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Mehr Schutz vor Naturkatastrophen - höhere Nachfrage bei Versicherungen

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Von: Sarah Lorencic, Thomas Bender

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Land unter in Oberbrügge: Die Feuerwehr evakuiert 140 Anwohner.
Land unter in Oberbrügge: Die Feuerwehr evakuiert 140 Anwohner. © Feuerwehr Halver

„Fast jedes Haus ist falsch versichert“, meint die Verbraucherberatung und rät dazu, den Versicherungsschutz vor dem nächsten Starkregen zu prüfen – und falls nötig – anpassen zu lassen. Dabei rückt das Thema Elementarschadenversicherung auf traurige Weise in den Fokus.

Halver - „Oftmals fehlt dieser wichtige Schutz der eigenen Immobilie und Betroffene bleiben nun auf dem Schaden sitzen“, schreibt die Verbraucherberatung und bestätigt damit eine Erfahrung, die auch viele Hochwasseropfer in Halver gemacht haben. Allerdings stellt sich die Frage, ob sich Häuser in jenen Bereichen, die von der Flut besonders hart getroffen wurden, überhaupt gegen Hochwasser und andere Elementarschäden versichern lassen.

Ja, sagt Peter Thissen von der Privinzial-Versicherung am Bächterhof. Ausschlaggebend sind die sogenannten Zürs-Klassen – und an denen habe sich durch das Hochwasser nichts geändert. Für jede Adresse in Deutschland lässt sich über ein entsprechendes Computerprogramm die Zürs-Zone bestimmen. An der ändert zunächst auch das Hochwasser nichts: Häuser, für die vor dem 14. Juli Zone zwei galt, würden auch jetzt versichert – auch wenn sie im Juli unter Wasser gestanden hätten, sagt Peter Thissen.

ZÜRS: Nicht jedes Objekt wird versichert

Zürs steht für „Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen“. Das ist ein Informationssystem zur Einschätzung von Naturgefahren, das 2001 vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) entwickelt wurde. Es weist vier Gefährdungsklassen aus: In Zone 1 ist das Hochwasserrisiko hinsichtlich der statistischen Häufigkeit gering, in Zone 4 sehr hoch. Viele Versicherer versichern Häuser in der Zone 4 nicht. Ansonsten gilt: Je größer das Risiko, desto höher die Prämie. Auch die Provinzial versichert in der Zone 4 nicht ohne Weiteres. Es besteht eine Anfragepflicht bei der Direktion. Ausgeschlossen sei es jedenfalls nicht, sagt Peter Thissen von der Provinizial in Halver. Neben Zürs nutzt die Provinzial auch noch die Elementar- und Starkregenzone. Entlang der Volme in Oberbrügge gilt maximal die Stufe 3.

Womöglich wird sich die Einstufung in den vom Hochwasser besonders betroffenen Bereichen irgendwann ändern: „Die Juli-Flut wird – wie jedes Hochwasser- oder Starkregenereignis – in Zürs eingepflegt“, sagt Kathrin Jarosch aus der GDV-Pressestelle. Dies dauere in der Regel aber einige Zeit, da die öffentliche Hand erst die entsprechenden Daten zu dem Ereignis liefern müsse.

Grundsätzlich gelte, dass ein Versicherer vor Abschluss einer Elementarschadenversicherung auch nach Vorschäden fragen und dann unter Umständen einen Vertrag mit Auflagen verknüpfe. „In exponierten Lagen wird die Versicherung erwarten, dass das Risiko zum Beispiel durch bauliche Maßnahmen minimiert wird“, sagt die GDV-Sprecherin und wundert sich darüber, dass viele Autos besser (weil Vollkasko) versichert sind als die Häuser der Fahrzeughalter.

Peter Thissen sagt, wer bereits einen Elementarschaden am Haus hatte und dann erst eine Versicherung abschließt, müsse mit höheren Preisen rechnen. Möglich ist es dennoch. „Es macht sich nur preislich bemerkbar.“

Allumfassenden Schutz biete aber auch die Elementarschadensversicherung nicht

Auf der Homepage des GDV findet sich ein Tool, mit dessen Hilfe sich für jede deutsche Adresse das Hochwasserrisiko ermitteln lässt. Es wird auf einem Farbbalken angezeigt, der von Grün (geringe Gefahr) über Gelb bis Rot reicht. Allerdings: Diese Einstufungen gelten für Schäden, die durch größere Gewässer verursacht wurden, für die es Hochwassergefährdungskarten gibt. Das ist in Halver nur für die Volme der Fall. „Aus gutem Grund weist der GDV immer wieder darauf hin, dass es durch Starkregen auch jenseits der größeren Gewässer immer öfter zu Schäden kommt“, meint Jarosch. Allumfassenden Schutz biete aber auch die Elementarschadensversicherung nicht, meint die Verbraucherberatung.

Nämlich dann, wenn Grundwasser aus den Wänden in die Wohnung und die Kellerräume gelangt. Diese Fälle lagen auch bei Peter Thissen zur Prüfung, mussten aber abgelehnt werden. Diese Schäden durch sogenanntes „erdgebundenes Wasser“ sind in einer Elementarversicherung nicht inbegriffen. Grundsätzlich handele es sich bei diesen Ereignissen um die Folge mangelhafter Bauwerksabdichtungen, um die sich der Hauseigentümer kümmern müsse, erklärt Peter Thissen.

„Um sicher zu gehen, dass es im Schadenfall nicht solche oder ähnliche Probleme mit dem Versicherer gibt, sollten Hauseigentümer ihren Versicherungsordner zur Hand nehmen und den Schutz des Hauses genau überprüfen – und das bestenfalls noch vor dem nächsten Starkregen. Diese Punkte gilt es dabei im Auge zu behalten“, rät die Verbraucherberatung.

Am besten sei es natürlich, wenn ein Schaden gar nicht erst eintrete. Darin sind sich die Verbraucherschützer und der GDV einig. Sie raten dazu, das Haus, unter Umständen mit professioneller Hilfe, auf Schwachstellen und Schutzmaßnahmen zu prüfen. Die Rückstauklappe im Keller sei ebenso wichtig wie der geschützte Lichtschacht. Durch Wasser besonders gefährdete Fenster und Türen könne man auch durch Dammbalken schützen.

Wie Peter Thissen sagt, bemühe man sich seit Jahren darum, die Kunden für die Elementarversicherung zu sensibilisieren. Rund 60 Prozent haben in Halver mittlerweile eine Elementarversicherung, schätzt Thissen. Vor der Flut waren es rund 50 Prozent. Auf der Internetseite sagt die Provinzial klar: „Vorsorge wird immer wichtiger.“ Mit Blick auf den Klimawandel nehmen Extremunwetter wie heftige Niederschläge und Sturmböen, Orkane, Hagelschlag in Zukunft zu.

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