Messerstecherei auf Skateranlage: Halveraner muss zwei Jahre in Haft  

HALVER ▪ Angereichert mit Erinnerungslücken, Aussageverweigerungen, insgesamt elf nicht nur leicht zu händelnden Zeugen sowie einer Tatwaffe, die aus Hagen per Kurier ins Gericht nach Lüdenscheid gebracht werden musste, ist gestern die Verhandlung gegen einen 26-jährigen Halveraner über die Bühne gegangen. Den Schlusspunkt bildete dabei ein keineswegs mildes Urteil. Wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilte das Gericht den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren – ohne Bewährung. Eine Berufung gegen das Urteil ist noch möglich.

Nach einer insgesamt vier Stunden langen Verhandlung sah es der Vorsitzende Richter als erwiesen an, dass der Angeklagte am 6. November vergangenen Jahres auf der Skateranlage an der Katrineholmstraße seinen 20-jährigen Neffen mit vier Messerstichen schwer sowie eine 16-jährige Freundin mit einem Stich ins Bein verletzt hat (wir berichteten). Während der 26-Jährige dies auch zugab, stellte er die Tat als in dieser Schwere nicht gewollt dar. So habe er seinerzeit stark angetrunken nicht mitbekommen, dass die sieben Zentimeter lange Klinge aus dem Schaft gesprungen ist.

Die Darstellung sah das Gericht aber aufgrund der Zeugenaussagen als widerlegt an. Hilfeschreie des Opfers („er sticht mich ab“), Warnungen an eine Zeugin („soll ich sie gleich mit abstechen“) und auch eine Aussage gegenüber einem Polizeibeamten („lieber die als ich“) bildeten die Grundlage für das Urteil. Da das Gericht unter anderem Reue und Einsicht des Halveraners nach der Tat vermisste, wurde trotz einer verminderten Schuldfähigkeit, des Geständnisses und der eigentlich positiven Sozialprognose die Haftstrafe nicht zur Bewährung ausgesetzt – und folgte damit dem Antrag von Staatsanwalt Knierim. Verteidiger Nesselrath hatte sich zuvor noch für eine Bewährungsstrafe stark gemacht. Negativ zu Buche schlug letztlich auch die Schwere der Verletzungen.

Der Prozessverlauf stellte sich weit schwieriger dar als gedacht. Da sich der Angeklagte nur an ihn nicht sonderlich belastende Bruchstücke der Tatnacht erinnern wollte, war man auf die Aussagen der Zeugen angewiesen. Das Opfer, das weiterhin mit seinem angeklagten Onkel in einer Wohnung lebt, die 16-jährige Schwägerin und der 18-jährige Schwager beriefen sich aufgrund ihres Verwandtschaftsverhältnisses auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht. Ein 20-jähriger Freund und ein 18-jähriger Bekannter wollten bei der Dunkelheit nichts gesehen haben. Erst nach dem Hinweis einer möglichen Beugehaft und einem Verfahren wegen Falschaussage schilderte die 16-jährige Halveranerin, dass sie wohl aus Versehen einen Messerstich abbekommen habe, als sie die Streithähne voneinander trennen wollte. Auch sie wollte den Angeklagten offenbar nicht belasten, schilderte ihn als einen netten, höflichen und nicht aggressiven Freund. Eine 17-jährige Halveranerin brachte ein wenig Licht ins Dunkel: Sie habe gesehen, wie der Angeklagte offenbar bewusst auf sein Opfer eingestochen hat. Wie oft, wisse sie nicht.

Erstaunlich: Nach der Tat sind Onkel und Neffe zur gemeinsamen Wohnung gegangen. Während das Opfer später zur Skateranlage zurückkehrte und hier dann vom Krankenwagen ins Klinikum gebracht wurde, trafen die Polizeibeamten den Täter auf dem Bett sitzend an, mit Blut an der Kleidung. In der Hosentasche hatte der 26-Jährige die Tatwaffe, die gestern aus der Asservatenkammer in Hagen angefordert wurde. Im Gerichtssaal stellten Richter, Staatsanwalt und Verteidiger dann fest, dass es einiger Kraftanstrengung bedurfte, die Klinge mit einer Hand aus dem Schaft zu schütteln. Ein kleiner Baustein für die Urteilsfindung. ▪ Marco Fraune

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare