Polizei sucht Gespräch mit Motorradfahrern

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Polizeibeamte hielten Motorradfahrer auf der L 528 auf Halveraner Stadtgebiet an und suchten mit ihnen das Gespräch, um auf die Gefahren hinzuweisen.

[Update 15.10 Uhr] Halver - Die Polizei hat in Halver kontrolliert. Dabei ging es vor allem um Motorradfahrer, die auf der Landesstraße 528 unterwegs waren.

Auf der einen Seite das Gespräch, auf der anderen Seite klare Kante – mit diesem Konzept geht die Polizei im Märkischen Kreis auf Motorradfahrer zu. Kombinationskontrolle nennt sich der polizeiliche Begriff dafür. 

Ein Zelt-Pavillon an der Landesstraße 528 in Richtung Kierspe, Höhe Abzweig Im Heede, war am Freitagnachmittag die ungewöhnliche Kontrollstelle des Verkehrsdienstes. Unabhängig von Fahrstil, Motorradtyp und Geschwindigkeit fischten die Beamten Motorradfahrer aus dem Verkehr. Das Ziel: Aufklärungsarbeit vor dem Hintergrund schwerer Unfälle. 

Neun Tote, 174 Schwerverletzte, 373 Leichtverletzte – das sei die Bilanz aus den Jahren 2015 bis 2017, wissen die Beamten an der Kontrollstelle. Polizeioberkommissar Peter Griwalski und Hauptkommissar Andreas Filthaut haben in der Regel keine Probleme mit ihren Klienten bei den Kombikontrollen. 

Sichtbarkeit bringt Sicherheit 

Drei Dinge sind es, die sie ihnen eindringlich nahebringen: 

Sichtbarkeit bringe Sicherheit – das ist ein Thema. Die neonfarbenen Warnwesten sind nicht bei allen Kradfahrern beliebt, aber deutlich besser sichtbar als die dunkle Kombi im Wechselspiel von Licht und Schatten. 

Zweite Botschaft ist der Appell, Fahrsicherheitstrainings in Anspruch zu nehmen. Wer es einmal gemacht hat, ist begeistert, so die Erfahrung der Motorradfahrer, die an der Landesstraße aus dem Berufsverkehr geholt werden. Grund ist die Tatsache, dass etwa 40 Prozent der Unfälle, die passieren, nicht von Motorradfahrern, sondern von ihren Unfallgegnern verursacht werden. Die müssen die Kradfahrer also ebenfalls auf dem Schirm haben – entgegenkommende, überholende Autos genauso wie Trecker mit Anbauten, die aus einmündenden Feldwegen auf die Straßen rollen, auf denen die Kradfahrer unterwegs sind. Richtiges Ausweichen rettet Leben, sind sich die Beamten sicher.

Unterstützt wurden die Beamten bei ihren präventiven Kontakten durch Kollegen der Motorradstaffel aus Lüdenscheid.

Auch um unangepasste Geschwindigkeit geht es im Gespräch mit den Kradfahrern und dem Allgemeinen Anzeiger beim Ortstermin. Filthaut, früher selbst Motorradfahrer, hat sein Hobby aus Vernunftgründen an den Nagel gehängt. Und er findet es befremdlich, dass Anfänger nach einer überschaubaren Zahl von Fahrstunden mit einer 150-PS-Maschine auf den öffentlichen Verkehrsraum losgelassen werden. 

Schöne Moto Guzzi, blühende Natur: Der Reiz des Motorradfahrens ist allerdings immer mit Risiken verbunden.

Auf Kuschelpädagogik allein verlässt sich die Polizei daher bei ihrer Aktion nicht, die verstärkt seit dem vergangenen Jahr gefahren wird. Kombinationskontrolle heißt es, weil nachgelagert hinter dem Pavillon auch gemessen wird. 

„Die Maßnahmen der Verkehrsunfallprävention wurden unmittelbar in der Wirksamkeit überprüft“, heißt es trocken im Polizeibericht. Das Ergebnis war am Freitag erfreulich. Lediglich einer der Gesprächspartner rauschte anschließend zu schnell in die Messung. Mit 90 statt 70 km/h Höhe Schmidthausen blieb es bei einem Verwarngeld. 

„Beifang“ in der Messstelle 

In der Gegenrichtung sah das allerdings schon anders aus. 118 km/h auf der Uhr bei erlaubten 70 – das wurde unangenehm. Den Fahrer erwartet ein Bußgeld in Höhe von 240 Euro, zwei Punkte in Flensburg. 

Ein interessanter „Beifang“ ging den Beamten ebenfalls in der Kontrollstelle ins Netz. Ein Autofahrer aus Kierspe war dort mit 121 km/h unterwegs. Einen Führerschein hatte er bereits seit mehr als einem Jahr nicht mehr. Hinzu kam der Verdacht auf Drogenkonsum, so dass die Kontrolle mit der Fahrt zur Polizeiwache Halver für den Mann endete und ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde. 

Weitere Erkenntnis der Beamten aus dem Einsatz in Schmidthausen: Von 1708 gemessenen Fahrzeugen waren insgesamt 158 zu schnell. In 143 Fällen kam es zu Verwarngeldern, in 15 aber auch zu Ordnungswidrigkeitenanzeigen. 

Der Verkehrsdienst im Märkischen Kreis wird weitere Kontrollen in der beschriebenen Konzeption durchführen, schreibt die Polizei in ihrem Bericht.

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