Werte statt Weihnachtsmann

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Nihat Keles, 1. Vorsitzender der Gemeinde, Nurettin Sen, Nail Uyar vom Gemeinde-Vorstand und Ömer Balci (von links) sprechen mit dem AA über christliche Traditionen.

Halver - Überall gibt es Weihnachtsmärkte, die Innenstädte werden festlich beleuchtet, Wohnungen geschmückt und Geschenke verpackt. Weihnachten ist schon lange vor dem 24. Dezember allgegenwärtig, nicht nur für Christen. Auch die Halveraner Muslime finden so manches an Weihnachten schön.

„Ich kenne es gar nicht anders“, sagt Nihat Keles, 1. Vorsitzender der türkisch-islamischen Gemeinde in Halver, und meint die bekannten und sehr sichtbaren christlichen Traditionen, die ihm seit Jahren vertraut sind. „Weihnachten gehört zum Christentum und zu Deutschland dazu. Ohne Weihnachten – das wäre anders.“ 

Eine Figur steht allerdings an Weihnachten zu sehr im Mittelpunkt, findet Keles: „Es gibt ja gar keinen Weihnachtsmann. Dass man den so in den Vordergrund zieht und das richtige Weihnachten gar nicht so eine Rolle spielt, ist schade.“ Es komme auf die inneren Werte der Religionen an – wie Nächstenliebe. 

Weihnachtsmann zu sehr im Vordergrund

Bei den Werten hätten Muslime und Christen sowieso viele Gemeinsamkeiten. Nach dem Freitagsgebet sammeln die Gemeindemitglieder für einen wohltätigen Zweck, so wie es in christlichen Gemeinden gerade auch zur Weihnachtszeit der Fall ist. Dass die Christen zu Weihnachten für ihre Werte einstehen und ihre Religion ausleben, findet Keles schön. „Ich finde es gut, dass Religion ausgeübt wird – egal welche – und dass den Jugendlichen vermittelt wird, wie wichtig die Religion ist.“ 

Das sieht Nurettin Sen ähnlich. Es sei wichtig, dass Kinder aus muslimischen Familien die eigene Kultur und Religion vermittelt bekommen. „Aber wenn sie hier aufwachsen, sollten sie auch von der christlichen Religion etwas mitbekommen und wissen, worum es dabei geht“, sagt er. Das sei dann auch der Fall, wenn die Kinder die Schule besuchen, wie Nurettin Sen erklärt: „Da wird dann auch im Chor von ,Gottes Sohn’ gesungen.“ Auch wenn Jesus für Muslime nicht Gottes Sohn ist, sondern als Prophet gilt. 

Der Weihnachtsmann steht zu sehr im Vordergrund, findet Nihat Keles.

Und wenn die deutschen Nachbarn zu Nikolaus einen Stiefel vor die Tür stellen, in die dann kleine Geschenke kommen, dann wollten die Kinder das auch, erzählt Sen: „Man muss ihnen dann erklären, dass es das bei uns nicht gibt.“ Man sollte es eben nicht übertreiben und sich an gewissen Bräuchen nicht beteiligen. „Man kann Kinder ja beschenken, aber es muss ja nicht zu Weihnachten sein.“ Denn jeder habe seinen Glauben und das sollte auch respektiert werden. 

Gegenseitiger Respekt ist wichtig 

Ein Zeichen des Respekts sei zum Beispiel, dass Muslime von ihren Arbeitgebern zu muslimischen Festtagen freibekommen wie die Christen zu ihren Festen, betont Nail Uyar vom Vorstand der Moschee-Gemeinde. Außerdem gebe man ihnen die Gelegenheit, das Freitagsgebet zu besuchen: „Das ist alles nicht selbstverständlich.“ Viele gehen nach dem freitäglichen Pflichtgebet sofort zurück zur Arbeit, andere bleiben noch in der Moschee. Zum Weihnachtsfest haben die einen mehr, die anderen weniger zu sagen. 

Für den in Deutschland aufgewachsenen Samet Atis ist Weihnachten als christliches Fest allerdings nebensächlich – schließlich ist es nicht sein Glauben, sagt er. Er müsse allerdings jede Religion respektieren: „Wenn ich das nicht tue, würde ich auch meine eigene nicht respektieren.“ Den gegenseitigen Respekt betont auch Mustafa Özeren: „Wir erwarten ja auch zum Ramadan-Fest Respekt, also müssen wir auch Respekt geben.“ 

„Man lebt es selbst nicht“ 

Etwas zu Weihnachten zu sagen, da ist auch Ömer Balci erst etwas zögerlich. „Ich habe wenig Verbindung dazu, weil man es selbst nicht lebt“, sagt er, meint aber auch: „Negativ ist es nicht, es ist schön, dass da alle zusammenkommen.“ Das findet Ömer Konuk ebenfalls. Weihnachten sei etwas Schönes für die Familien. Dabei gehe es auch um den Zusammenhalt. „Das ist bei uns nicht anders, wenn es religiöse Feste gibt.“ 

Seine Kinder hätten in der Schule ebenfalls die Weihnachtstraditionen kennengelernt, dass zum Beispiel gebacken und gebastelt wird. Weihnachtsgeschenke gab es für seine Kinder aber nicht, erklärt Ömer Konuk: „Wir haben gesagt, wir haben zweimal Bayram, und da geben wir den Kindern Geschenke.“ Gemeint sind die muslimischen Feiertage, die auch als Zuckerfest und Opferfest bekannt sind.

 Eine Weihnachtstradition hat Ömer Konuk, der einen Döner-Imbiss betreibt, allerdings übernommen und seit rund zehn Jahren beibehalten, wie er verrät: „Wir machen jedes Jahr Kekse und verteilen sie an unsere Stammkunden.“

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