Jan Möbus siegt beim Halveraner Poetry Slam

Stilistisch entfaltete Jan Möbus in seinen Texten die größte Bandbreite - und sicherte sich so den Sieg. - J. Salzmann

Halver - And the winner is: Jan Möbus. Mit bissig-amüsanten bis tiefgründigen Texten zwischen Storytelling und gesprochener Lyrik holte sich der Remscheider Poetry-Slammer Jan Möbus am Samstag beim ersten Halveraner Poetry Slam in der „Tanke - Haare und Kunst“ die „Goldene Schere“ als Sieger-Trophäe.

Vier namhafte Bühnenliteraten hieß Martina Asbeck in ihrer kleinen, feinen Spielstätte zum modernen Dichterwettstreit, der immer größere Popularität gewinnt, willkommen. Neben dem Remscheider Jan Möbus waren dies Luca Swieter aus Aachen, Jan Schmidt aus Hilchenbach und Michael Heide aus Köln. Durch das Programm führte Oscar Malinowski. Elina Raddy, die gleichfalls als Moderatorin vorgesehen war, musste aus gesundheitlichen Gründen passen. Beide sind aktiv in der Poetry Slam-Szene unterwegs und Veranstalter des Wermelskirchener Slams „Zeilensprung“.

Vorab machte Oscar Malinowski die Besucher der gut besuchten Veranstaltung mit den drei Regeln des Slams vertraut: „Die Texte müssen selbst geschrieben sein. Es muss ein Zeitlimit von sechs Minuten eingehalten werden. Und es dürfen keine Requisiten benutzt werden.“ Mit Karteikarten und - im Finale - mit Applaus stimmten die Zuhörer als Juroren für ihren Favoriten ab. Großartige Texte, die begeisterten, hatten alle vier Poeten dabei. Zwei Durchgänge gab’s, bevor sich Jan Möbus und Michael Heide im Finale ein Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten.

Mit einem tiefgründigen Bekenntnis zum Slam, geschliffen formuliert, trug Jan Möbus letztlich den Sieg davon. Nicht zuletzt die intime Atmosphäre in der „Tanke“ machte den besonderen Reiz des Poetry Slams vor Ort aus. Unplugged, ohne Mikro trugen die vier Slammer ihre Texte vor - oft auswendig, ohne „Spickzettel“. Die stilistische Bandbreite, wie sie dies taten, war enorm. Michael Heide räumte in der Vorrunde mit einem lustigen Text über „Die Barbierin Sevilla“, Lust und Frust eines verliebten Friseurbesuchers bei der Friseuse seiner Träume, ab. Pech, dass die Angebetete einen Freund hatte. Pure Mordlust weckte der Nebenbuhler beim zutiefst enttäuschten Möchtegern-Ehemann. An der neuen Sprache, die er mit einigen Freunden erfunden hat, ließ Jan Schmidt auf humorvolle Weise teilhaben. Jeden Vokal durch ein E oder A ersetzen und ähnlich lautete die Regeln, die es nicht gab. Interaktiv stellte der gebürtige Wülfrather, der heute in Hilchenbach lebt, die Sprache auf den Kopf. Poetische, rätselhafte Sprachwelten entwarf Luca Swieter in Texten wie dem vom „Mädchen mit der alabasterfarbenen Haut“.

Stilistisch entfaltete Jan Möbus in seinen Texten die größte Bandbreite aller zum Dichterwettstreit angetretenen Slammer. Einen bissig-amüsanten Beitrag zu einem Themen-Slam bot sein „Lösungsansatz“, bei dem er Veganern auf die Finger klopfte und eine radikal neue Esskultur erfand. Voraussetzung: ein extrem robuster Magen. Väterliche Empörung machte sich im offenen Brief an Bestsellerautorin Joanne K. Rowling, die bekanntlich den Zauberschüler Harry Potter erfand, Luft. Von wegen Fantasy! „Keine einzige Wand am Wuppertaler Hauptbahnhof ist das Tor zu einer neuen Welt!“, seine schmerzliche Erkenntnis. Einen weiteren Slam vor Ort stellten Martina Asbeck und Oscar Malinowski zum Abschluss in Aussicht. - ms

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