Münzfund: Warnung vor weiteren Suchaktionen

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Bürgermeister Dr. Bernd Eicker hatte den Numismatiker Dr. Peter Ilisch eingeladen.

HALVER ▪ „Wohlhabend war der Vergräber der Münzen nicht, aber er war auch nicht bettelarm“, erläuterte Dr. Peter Ilisch den „Jahrhundertfund“ in Halver im vergangenen Jahr. „14 Schweine hätte er kaufen können oder vielleicht sogar einen kleinen Bauernhof. Dass es dazu nicht mehr kam, liegt vermutlich an politischen Unruhen zu jener Zeit.“

Feldzüge und Verfolgungen seien zwischen 1090 und 1102 an der Tagesordnung gewesen und nicht jeder hätte seinen Besitz frei heraus tragen können. Die 236 Silbermünzen, die drei Männer im nördlichen Bereich von Halver fanden (wir berichteten), beschäftigen auch heute noch die Halveraner Bürger.

Aus diesem Anlass lud Bürgermeister Dr. Bernd Eicker den Numismatiker Dr. Peter Ilisch in den Kulturbahnhof ein. Der Münzexperte des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte in Münster weihte die rund 70 Besucher in die Geheimnisse des Schatzes ein. Die Musikschule Halver, unter der Leitung von Elisabeth Manns, untermalte den Abend mit mittelalterlichen Flötenklängen.

Ilisch hatte sich im vergangenen Jahr eindringlich mit der Studie der Münzen befasst. „Die Münzen stammen aus der Salierzeit, einer Epoche des Mittelalters“, so Ilisch. Zwei verschiedene Währungen trug der Mann vor rund 920 Jahren bei sich. Der eine Teil stammte aus der westfälischen Prägung, der andere aus der Kölner Prägung.

Eine Münze stellt die Forscher bis heute vor ein Rätsel. Außer in Halver ist diese Art noch nie bei einem Münzfund vorgekommen, deshalb sei die Forschung momentan etwas überfordert, so der Experte. Zeichen, Bilder und Zahlen ließen sich momentan noch nicht zuordnen, „aber wir arbeiten dran“, versprach Ilisch. Neben den Münzen gilt auch das Töpfchen, in dem die Pfennige lagen, als archäologische Sensation. „Meine Kollegen waren schon alleine deswegen ganz aus dem Häuschen.“ Das leicht bläulich schimmernde Gefäß gehört wahrscheinlich zu einem Luxusgeschirr, das in Paffrath, nahe Köln, angefertigt wurde.

„Dieser Schatz ist ein großes Vermächtnis für unsere Heimatgeschichte und ein wahrer Sensationsfund!“, drückte Bürgermeister Eicker seine Begeisterung aus. Dennoch warnten Eicker und Ilisch vor Suchaktionen nach weiteren Relikten. Nicht nur, dass die Arbeit mit einem Metalldetektor einer Genehmigung bedarf, auch Zerstörungen der Wälder seien nicht erwünscht, so Eicker. Ilisch: „Heute haben diese Funde auch vielmehr ideellen und historischen Wert, reich wird man dadurch nicht. Und es ist doch auch schön, nur zu wissen, dass dort noch irgendwas unter der Erde schlummert.“ ▪ Friederike Domke

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