Kosten kommen auf die Bürger zu

Millionen fürs Abwassernetz: Neu- und Umbauten sind nötig

Abwasserplan ZAP Halver Rohr
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Es muss investiert werden: Der Zentrale Abwasserplan (ZAP) wirft viele Fragen auf.

Es geht um mehr als 10 Millionen Euro, zahlbar über die Abwassergebühren. Das ist die Größenordnung des Zentralen Abwasserplans (ZAP) für die Stadt Halver. Er enthält die erforderlichen Maßnahmen für einen ordnungsgemäßen Betrieb des städtischen Kanalnetzes.

Halver – Nach einstündigem Fachvortrag und halbstündiger Diskussion im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen vertagte sich die Politik. Die Entscheidung soll nun am kommenden Mittwoch im Hauptausschuss getroffen werden und abschließend im Rat am 22. Februar. Es besteht noch Beratungsbedarf in den Fraktionen, hieß es in der Sitzung. Und offen ist, wann und in welchem Umfang tatsächlich investiert werden muss. Doch an der Vorgabe der Bezirksregierung kommt die Stadt nicht vorbei.

Die Erstellung des ZAP ist bindend für die Kommunen. Seit 2009 wird gerechnet und gemessen, wie leistungsfähig das Netz tatsächlich ist und wo Vorkehrungen getroffen werden müssen, um ökologische Schäden oder Überschwemmungen zu vermeiden.

Es wird um erhebliche Mittel gehen

„Wir beschließen jetzt nicht über 10 Millionen“, versuchte Bürgermeister Michael Brosch ein wenig Wind aus der Debatte zu nehmen. Doch über die nächsten Jahre dürfte es in verschiedenen Tranchen tatsächlich um erhebliche Mittel gehen, die in Neu- und Umbauten des Netzes fließen müssen.

Beim genannten Betrag geht es um 23 Einzelmaßnahmen der Stufe 1. Mit 134 000 Euro veranschlagt sind 14 Positionen der Stufe 2. Relevant für den Haushalt sind zunächst aber 50 000 Euro, die in weitere Messungen gesteckt werden sollen, um zu klären, was tatsächlich erforderlich ist. Denn das weiß man im Einzelfall nicht einmal genau. Die Bestandsberechnung geht zurück auf das Jahr 2009. Zum Teil sind es Prognosen, die einen Sanierungsbedarf belegen. Vergleichswerte zu Regenmengen werden bezogen aus Kierspe in Ermangelung eigener Messungen.

Und als sich Ausschussvorsitzender Martin Kastner (SPD) nach bekannten Überflutungsereignissen in der Vergangenheit erkundigte, musste Dipl.-Ing. Ingo Zerrer vom Fachbüro HPC passen: Dies sei nicht ausdrücklich dokumentiert und Hinweise darauf seien auch der Tagespresse nicht zu entnehmen.

Gebührenschub ist nicht zu erwarten

Ein Gebührenschub für die privaten Haushalte sei letztlich aber nicht zu erwarten, sagte Michael Brosch im Nachgang der Sitzung auf Anfrage des Allgemeinen Anzeigers. Die Kosten, die Zerrer mit realistisch 500 000 bis 600 000 Euro jährlich bezifferte, werden langfristig im Gebührenhaushalt abgeschrieben, kommen also nicht auf einmal auf die Bürger zu.

Wie teuer aber Neu- und Umbauten werden können, zeigt ein Blick in die Einzelmaßnahmen. Auf rund 570 000 Euro kommen die Fachleute für einen Ausbau im Gewerbegebiet Susannenhöhe. Dort war man vor nicht langer Zeit möglicherweise von falschen Berechnungsgrundlagen ausgegangen.

Alternative zu einer Baumaßnahme könnte dort sein, die Anlieger, das heißt die Gewerbebetriebe zu bewegen, ihre Abwassermenge begrenzt abzugeben und Puffer über eigene Rückhaltebecken zu schaffen, wie Zerrer vorschlug. Fast die vierfache Summe, also 2,16 Millionen Euro, ergibt die Hochrechnung für die ordnungsgemäße Herstellung des Kanals in der Mozartstraße, doch auch hier sollten zuvor belastbare Zahlen vorliegen, mahnte Markus Nothjunge, sachkundiger Bürger für die UWG.

Zur Abarbeitung der Ergebnisse der Untersuchung jedenfalls ist die Stadt Halver gezwungen. Das liegt schon an der „SüwV Kan“, was auf deutsch heißt: Selbstüberwachungs-Verordnung Kanal. Läuft also der Kanal über und es geht etwas kaputt, könnte die Stadt in der Haftung stehen.

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