Messerattacke: Opfer erzählt von Ereignissen

HALVER - Fragen zum Leben nach der Tat und zum Umgang mit dem Erlittenen gehören mit zu den Pflichten eines Gerichts. „Ich habe ein Bewusstsein dafür bekommen, wie schnell es vorbei sein kann“, antwortete der 20-Jährige und berichtete, wie die Bilder jenes Abends in seinem Kopf immer wiederkamen. Ängste habe er heute nicht mehr. „Ich habe es mit mir selber ausgemacht.“ Geholfen habe ihm seine geregelte Arbeit und sein geregeltes Privatleben. Begleiten werde ihn dieses Ereignis aber wohl lebenslang.

Schwer verletzt wurde der 20-jähriger Halveraner, als ihm ein 39-Jähriger am 4. September 2012 an der Nicolai-Kirche acht Messerstiche versetzte. Am zweiten Verhandlungstag berichtete das Opfer im Hagener Schwurgericht nun von den schmerzhaften Ereignissen. „Ich war von der Arbeit gekommen und habe gesehen, wie der Angeklagte meine Freundin angegraben hat. Ich wollte ihn zur Rede stellen“, erzählte der junge Mann von dem Auslöser des Konfliktes. Der 39-Jährige sei dann sofort handgreiflich geworden. „Er hat mir mit der flachen rechten Hand ins Gesicht geschlagen.“ Damit widersprach der Zeuge einer früheren gemachten Aussage, dass er selber es gewesen sei, der den körperlichen Konflikt mit dem ersten Schlag gesucht hatte. Alle weiteren Zeugen erinnerten sich allerdings auch an einen ersten Schlag des Angeklagten. Dann rauften und prügelten sich die beiden Kontrahenten. Als er das Messer gesehen habe, sei es schon zu spät gewesen, so der junge Mann. Die Stiche, die er wohl noch im Stehen abbekommen habe, habe er nur als kräftige Schläge bemerkt. Erst das Blut auf seinem Arm habe ihm den Ernst der Lage verdeutlicht. „Ich habe irgendetwas geschrien. Es kann eine Drohung gewesen sein“, erinnerte sich der Zeuge an ein letztes verbales Aufbäumen zwischen den Messerstichen und dem Operationssaal. Eine Zeugin wusste es noch genauer: „Du wirst schon sehen, was du davon hast. Man sieht sich immer zweimal im Leben.“

Polizisten berichteten im Zeugenstand von der vorläufigen Festnahme des Täters: „Er war verängstigt, eingeschüchtert, aber er folgte unseren Anweisungen.“ Der Angeklagte, der aus einer konfliktreichen Region stammt, begründete später das Mitführen eines Messers. Ein Beamter gab die Äußerung wider: „Er sagte, dass er kein Zuhause habe, dass er in ständiger Angst lebe und dass er das Messer bei sich führe, um sich gegen seine zahlreichen Feinde zu verteidigen.“ Der Prozess vor dem Hagener Schwurgericht wird am Mittwoch fortgesetzt. - thk

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