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Mehr Fehlgeburten bei Kühen - der Grund ist ein Parasit 

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Von: Thilo Kortmann

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Christoph Berbecker und Fabian Hager sind besorgt über die steigenden Fehlgeburten bei Kühen.
Christoph Berbecker und Fabian Hager sind besorgt über die steigenden Fehlgeburten bei Kühen. © Thilo Kortmann

Der Parasit Neospora Caninum, den Hunde als Endwirt ausscheiden, kann über das Gras als Futter für Kühe gefährlich werden. Infizieren sich die Tiere mit dem Parasiten, kann das zu Fehlgeburten oder Missbildungen bei Kälbern führen. Jungtiere können die Krankheit außerdem an andere Tiere weitergeben.

„Das ist eine Katastrophe. Die Fehlgeburten bei unseren Kühen haben im Vergleich zu den Vorjahren eindeutig zugenommen“, erklärt Landwirtin Kerstin Voswinckel. 140 Kühe weiden auf den grünen Flächen der Voswinckels am Langenscheid. Das Futter, das Silagegras, stammt unter anderem von den Wiesen am Märkischen Werk.

Stark betroffen vom Gassigehen sind diese von den Voswinckels gepachteten Flächen am Märkischen Werk oder Neuen Herweg. Herumlaufen ist nicht das Problem, vielmehr sind es die liegengelassenen Ausscheidungen der Hunde. „Das Gras dient als Nahrung für die Kühe. Mit Kot verunreinigt kann es die Tiere krank machen“, sagt sie. Man müsse, sagt die Landwirtin, immer wieder darauf hinweisen, dass es sich nicht um einfaches Grün für die Freizeit und Auslaufstrecke für das Haustier handele.

Schilder sollen Gassigeher darauf hinweisen, dass Hundekot nichts auf den Wiesen zur Futtermittelproduktion nichts zu suchen hat.
Schilder sollen Gassigeher darauf hinweisen, dass Hundekot nichts auf den Wiesen zur Futtermittelproduktion zu suchen hat. © Thilo Kortmann

Beschwerden der Landwirtin stoßen bei den Hundebesitzern meistens auf Unverständnis. „Verbotsschilder, dass Hunde ihr Geschäft nicht auf den Wiesen verrichten sollen, wurden bereits zerstört. Jetzt stellen wir keine mehr auf“, erklärt Kerstin Voswinckel. Und auch wie sich Familien und Kinder zum Teil auf den Wiesen verhalten würden, sorge häufig für Schäden in anderer, materieller Form.

Ein Beispiel: „Wenn Kinder Tore aus Eisen auf der Wiese bauen und das Eisen hinterher herumliegt und wir mit den Mähmaschinen dadurch fahren, dann ist das nicht gut für unser Schnittwerkzeug“, erklärt Voswinckel. Sie habe bereits Gespräche mit Eltern gesucht, doch da gebe es keine Einsicht.

Das ist eine Katastrophe. Die Fehlgeburten bei unseren Kühen haben im Vergleich zu den Vorjahren eindeutig zugenommen.

Landwirtin Kerstin Voswinckel über die steigenden Fehlgeburten bei Kühen.

Zuletzt seien auch noch Silageballen, die gefüllt mit dem gemähten Gras oft noch Tage auf den Wiesen bleiben, beschädigt, indem sie aufgeschlitzt worden seien, erzählt sie. Auch ein Picknick, bei dem Glasscherben auf der Weide hinterlassen worden seien, stellen eine große Gefahr dar. Scherben im Futter – „Kühe können innerliche Schäden davon tragen und verbluten.“ Man müsse den Menschen immer wieder erklären, dass die Wiesen nicht ihr Eigentum seien.

Ein wenige Monate altes Kalb. Gesunde Geburten sind nicht mehr so oft wie früher.
Ein wenige Monate altes Kalb. Gesunde Geburten sind nicht mehr so oft wie früher. © Thilo Kortmann

Warum Hundekot schwere Krankheiten bei Kühen auslösen könne, das bedürfe noch viel Aufklärung beim Bürger mit Hund, meint Christoph Berbecker, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Ortsvereins Halver. Der Gassigänger denke ja häufig, wenn ich meinen Hund seine Notdurft auf der Wiese verrichten lasse, dann sei das schon nicht so schlimm, der Bauer fahre doch auch Kuhmist beziehungsweise Gülle auf der Fläche aus. „Das ist allerdings etwas total anderes. Kühe sind ausschließlich Pflanzenfresser, die Gülle also rein pflanzlich“, erklärt Berbecker.

Es gibt ja die Kotbeutel aus Plastik. Viele sammeln den Kot damit ein, jedoch werfen sie den Beutel mit Inhalt auf die Wiese. Das ist absurd.

Christoph Berbecker, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Ortsvereins Halver, versteht so manchen Gassigeher nicht.

Kühe würden kein Fleisch essen wie Hunde. Er wundert sich über das Verhalten von manchen Hundebesitzern. „Es gibt ja die Kotbeutel aus Plastik. Viele sammeln den Kot damit ein, jedoch werfen sie den Beutel mit Inhalt auf die Wiese. Das ist absurd“, sagt er und schüttelt den Kopf. Das sei ja dann gleich doppelt schädlich, nicht nur für die Kühe, sondern auch für die Umwelt, findet er.

Hundebesitzer lassen ihre Tiere „das große Geschäft“ auf den Wiesen der Landwirte verrichten

250 Kühe geben täglich ihre Milch auf dem Hof Berbecker in Anschlag. Fehlgeburten kämen bei den Tieren immer mal wieder vor, sagt Berbecker. Natürlich könne es auch andere Ursachen für die Fehlgeburten von Kühen geben. Stress oder genetische Veranlagung bei den Tieren spielten dabei ebenfalls eine Rolle. Trotzdem sei es erwiesen, betont der Landwirt, dass Hundekot mit ein Grund für Fehlgeburten bei Kühen sei.

In diesen Boxen halten die Jungtiere sich für kurze Zeit auf.
In diesen Boxen halten die Jungtiere sich für kurze Zeit auf. © Thilo Kortmann

Über mangelnden Respekt vor seinen Wiesen klagt auch Fabian Hager, Kassenwart des landwirtschaftlichen Ortsvereins und Landwirt mit Wiesen in Hulvershorn nähe Anschlag. Wanderwege gehen direkt an seinen Weiden vorbei. Zahlreiche Wanderer mit Hunden sind dort rund um den Hof mit 150 Kühen unterwegs. Hager zieht beim Hundekot im Gras den Vergleich zum Restaurantbesuch.

„Wenn ein Kellner in ihre Suppe rotzt, möchten sie diese dann noch essen?“, fragt der Jungbauer. Auch er hat schon ab und zu beobachtet, dass die Tüten mit dem „großen Geschäft“ in die Wiese geworfen würden, „das ist nicht nachvollziehbar, warum das in die Naur geschmissen wird“. Und den Endverbraucher treffe so ein Verhalten am Ende ja auch, wenn er Milch trinkt oder Fleisch isst.

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