Mehrere Polizisten 2018 verletzt

Kirmesrandale und Schüsse in Halver: So lautet das Urteil gegen 27-jährigen Schützen

+
Kein Happy-End: Für einen 27-Jährigen endete die Halveraner Kirmes in einer Haftstrafe.

Halver/Lüdenscheid - Ein halbes Dutzend Polizeibeamte waren in der Nacht zum 2. Juni 2018 nach dem Hinweis eines Zeugen im Einsatz. Schüsse in die Luft auf der Halveraner Kirmes waren der Auslöser. Jetzt stand deshalb ein 27-Jähriger vor Gericht - so fiel das Urteil aus.

Der 20-jährige Zeuge berichtete von einer lauten Diskussion und zwei Schüssen in die Luft. Ein bewaffneter Mann bedrohe Besucher der Halveraner Kirmes 2018 mit einer Pistole. Der Zeuge führte die Beamten zu einem Tatverdächtigen, der angeblich von 60 bis 80 Kirmesbesuchern umringt war. 

Die Polizisten fackelten angesichts der unübersichtlichen Bedrohungslage nicht lange: Zwei von ihnen drückten den 27-Jährigen gegen eine Fassadenwand, um den Randalierer unschädlich zu machen. Dennoch gelang es ihm, sich mit einem Arm dem Griff zu entwinden und einen Schuss aus der Gaspistole in seiner Jacke abzugeben.

Mehrere Beamte verletzt

Mehrere Beamte wurden von dem Reizgasnebel erfasst und stark beeinträchtigt: „Ich habe kaum noch Luft gekriegt. Wir waren alle mehr mit Husten beschäftigt als mit Anderem“, erinnerte sich eine Polizeibeamtin im Amtsgericht Lüdenscheid. 

Dort musste sich der 27-Jährige wegen eines Verstoßes gegen das Waffengesetz, gefährlicher Körperverletzung und Tätlichkeit gegen Vollstreckungsbeamte verantworten. Denn nach dem Schuss aus der Gaspistole, den er selbst offenbar am besten vertragen hatte, ging die Randale noch weiter: Vier Beamte trugen ihn an Händen und Füßen zur Halveraner Wache, von wo aus er zum Polizeigewahrsam in Lüdenscheid weitertransportiert wurde. 

1,5 Promille Alkohol im Blut

„Wo setzen Ihre Erinnerungen wieder ein?“, fragte Richter Andreas Lyra, nachdem der Angeklagte versichert hatte, er könne sich an den eigentlichen Vorfall nicht erinnern. „In der Zelle“, erklärte der 27-Jährige. Nachdem die Anklageschrift ihm noch einmal vor Augen geführt hatte, wie sich mindestens 1,5 Promille Alkohol in seinem Blut auf sein Verhalten ausgewirkt hatten, legte er die ihm mögliche Variante eines Geständnisses ab: „Das wird so gewesen sein.“ Später ergänzte er noch eine Bewertung seines Verhaltens: „Das war eine dumme Aktion.“ 

Der Richter wollte auch wissen, warum der Angeklagte eine Gaspistole bei dem Kirmesbesuch mitgeführt hatte. „Zur Verteidigung, weil ich schon einmal mit einem Messer angegriffen wurde“ , lautete die Antwort. Ihm sei bei einem Überfall in der Lüdenscheider Altstadt fast ein Finger abgeschnitten worden. 

Vorgeschichte bleibt ungeklärt

Nicht geklärt wurde die Vorgeschichte zu der Randale in Halver: Vor der ersten Meldung an die Polizei soll der Angeklagte aus seiner Gaspistole in der Nähe eines anderen Zeugen bereits mindestens einen Schuss an das Dach eines Bierzeltes abgegeben haben. 

Die Aussage dieses Zeugen stimmte nicht so ganz mit einer früheren Aussage überein, was er selbst auf den genossenen Alkohol zurückführte. Es löste bei den eingesetzten Polizisten eine gewisse Verwunderung aus, dass der Angeklagte sich von dem von ihm selbst ausgelösten Reizgasnebel nur wenig beeindruckt gezeigt hatte. „Er war so voller Adrenalin, dass ihm das überhaupt nichts auszumachen schien“, erinnerte sich eine Beamtin. Es habe einige Zeit gedauert, bis die Folgen des Reizgas-Einsatzes nachließen. Ein Beamter wurde jedoch zwei Wochen krankgeschrieben, weil seine Augen unter Kontaktlinsen stark gereizt worden waren. 

Angeklagter entschuldigt sich

„Es tut mir auf jeden Fall für alle Beteiligten leid“, versicherte der Angeklagte. Richter Andreas Lyra ging von einer verminderten Schuldfähigkeit aus und verurteilte den 27-Jährigen zu einer Haftstrafe von acht Monaten auf Bewährung. Als Bewährungsauflage muss er 1000 Euro an den Förderverein der Kinderklinik in Lüdenscheid zahlen. Keinen Zweifel ließ der Richter daran, dass die polizeilichen Maßnahmen mitsamt drei Schlägen gegen den Kopf des Angeklagten gerechtfertigt waren: Wenn eine Schusswaffe auf einer Kirmes mit einer großen Menschenmenge auftaucht, „kann nicht viel diskutiert werden“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare