Mildes Urteil für Manipulation am Auto

HALVER Wollte sie ihrer Bekannten nur einen Schrecken einjagen oder nahm sie billigend in Kauf, dass etwas Schlimmeres passieren könnte? Um diese Frage ging es gestern vor dem Amtsgericht in Lüdenscheid. Von Kerstin Zacharias

Der 24-jährigen Studentin aus Halver war vorgeworfen worden, einer Bekannten am 31. Januar vergangenen Jahres einen Bremsschlauch an ihrem Auto mit dem Taschenmesser durchtrennt zu haben – und zwar aus Gründen einer unglücklichen Liebe.

Zwar war dem Opfer nichts passiert, weil es relativ schnell bemerkte, dass an dem Auto etwas nicht stimmte. Dennoch sah es das Gericht gestern als erwiesen an, dass die Angeklagte wusste, was sie tat und einen möglichen Unfall in Kauf nahm. Es folgte daher in Teilen dem Antrag der Staatsanwaltschaft und verurteilte die 24-Jährige wegen des versuchten gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 10 Euro sowie einem Fahrverbot von drei Monaten. Damit gilt sie auch in Zukunft als nicht vorbestraft.

Begünstigt wurde das „milde Urteil“, so der Vorsitzende Richter, zum einen durch das umfassende Geständnis der Angeklagten, in dem sie versichert hatte, dem Opfer lediglich einen Schrecken einjagen und Unannehmlichkeiten bereiten zu wollen. Zum anderen durch die Tatsache, dass sie sich bei dem Opfer in aller Form entschuldigte und unter Tränen versicherte, wie leid ihr das Ganze tun würde. Zudem habe sich die Halveranerin bislang nichts zu Schulden kommen lassen, und es sei davon auszugehen, dass es sich um einen einmaligen Vorfall handele.

Dennoch war das Gericht überzeugt, dass die Angeklagte in der Lage war einzuschätzen, was durch das Durchtrennen der Bremsleitung Schlimmes passieren könnte – auch wenn dies aufgrund der Topografie des Tatorts, der Warnleuchte im Auto sowie des ruhigen Verkehrs eher unwahrscheinlich gewesen wäre. „Aber niemand kann so etwas vorhersehen, die Angeklagte hat also eine abstrakte Gefahr in Kauf genommen“, so der Richter. Um das Opfer „zu ärgern“, hätte man nicht gleich den Bremsschlauch durchtrennen müssen. Dennoch wollte man der 24-Jährigen nicht die Zukunft verbauen und so beließ es das Gericht bei einer „nicht eintragungsfähigen Sanktion“.

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