Bis zu 50 Mitarbeitern droht bei Jung, Boucke Kündigung

Die Firma Heinrich Jung & Sohn fusionierte 1994 mit der Firma Boucke. Daraus ging das Unternehmen Jung, Boucke hervor, in dem nun bis zu 50 Mitarbeiter entlassen werden könnten. ▪ Archiv

HALVER ▪ Noch Ende März war von „ersten positiven Signalen“ die Rede – einen knappen Monat später gestalten sich die Zukunftsaussichten für die Mitarbeiter der Firma Jung, Boucke weitaus weniger rosig.

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Wie die Geschäftsleitung und der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Dirk Andres am Mittwochabend erklärten, „ist davon auszugehen, dass 40 bis 50 Beschäftigte von Kündigungen betroffen sein werden“. Insgesamt zählt das Unternehmen derzeit noch 235 Mitarbeiter in Halver. Wie es gegenüber dem Betriebsrat sowie der Belegschaft hieß, stehe die gesamte Produktionssparte „Feinstanzen“ auf dem Prüfstand. Als Grund nannten die Verantwortlichen die fehlende Rückendeckung maßgeblicher Kunden. In Gesprächen sei deutlich geworden, dass diese Jung, Boucke nicht weiter unterstützen, sondern kurz- bis mittelfristig zu anderen Lieferanten wechseln wollten. „Schon kurzfristig“ könnte daher dieser Produktionsbereich – und mit ihm bis zu 50 Mitarbeiter – zur Disposition stehen. Gestärkt werden solle hingegen der „Kerngeschäftsbereich Schmieden“ – und zwar „durch einen weiteren Ausbau der Wertschöpfung“, wie es am Mittwoch hieß.

„Wir wollen den eingeschlagenen Weg der Sanierung weiter konsequent verfolgen. Dazu zählen notwendigerweise auch Anpassungen der Anzahl und Struktur der Beschäftigten“, sagte Dr. Jochen Vogel, der für die Restrukturierung verantwortliche Geschäftsführer. Als nächster Schritt würde nun ein Konzept erarbeitet, um die notwendigen Personalanpassungen sozialverträglich zu gestalten. „Unser Ziel ist es, in Halver so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten“, ergänzte Hans Ulrich Volz, geschäftsführender Gesellschafter von Jung, Boucke.

Die konkrete Ausgestaltung erfolge in Zusammenarbeit mit Betriebsrat und Gewerkschaftsvertretern. „Wir werden unser weiteres Vorgehen nach wirtschaftlichen und vor allem arbeitsrechtlichen Gesichtspunkten überprüfen“, sagt Insolvenzverwalter Dr. Dirk Andres. Erst im Anschluss daran könne man mit Bestimmtheit sagen, zu welchen Bedingungen Anpassungen im Unternehmen vorgenommen werden können. „Sobald die Details feststehen und wir das Konzept mit dem Betriebsrat abgestimmt haben, werden wir alle Beteiligten umfassend über die nächsten Schritte informieren“, verspricht Andres. Die Geschäftsführung und der vorläufige Insolvenzverwalter kündigten schließlich an, in den nächsten Tagen intensive Gespräche mit dem Betriebsrat und den Kunden des Automobilzulieferers führen zu wollen.

Wie berichtet, hatte die Geschäftsleitung von Jung, Boucke am 28. März beim zuständigen Amtsgericht in Hagen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Dabei wird eine „Planinsolvenz in Eigenverwaltung“ angestrebt. Wie Hans Ulrich Volz und Dr. Jochen Vogel noch am 29. März gegenüber dem AA erklärten, sei dies das beste Verfahren, um das Unternehmen neu aufzustellen. Schon damals wiesen beide darauf hin, dass vieles bei Jung, Boucke hinterfragt werden und eine Entschuldung der Altverbindlichkeiten erfolgen müsse. ▪ Frank Zacharias 

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