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Müll im Wald ist ein Problem - Jäger stellen Veränderung fest

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Von: Fabienne Schwarzer

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Ein Einkaufswagen mitten im Wald: Der hat da nichts zu suchen. Neben Bauschutt taucht solcher Müll häufiger mal auf.
Ein Einkaufswagen mitten im Wald: Der hat da nichts zu suchen. Neben Bauschutt taucht solcher Müll häufiger mal auf. © Privat

Müll, Lärm und schrumpfender Lebensraum: Die Bewohner des Waldes haben mit vielen Herausforderungen zu kämpfen. Kristian Filling, seit einigen Monaten der neue Obmann für Öffentlichkeitsarbeit des Hegerings Halver, zeigt diese Probleme bei einer Tour durch das Revier auf.

Halver Schon an dem kleinen Parkplatz an der B 229 kurz hinter Schwenke wird das wohl bekannteste Problem deutlich: Nach wenigen Schritten stolpert man über Kaffeebecher aus Plastik, Dosen und anderen Müll. Kristian Filling warnt davor, den schmalen Streifen zwischen Parkplatz und Zaun zu betreten, einige Fahrer und Wanderer würden diesen als Toilette nutzen. Neben den Mülleimern würden regelmäßig volle Säcke abgeladen, auch Autoreifen und Bauschutt seien dabei. Einmal habe sogar ein Fenster am Mülleimer gelehnt.

Der Abfall ist jedoch nicht auf den Parkplatz begrenzt, er wird auch über den Zaun in den Wald geworfen. Im Revier hat Filling bereits Autoreifen, Teppiche und sogar einen Einkaufswagen gefunden. Auch Hegeringleiter Mark Holthaus kennt das Problem. Bei einer Säuberungsaktion seien 15 Liter undefinierbare Flüssigkeit gefunden worden, auch ganze Ölfässer seien aus dem Wald geholt worden. Für die Tiere häufen sich damit die Vergiftungs- und Verletzungsgefahren in ihren immer kleiner werdenden Rückzugsgebieten.

„Wildschweine haben wir hier so gut wie keine mehr“

Mark Holthaus, Hegeringleiter

„Der Mensch breitet sich aus“, sagt Kristian Filling, während er durch die Siedlung an der Beverstraße fährt. Vor einigen Jahrzehnten hätten hier lediglich zwei Häuser gestanden. Für viele Tiere fallen besiedelte Gebiete als Lebensraum weg, da sie sich instinktiv von Menschen fernhalten, erklärt der Jäger. Doch auch in den Wäldern fehlt es an vielen Stellen an Unterschlupf und vor allem Ruhe. Große Einschläge in den Fichtenbeständen, laute Maschinen und zerstörte Böden und Sträucher vertreiben das Wild. „Wildschweine haben wir hier so gut wie keine mehr“, sagt Mark Holthaus.

Die verbleibenden Bereiche teilen sich die Tiere oft mit Waldbesuchern, die grade in Corona-Zeiten den Wald als Freizeitvergnügen entdeckt haben. Auch wenn vermutlich der Großteil der Spaziergänger, Fahrradfahrer oder Jogger den Wald respektvoll nutzt, macht sich der wachsende „Freizeitdruck“ laut Kristian Filling und Mark Holthaus deutlich bemerkbar. Reiter, die die Wege verlassen, Hundebesitzer, die ihre Vierbeiner nicht unter Kontrolle haben, und sogar Motorräder im Wald stören die Tiere. Oft reagierten die Menschen uneinsichtig, wenn sie auf ihr Verhalten angesprochen würden, sagt Filling. „Sie denken, der Wald gehört ihnen.“

„Je mehr Tiere es von einer Art gibt, desto leichter verbreiten sich natürlich Krankheiten.“

Kristian Filling, Obmann für Öffentlichkeitsarbeit

Dass die Menschen besonders in der aktuellen Situation vermehrt ihre Freizeit in der Natur verbringen, können sowohl Kristian Filling als auch Mark Holthaus verstehen. „Aber man muss sich an die Regeln halten“, sagt Holthaus. Schließlich stünden die Waldbewohner durch die vielen Arbeiten in ihren Revieren ohnehin unter Stress. Außerdem würden mehr und mehr Flächen wirtschaftlich genutzt, Maisfelder gepflanzt und Weihnachtsbaumkulturen eingezäunt. Dadurch gehe nicht nur Lebensraum, sondern auch bejagbare Fläche verloren. Wenn das Jagen erschwert wird und die Bestände nicht reguliert werden, könne es laut Kristian Filling vermehrt zu Wildunfällen oder Krankheiten kommen. „Je mehr Tiere es von einer Art gibt, desto leichter verbreiten sich natürlich Krankheiten“, erklärt er. Vor allem der Fuchs könne viele Infektionen und Parasiten auf Hunde oder auch Menschen übertragen.

Das Schießen von Wildtieren ist jedoch nur ein Teil der Aufgaben eines Jägers. Man schaue, dass es den Tieren gut geht, erklärt Filling, während er mit seiner Hündin Yule durch das Revier läuft. Die Dackeldame biegt ab und möchte auf Entdeckungstour gehen. „Da unter dem Damm wohnt der Fuchs“, erklärt Filling und ruft Yule sicherheitshalber zurück.

Er selbst habe in den vergangenen Jahren kaum Tiere geschossen. Stattdessen werden Nistkästen gesäubert, Fuchsbauten angelegt, Obstbäume gepflanzt und Wildwarner entlang der Straßen montiert, damit weniger Tiere in den Straßenverkehr geraten. „Wir hegen und pflegen“, fasst Filling zusammen.

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