Müll-Diskussion: Stadt weist Kritik zurück

Ein System in Schieflage: Rathaus-Mitarbeiter Kai Hellmann weist die Kritik der Politik am Tonnen-Tausch zurück.

HALVER ▪ Wenn man so will, stach FDP-Fraktionssprecher Michael Kortmann am Mittwoch in ein Wespennest: Seine Kritik am Mülltonnentausch durch die Firma Lobbe (wir berichteten) stieß nicht nur bei vielen AA-Lesern auf großes Interesse. Auch die Stadtverwaltung sah sich im Nachgang zur Hauptausschusssitzung zu einer Stellungnahme veranlasst.

Kai Hellmann, im Rathaus seit Monaten mit der Umstellung des Müllsystems beschäftigt, betonte im Gespräch mit unserer Zeitung, dass man Verständnis für die Kritik der Bürger habe: neue Abrechnungsbescheide, neue Ansprechpartner, neue Tonnen – „wir wissen, dass wir den Bürgern ziemlich viel zugemutet haben.“ Dabei räumt er im Namen der Stadtverwaltung auch Fehler ein: So habe man der Firma Lobbe in Einzelfällen falsche Daten zur Verfügung gestellt. „Da müssen wir zu stehen“, sagt Hellmann, der jedoch zu bedenken gibt, dass insgesamt 40 000 Daten bearbeitet werden mussten.

Des Weiteren habe auch die Firma Lobbe punktuell einen falschen Austausch der Tonnen vorgenommen – wenn etwa 60- statt 80-Liter-Gefäße geliefert wurden. Nicht zuletzt hätten auch einige Eigentümer von Mehrfamilienhäusern versäumt, ihre Mieter auf die neuen Tonnen hinzuweisen. „So wussten einige Bewohner dieser Häuser in Ballungsgebieten teilweise nicht, welche Tonne zu welchem Haus gehört“, berichtet Hellmann von zahlreichen Telefonaten, die die Verwaltung in den vergangenen zwei Wochen diesbezüglich führen musste. Dass sich der Tonnen-Tausch vor allem in den Außenbezirken verspätet, begründet er mit dem Einsatz ortsfremder Lobbe-Mitarbeiter, die teilweise lange nach Hausnummern suchen mussten. In diesem Zusammenhang weist Kai Hellmann auf die konzertierte Aktion des Entsorgers hin: „Sämtliche verfügbaren Kräfte wurden für den Tausch der Müllgefäße in Halver zusammengezogen.“ Sogar der Chef der Lobbe-Niederlassung Marienheide habe sich hinter das Steuer eines Lastwagens gesetzt.

Die reguläre Anlieferung und Abholung der Tonnen soll auf jeden Fall am morgigen Samstag beendet sein, so Hellmann. „In der kommenden Woche werden dann die Änderungswünsche der Bürger berücksichtigt.“ Laufende Reklamationen zu Gebührenbescheiden oder nicht abgeholten Tonnen würden bereits jetzt bearbeitet.

„Als ‚misslungen‘ würde ich die Aktion allerdings nicht bezeichnen“, weist Kai Hellmann die Kritik Michael Kortmanns zurück. Zumal es keine Alternative zum Müllsystemwechsel gegeben habe. „Die Chips waren rechtlich nicht mehr vertretbar, da wir linear und nicht mehr degressiv die Müllkosten pro Einwohner berechnen müssen.“

Einen Änderungsbescheid müssten die Halveraner bei noch nicht abgeholten Abfallgefäßen vorerst nicht fürchten: Wer seine alte Tonne versehentlich zu früh wieder von der Straße weggezogen hat, sollte sie in der kommenden Woche am Straßenrand stehen lassen. „Dann werden die restlichen alten Gefäße abgeholt“, so Kai Hellmann. Wer diesen Termin verpasse, würde zunächst angeschrieben. Und erst als allerletzte Option erhielten Bürger, die zu viele Tonnen halten, einen Änderungsbescheid. „Aber das ist natürlich auch nicht in unserem Interesse.“ ▪ Frank Zacharias

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