Mitarbeiter der Awo-Kita „Wundertüte“ streiken

An der Eingangstür der Kindertagesstätte „Wundertüte“ weisen Schilder darauf hin, dass die Einrichtung bestreikt wird. - Ruthmann

Halver - Es ist nach dem 29. September bereits der zweite Tag, an dem die Gewerkschaft Ver.di die Mitarbeiter in den Einrichtungen der Arbeiterwohlfahrt (Awo) zum Streik aufruft. Davon betroffen ist auch die Kindertagesstätte (Kita) „Wundertüte“ an der Weststraße, in der Donnerstag und Freitag nur eine „Notgruppe“ betreut werden kann.

Von Det Ruthmann

„Als wir erfahren haben, dass es einen Streik geben wird, haben wir am Montag die Eltern informiert“, erklärt Kita-Leiterin Doris Teske gegenüber dem Allgemeinen Anzeiger. Die Eltern hätten bis auf ganz wenige Ausnahmen Verständnis signalisiert und ihre Kinder gestern zuhause gelassen. Insgesamt 75 Mädchen und Jungen werden von 14 Erzieherinnen und Praktikantinnen in der „Wundertüte“ betreut – 51 Kinder blieben beziehungsweise bleiben heute zuhause.

Für 24 Mädchen und Jungen hat Doris Teske zusammen mit den sogenannten Dreifachkräften (Erzieherinnen) und Praktikantinnen eine Notgruppe eingerichtet. „Denn die Eltern wissen sonst nicht, wo sie ihre Kinder unterbringen können“, macht die Awo-Kita-Leiterin deutlich, dass man in solchen Fällen einen wahren Spagat machen müsse. Auf der einen Seite habe man Verantwortung gegenüber den Kindern, deren Betreuung gewährleistet werden müsse, und damit auch ihren Eltern. Andererseits gehe es aber auch um eine angemessene Bezahlung der Erzieherinnen.

Was nicht ganz einfach sei, wenn mehr als 50 Prozent des Personals wegbrechen würde. Doris Teske schränkt allerdings ein: Einige Kolleginnen seien krank oder hätten einfach Urlaub. Bei „nur“ 24 Kindern in der Einrichtung gehe es zwar deutlich ruhiger zu. Doch mit lediglich vier Betreuungskräften sei es nicht einfach, diesen Notbetrieb zu stemmen. In Halver gibt es aber wenigstens einen Notbetrieb, während in anderen Städten die Kindertagesstätten gänzlich geschlossen bleiben.

Zum Hintergrund: Die Erzieherinnen in den Einrichtungen der Arbeiterwohlfahrt erhalten durchschnittlich etwa 200 Euro weniger als die Kolleginnen in öffentlichen und anderen Einrichtungen. Was die Gewerkschaft Ver.di ändern möchte. Dem hält Jörg Altenbernd, Geschäftsführer des Awo-Bezirksverbandes Westliches Westfalen entgegen, dass sein Sozialverband schlechter gestellt sei als die öffentliche Hand.

Gleichwohl habe die Arbeiterwohlfahrt ein Plus von 3,5 Prozent bei Löhnen und Gehältern – in zwei oder drei Stufen in den kommenden elf Monaten – angeboten. Darüber sollte verhandelt werden, kritisiert Altenbernd die Streikaktionen von Ver.di.

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