1. come-on.de
  2. Volmetal
  3. Halver

Mit dem Fahrrad ein Zeichen setzen: Halveraner nimmt an Critical-Mass-Aktion teil

Erstellt:

Von: Sarah Lorencic

Kommentare

Martin Donat ist selbst leidenschaftlicher Radfahrer und möchte das Fortbewegungsmittel auch auf dem Land mehr etablieren.
Martin Donat ist selbst leidenschaftlicher Radfahrer und möchte das Fortbewegungsmittel auch auf dem Land mehr etablieren. © Martin Donat

Am Freitag findet ein Fahrrad-Protest in Lüdenscheid statt. Radler wollen damit auf sich aufmerksam machen. Mit dabei ist Martin Donat. Er besitzt kein Auto und sagt: „Ich bin der lebende Beweis“, dass man kein Auto braucht. Für seine Heimat Halver will er aktiv werden und hat schon eine konkrete Idee.

Halver/Lüdenscheid – Explodierende Spritpreise, Verkehrsinfarkt und der Klimawandel – Für viele Probleme gibt es aus Sicht der Critical-Mass-Bewegung eine einfache Lösung: das Fahrrad. Pünktlich zum globalen Klimastreik von Fridays for Future wollen am Freitag, 25. März, in Lüdenscheid zum ersten Mal Fahrradfahrer und Fahrradfahrerinnen ab 18 Uhr gemeinsam als Tross über die Straßen fahren, um auf das Fahrrad als Problemlöser hinzuweisen und um sich für die eigenen Rechte im Straßenverkehr einzusetzen.

Mitfahren wird auch der Halveraner Martin Donat, er ruft weitere Halveraner dazu auf, mit nach Lüdenscheid zu kommen. Für ihn ist es ein großes Anliegen. „In Halver geht nichts am Freitag“, stellt der 44-Jährige enttäuscht fest. Die Aktion der Gruppe Critical Mass findet er eine gute Gelegenheit, um an dem Tag teilzuhaben und für das einzustehen, was seine Leidenschaft ist: das Radfahren. Er fährt mit, „damit hier mal was passiert“, sagt er – auch mit Blick auf Halver.

Ein Lastenrad zum Verleih

20 Jahre lebte er nach dem Studium im Ruhrgebiet und kam im Herbst letzten Jahres zurück in seine Heimat. Das Fahrrad, sagt er, ist hier kein präsentes Thema. Das will er ändern und aktiv werden. Am Freitag bei dem Fahrradstreik und bald auch privat in Halver. Mit einer Idee hat er sich bei den Leader-Kleinprojekten beworben und hofft auf die Förderzusage für einen Lastenrad-Verleih. Erfahrungen in dem Bereich hat er aus den Zeiten im Ruhrgebiet. Auch für seine Heimat sieht er viele Möglichkeiten.

Aufs Auto angewiesen? Ist man auf dem Land nicht, sagt er. „Ich bin der lebende Beweis.“ Ein Auto hat er nicht, er will auch keins. Er macht selbst alles mit dem Lastenfahrrad. „Das Argument, dass das auf dem Land nicht geht, lasse ich nicht gelten.“ Ausreden gibt es immer, aber er sagt: „Man muss es einfach wollen.“

Die Aktion in Lüdenscheid fordert ein fahrradfreundliches Lüdenscheid. Das wünscht sich Martin Donat als begeisterter Fahrradfahrer auch für Halver. Er lobt die geplante Fahrradstraße an der Hermann-Köhler-Straße, die es in Großstädten zu hauf gibt: „Solche Straßen haben einen positiven Effekt: Der Radfahrer hat Vorfahrt und Autofahrer müssen das einfach mal akzeptieren.“ Radfahrer dürfen in solchen Straßen auch in Gruppen und nebeneinander fahren.

Fahrradfahrer nehmen die Straße ein

Ähnlich läuft es am Freitag bei der Critical-Mass-Veranstaltung: Die Radfahrer nehmen eine Fahrbahn im geschlossenen Verband für sich in Anspruch, um darauf aufmerksam zu machen, dass auch sie ein Teil des Verkehrs sind. Die Grundlage für einen solchen geschlossenen Verband liefert die Straßenverkehrsordnung, die besagt, dass Gruppen, die aus mehr als 15 Radfahrern bestehen, auf der Fahrbahn nebeneinander fahren dürfen und nicht einen eventuell vorhandenen Radweg benutzen müssen.

„Für einen kurzen Moment stören die Teilnehmer auf diese Weise ganz bewusst ein wenig den Verkehrsfluss – und betätigen dabei friedlich ihre Fahrradklingeln“, erklärt Donat. Als wären Lüdenscheids Straßen ausgewiesene Fahrradstraßen. Weitere Ideen, die schnell und günstig umgesetzet werden können, sagt der 44-Jährige, gebe es zu wenig in Halver. Aber er will nicht nur kritisieren, sondern aktiv werden.

So können Sie teilnehmen

Wer mitfahren möchte, kann das am Freitag, 25. März, ohne Anmeldung tun. Die Lüdenscheider Critical Mass beginnt um 18 Uhr am Breitenfeld 3. Von dort aus radeln die Teilnehmer in gemütlichem Tempo Richtung Christuskirche, über die Weststraße und Hochstraße bis zum Bräuckenkreuz. Der Rückweg führt über den Sternplatz, die Friedrichstraße, Bahnhofstraße und Heedfelder Straße bis zum Kreishaus.

Was ist Critical Mass?

Die Gruppe Critical Mass Lüdenscheid (zu Deutsch: die „kritische Masse“) ist Teil einer weltweiten Bewegung, bei der sich mehrere Radfahrer unorganisiert treffen, um mit gemeinsamen Fahrten durch Innenstädte auf den Radverkehr als Form des Individualverkehrs aufmerksam zu machen. Dabei möchten die Teilnehmer vor allem auf die Rechte der Radfahrer, auf eine umweltfreundliche Mobilität und auf die Gefahren durch den motorisierten Individualverkehr aufmerksam hinweisen. Kurz gesagt: Die Critical Mass stehe für ein sicheres, fahrradfreundliches Lüdenscheid. Obwohl die Critical-Mass-Bewegung nicht politisch sei und sich vor allem über das gemeinsame Interesse am Radfahren definiere, gewinne das Fahrrad als Fortbewegungsmittel angesichts des Weltgeschehens immer mehr an gesellschaftlicher Bedeutung. Ganz aktuell errege das Thema Spritpreis-Explosion die Gemüter. Das Fahrrad benötigt kein Benzin und macht unabhängig von dessen Preisentwicklung und Herkunftsländern. Allein das sei schon ein guter Grund, insbesondere für kurze Fahrten das Rad zu benutzen.

Auch interessant

Kommentare