Corona in Halver

Mit Schnelltestergebnis zum Friseur - „Alles ist besser als zu schließen“

Friseur Wiedereröffnung nach Lockdown Corona Halver
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Jan Wagner

Der Friseurbesuch läuft seit Samstag anders ab als zuvor. Bevor es den Kunden an die Haare geht, muss ein tagesaktueller, negativer Schnelltest vorgelegt werden. Entweder wird der Test vor Ort „frisch“ gemacht oder das negative Ergebnis dem Friseur vorgezeigt.

Halver – Die schnelle Umsetzung habe Achim Schilling „schon ein wenig erschrocken“. Schilling ist Obermeister der Friseur-Innung des Märkischen Kreises. Er führte viele Gespräche mit Friseurkollegen und kam zu einem eindeutigen Ergebnis: „Vom ganzen Ablauf wird es sicherlich eine Herausforderung, die Tests vor Ort durchzuführen. Der Zeitaufwand ist schon ein großer Faktor. Uns wäre es am liebsten, wenn die Kunden beim Testzentrum einen Test machen.“ Dabei ginge es ihm nicht darum, genug Tests zu bekommen. Seiner Meinung nach, geht die Berufsgruppe durch den Testvorgang eine weitere Gefahr ein – ohne selbst geimpft zu sein. „Was passiert, wenn ein Kunde positiv getestet wird? Bin ich als Friseur dazu verpflichtet, den Fall zu melden oder muss der Kunde reagieren? Ich weiß es, ehrlich gesagt, nicht“, sagt Schilling.

Im Salon von Jan Wagner am Bächterhof gibt die Lokalgröße von rund 300 Quadratmeter einiges her. Den Eingangsbereich hat der Friseur umgestaltet und für Testungen hergerichtet, wenn sie nötig sein sollten. Eine Woche mehr Vorlauf hätte dafür gesorgt, dass sowohl Kunden als auch Salons sich vorbereiten können.

„Alles ist besser als zu schließen“, sagt Jan Wagner und hat daher auch eine Mitarbeiterin schulen lassen, sodass Kunden ohne Tests nicht weggeschickt werden müssen, sondern im Eingangsbereich getestet werden können.

Jan Wagner hat eine Mitarbeiterin in einer Nacht- und Nebel-Aktion schulen lassen, damit sie, wenn nötig, Kunden testen darf. Denn die Laientests, mit denen man sich selbst testen könnte, sind nicht mehr erhältlich gewesen. Wer sich nicht testen kann, kann sich bei Jan Wagner vor dem Termin zum Selbstkostenpreis testen lassen. „Von uns wird verlangt, was das Gesundheitsamt seit einem Jahr nicht auf die Beine gestellt hat“, sagt Wagner. Aber: Wegschicken möchte er alleine aufgrund der wirtschaftliche Lage keine Kunden.

Andrea Mertens vom Salon Hintze hat gerade einmal genug Tests, um sich und ihre Mitarbeiter alle zwei Tage testen zu können. Sie wartet auf eine Lieferung. Wie geht man mit einem positiven Test um? Personalien wie im Testzentrum nehmen Friseure nicht auf. Andrea Mertens hatte diesen Fall am Samstag. Eine Kundin brachte ihren Test mit und wollte ihn im Salon machen. Andrea Mertens bat sie, den Test draußen zu machen. Die Kundin ging in ihr Auto. „Dann rief sie mich an und sagte mir, dass sie positiv ist.“ Im Grunde also gut, dass sie sich getestet hat – sonst hätte sie vielleicht Mitarbeiter und Kunden angesteckt.

Positiver Test im Salon Hintze von Andrea Mertens

Ob sie sich jetzt in Quarantäne begibt und einen PCR-Test als Nachweis machen lässt, weiß Mertens nicht. Fühlt man sich sicherer? „Unsicher habe ich mich nie gefühlt“, sagt die Friseurin. Aber ja, beide Halveraner Friseure sagen, es ist für die Kunden und Mitarbeiterinnen sicherer. Aber Maske und Hygiene haben auch immer ausgereicht, sagt Mertens. „Ich kenne keine Fälle im Friseursalon.“ Großes Verständnis für die neue Maßnahme hat auch der Innungsmeister nicht, denn: „Unsere eigentliche körpernahe Dienstleistung hat ja wirklich gut funktioniert.“ Bei über einer Million Bedienungsfällen deutschlandweit sei es im vergangenen Jahr lediglich zu zwölf Coronafällen gekommen, sagt Schilling und stützt sich auf die Informationen vonseiten der Berufsgenossenschaft.

Schilling befürchtet für die Friseurbetriebe im MK-Gebiet, dass Kunden vermehrt absagen. Und er behält schon jetzt Recht. Beim Salon Hintze haben bereits einige Kunden abgesagt. Am Samstag war sehr wenig los, erzählt sie. Die Gründe seien unterschiedlich. Die einen Kunden haben keinen Test kaufen können, andere haben keinen Termin im Testzentrum bekommen – und wieder andere haben bereits angekündigt, sich nicht testen zu lassen. Eine Kundin sagte Andrea Mertens ganz klar, dass ihr dann eben eine bekannte Friseurin die Haare machen wird. „Ist das jetzt besser?“, fragt Andrea Mertens. Schwarzarbeit und Zusammenkünfte, die wahrscheinlich ohne Hygienemaßnahmen ablaufen werden. Andrea Mertens hat wenig Verständnis für die Regelungen, wenngleich sie froh ist, dass sie nicht schließen muss. „Aber es wurde nicht zu Ende gedacht“, sagt auch ihr Halveraner Kollege Jan Wagner.

Kunden kündigten bereits an, sich nicht zu testen

Ob es so bleibt, können beide Friseure nicht abschätzen. Kunden, die Ende der vergangenen Woche da waren, kündigten bereits an, dass sie sich das überlegen müssen, sagt Wagner. Kundinnen, die einmal wöchentlich zum Föhnen kommen, sehen den Aufwand nicht immer ein. Und am Ende kommen auch logistische Hindernisse hinzu – Tests, Termine, für ältere Kunden das Hinkommen zum Testzentrum, denen sich schon die Online-Terminvergabe als Hindernis darstellt. „Ich habe viele Kunden zwischen 80 und 90 Jahre“, erklärt Andrea Mertens. Aber auch wer geimpft ist, muss sich testen lassen. Ob die Kunden das immer auf sich nehmen, wissen beide Halveraner nicht. Die Bücher sind nach wie vor voll – noch. Termine, auf die viele lange gewartet haben, stehen zum Teil noch aus. „Alles ist besser als zu schließen“, betont Jan Wagner.

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