Vielstimmiger Sarkasmus

Lästerte über die Deutschen: Moritz Netenjakob.

HALVER - Er hat sie alle drauf: Udo Lindenberg, Marcel Reich-Ranicki, Gerd Rubenbauer, Franz Beckenbauer oder Dieter Hallervorden. Doch Moritz Netenjakob ist weit mehr als ein begnadeter Stimmenimitator. Das bewies der Kabarettist mit seinem Programm „Multiple Sarkasmen“ in der Aula des Anne-Frank Gymnasiums. Von der ersten Sekunde an lästerte der Kölner munter drauf los über die ewig nörgelnden Deutschen.

So stellte er sich zum Beispiel vor, wie es gewesen wäre, wenn ein Deutscher zuerst den Mond betreten hätte: „Alles grau hier, keine Atmosphäre, alles Scheiße. Wär’ ich doch in Bitterfeld geblieben.“ Auch gegen Sänger Herbert Grönemeyer, den er genial imitierte, teilte Netenjakob immer wieder aus, zum Beispiel über seinen „freudigen“ Song zur Fußball-WM: „Das ist doch keine Freude, das ist Verstopfung.“

Ein absurdes Szenario zeichnete der Comedy-Autor und Schriftsteller auf, indem er sich den Überfall eines UFOs auf Deutschland vorstellte. Während Udo Lindenberg, Peter Maffay, Jan Delay und Herbert Grönemeyer im Hamburger Hotel „Atlantic“ diskutieren, was zu tun ist, wird halb Deutschland pulverisiert. Zum Ärger der Nachbarn aber nicht die schattenwerfende Tanne von Schmitz in Köln-Poll.

Ein weiterer Schwerpunkt des Programms lag auf den Leiden Netenjakobs als Sohn eines Intellektuellen. So hörte er in seiner Kindheit Schlaflieder á la Wolf Biermann. Mit stilechtem Schnurrbart und Luftgitarre gab der Komiker die wundersamen Protestsongs zum Besten. Mit seiner musikalischen Antwort als Jugendlichen, zum Beispiel mit dem Schlager „Betroffenheit auf Kos“ oder der literarischen Interpretation eines Songs auf der „Epoche Ballermann“, entfachte Netenjakob beim Publikum Begeisterungsstürme.

Ob die Neu-Erschaffung der Welt in sieben Tagen durch den deutschen Bundestag oder einen schnell getakteten Schlagabtausch der multiplen Persönlichkeiten in einer Stimmenimitator-Selbsthilfegruppe, Netenjakob überzeugte eigentlich in jeder Szene.

Mit seinen sarkastischen Lästereien, die oft genug ins Schwarze trafen, seiner Mimik und natürlich seinen überzeugenden Stimmenimitationen spielte sich der Kölner in die Herzen der Westfalen. Der frühere Chef-Autor von „Switch“, „Wochenshow“ und weiteren bekannten Fernsehshows bewies eindrucksvoll, dass er nicht nur ein beliebter Autor für viele deutsche Comedy-Stars ist, sondern mindestens genauso viel Spaß macht, wenn er selbst auf der Bühne steht.

So wurde die erste Abo-Veranstaltung der „Kulturzeit“ in diesem Jahr mit voll besetzten Rängen ein mehr als gelungener Auftakt. Bei der nächsten Abo-Veranstaltung am 15. Februar können sich die Halveraner auf Kabarettistin Simone Solga mit ihrem Programm „Bei Merkels unterm Sofa“ freuen. - rit

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare