Missbrauchsvorwurf: Halveraner vor Gericht

HALVER ▪ Wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes muss sich seit Freitag ein 44-jähriger Mann aus Halver vor dem Landgericht Hagen verantworten. Der Mann soll die Tochter seiner Lebensgefährtin im Zeitraum zwischen Oktober 2010 und März 2011 wiederholt sexuell missbraucht haben.

„Beischlafähnliche Handlungen“, wirft die Staatsanwältin dem Angeklagten vor. Zudem soll er versucht haben, das Kind durch körperliche Misshandlungen zu sexuellen Handlungen zu nötigen. Da das mutmaßliche Opfer in dieser Zeit 14 Jahre alt wurde, fällt ein Teil der angeklagten Taten noch in das besonders schutzwürdige Alter unter 14 Jahren.

Der Angeklagte bestritt die Vorwürfe: „Nein, das stimmt nicht.“ Er lebte damals mit der Mutter des Kindes und dessen jüngerer Schwester in einer Wohnung. Natürlich habe er mit dem Kind schon mal gekuschelt, zumal er immer mehr zu einer geschätzten Vaterfigur geworden sei. „Ja, es gehörte dazu, das Kind öfter mal ins Bett zu bringen.“ Zu sexuellen Handlungen sei es dabei aber nie gekommen. Das Kind sei sehr anhänglich gewesen und habe sich ein bisschen in ihn „verliebt“.

Das verhinderte nicht Übergriffe ganz anderer Art: Der Angeklagte schloss nicht aus, dass blaue Flecken am Körper des Kindes auf Schläge von ihm zurückgingen. Weil sie das Verhalten des Kindes als schwierig empfanden, drohten sowohl Mutter als auch „Stiefvater“ bereits mit der Einweisung in ein „Heim“. Das Kind ließ sich davon nicht abschrecken und meldete sich im März 2011 bei der Polizei. „Was sie uns erzählt hat, klang glaubwürdig“, sagte ein Beamter. Der zuständige Ermittler berichtete von seinem ersten Gespräch mit der 14-Jährigen: „Ich hatte den Eindruck, dass sie froh war, dass sie diese Last, die sie mit sich herumträgt, los war.“ Sie habe ihm berichtet, dass der Angeklagte sie am Vorabend durch Schläge zu sexuellen Handlungen hatte nötigen wollen. Auch von seiner ersten Vernehmung des Beschuldigten berichtete der Beamte: „Ich fand das interessant, wie er versuchte, Erklärungen abzugeben.“

Als das Kind in der Folge in einer Jugendhilfeeinrichtung untergebracht wurde, organisierte seine Mutter zwei Treffen des Kindes mit ihrem Partner, um das Kind dazu zu bringen, die Strafanzeige zurückzuziehen. Dieses Bemühen blieb aber trotz heftiger Drohungen ohne Erfolg. Ihr sei „überhaupt nichts aufgefallen“, sagte die Mutter vor Gericht hinsichtlich der angeklagten Taten. Irgendwann habe sie aufgegeben, mit ihrer Tochter zu reden. „Es hatte keinen Sinn.“ Erstaunlich präzise wiederholte die Zeugin die Erklärung des Angeklagten, wie seine Spermaspuren in das Bett des Kindes gelangt seien: Die beiden wollten oralen Sex ausgerechnet im Kinderzimmer gehabt haben. „Ich glaube Ihnen nicht“, quittierte die Staatsanwältin die Aussage der Mutter.

Am Montag muss nun das mutmaßliche Opfer aussagen. Am Freitag war trotz erheblicher Bedenken ihre jüngere Schwester gefragt: Der Angeklagte hatte nicht auf deren Vernehmung verzichtet, die deutlich machen sollte, wie harmonisch das Familienleben unter seiner Beteiligung gewesen war. Viel sei dabei nicht herausgekommen, hieß es nach dieser Vernehmung. ▪ Thomas Krumm

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare