Daten ließen auf sich warten

Nach Wahl-Sensation: Brosch euphorisch, Eicker nachdenklich

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Die Kandidaten unter sich: Amtshinhaber Dr. Bernd Eicker (links) war Michael Broschs erster Gratulant.

Halver - Der Höhepunkt des Wahlabends begann mit einem technischen Desaster: Die Ergebnisse aus den Stimmbezirken, die hübsch aufbereitet per Beamer im Ratssaal präsentiert werden sollten, ließen auf sich warten.

Eine Peinlichkeit des IT-Dienstleisters KDVZ-Citkomm, die aber keine Stunde später schnell vergessen war. Als allen Anwesenden klar war, dass sie Zeugen eines historischen Augenblicks wurden: Erstmals wird mit Michael Brosch ein SPD-Bürgermeister hauptamtlich die Geschicke der Stadt leiten.

Zwar deutete sich der klare Sieg bereits vor Auszählung der Briefwahlstimmen an, doch erst um 18.40 Uhr fiel die Anspannung von Michael Brosch endgültig ab: Als der letzte Bezirk ausgezählt war, brandete im Ratssaal Applaus auf. Insbesondere die Vertreter der SPD und der UWG freuten sich sichtlich über den klaren Erfolg, mit dem keiner der Anwesenden gerechnet haben dürfte. Noch-Amtsinhaber Dr. Bernd Eicker, dem die Überraschung im Laufe der Auszählung deutlich anzusehen war, zeigte sich als sportlicher Verlierer und gratulierte dem künftigen Bürgermeister Halvers zu seinem Erfolg.

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Michael Brosch selbst konnte seinen klaren Wahlsieg zunächst kaum fassen: „Ich muss das erst einmal realisieren“, sagte der 47-jährige Vater zweier Töchter. „Es war ein toller Wahlkampf mit einem tollen Team. Ich habe an vielen Stellen Wechselstimmung gespürt, hatte aber nie ein Gefühl dafür, wie repräsentativ das ist - es war offensichtlich repräsentativ!“

Als eine der ersten Maßnahmen seiner Amtszeit nannte Brosch unter anderem die genaue Betrachtung des Winterdienstes - Kritik daran habe er im Zuge seines Wahlkampfes des Öfteren gehört: „Man muss schauen, ob die Leistung, die die Stadt dort erbringt, nicht zu niedrig ist.“

Naturgemäß nachdenklich äußerte sich Bernd Eicker am Abend. „Ich bin von dem Ausgang der Wahl durchaus überrascht. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass ich davon überzeugt bin, meine Arbeit in den vergangenen elf Jahren sehr gut gemacht zu haben.“

Projekte wie das Bahngelände, die Regionale oder auch die Entwicklungen in Sachen Schulstandort oder Rathausumbau gingen auf ihn zurück, so Eicker. „Ich habe vielleicht nicht auf den Putz gehauen, aber das ist auch nicht meine Art. Ich bin mir selbst im Amt stets treu geblieben.“

In den kommenden Tagen will sich der bisherige Bürgermeister intensiv mit seiner Zukunft beschäftigen, denn: „Ich fühle mich noch zu jung, um schon mit dem Arbeiten aufzuhören“, betont der Jurist.

Der Abend beider Kandidaten endete am Sonntag natürlich nicht im Ratssaal, sondern auf „Wahlpartys“ im Kulturbahnhof (Eicker) beziehungsweise im Restaurant „Zum Berliner Platz“ (Brosch). Dass insbesondere dort die Stimmung gut war, versteht sich von selbst. Allzu lange konnte das künftige Stadtoberhaupt aber nicht feiern: Urlaub hat er sich für den „Tag danach“ nämlich nicht genommen. Michael Brosch beginnt die Arbeitswoche wie bisher als Gebäudemanager des Kreises. Das wird sich zum 21. Oktober ändern.

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