenklichen René Henkel kennen. Und das hat seinen Grund: Der 41-Jährige muss sein Geschäft schließen - und ist bereits auf Jobsuche.

„Die Kunden sind mir komplett weggebrochen, seitdem ,Ihr Platz' geschlossen hat", sagt der einstige Autoservice-Techniker, der sich im Jahr 2007 mit der Hoffnung auf erfolgreiche Jahre als Kaufmann selbstständig gemacht hatte. Diese Hoffnung erfüllte sich zunächst: Sein Laden war zu einer festen Adresse für viele Halveraner geworden, die sich entweder mit Zeitungen oder mit Tabakwaren eindecken wollten. Wichtige Pfeiler waren außerdem das Lotto- und Paketgeschäft: Seit vier Jahren ist Henkels Geschäft zugleich Annahmestelle des Logistikunternehmens DPD.

Doch die Umsatzeinbußen seien infolge der sukzessiven Geschäftsschließungen an der Frankfurter Straße derart immens, dass das Aus für seinen Laden nun feststehe - nur der Zeitpunkt sei noch offen. Doch die ersten Schritte in Richtung Aufgabe seien bereits gemacht: Sein Steuerberater würde derzeit die Auflösung bestehender Verträge prüfen, es fehle das Geld, um Großhändler im Voraus zu bezahlen, wie es in dieser Branche üblich sei.

Wenn die Lottozentrale aktuell auch einen Nachfolger für das Geschäft suche (Henkel: „Die Zahlen in diesem Bereich stimmen"), so würde mit der Schließung nach Rechermann und „Ihr Platz" doch ein weiterer etablierter Händler seine Pforten für immer schließen. Und so beschäftigen sich auch Stadtverwaltung und Stadtmarketingverein mit der aktuellen Situation in der Innenstadt.

Bürgermeister Dr. Bernd Eicker bedauerte gestern auf AA-Anfrage das drohende Aus und räumte ein, dass sich in diesem Bereich der Frankfurter Straße „die Dinge derzeit überschlagen". Die Stadt befände sich aktuell immer noch in Gesprächen mit Drogeriebetreibern, um einen „Magneten" ins Zentrum zu holen - einen Erfolg gebe es jedoch noch nicht zu vermelden. Frank Turck, Vorsitzender des Stadtmarketingvereins, bedauerte gestern den drohenden weiteren Verlust eines lange Zeit gut laufenden Ladens. Die Innenstadt verliere damit weiter an Attraktivität. „Die Situation ist unbefriedigend", sagt Turck, der aber vor allzu destruktiver Pauschalkritik warnt. „Allen Seiten sind doch die Hände gebunden. Wir können da nicht viel ausrichten." Seiner Meinung nach, müsste ein professioneller Vermarkter auf den Plan treten, „einer, der das hauptberuflich macht". Diesen Bedarf sieht Bürgermeister Bernd Eicker indes nicht: „Mit Kai Hellmann haben wir einen Wirtschaftsförderer im Rathaus, der sich um die Dinge kümmert und sich um Lösungen bemüht."

Doch droht nun die nächste leere Verkaufsfläche - in einem Gebäude, das sich aufgrund der laufenden Insolvenz der Eigentümer im Versteigerungsverfahren befindet und das daher ohnehin schwer zu vermarkten ist. Die aktuelle Kundenflaute trägt freilich nicht zur Attraktivitätssteigerung bei. „Wenn wir stundenlang freie Parkplätze an der Straße haben, ist das schon ein Zeichen, dass irgendwas nicht stimmt", sagt René Henkel. - Frank Zacharias

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