Mehr als nur Stoff: Neue Ausstellung in der Villa Wippermann

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Quilts sind nicht einfach nur Steppdecken: Das beweisen die Frauen der Gildegruppe Stoffwechsel mit ihrer Ausstellung in der Villa Wippermann.

In der neuen Ausstellung in der Villa Wippermann dreht es sich alles um das Thema Stoff – genauer gesagt Quilts. Doch was sind diese Quilts überhaupt? Die Antwort finden Interessierte ab dem 30. Oktober in der Villa – und hier.

Halver –Quilts sind Steppdecken, bunt, mit verschiedenen Stoffen und Lagen. „Man denkt an buntgewürfelte Steppdecken und amerikanische Siedlerromantik, aber es waren die Chinesen, die ihre Winterkleidung aus zwei Lagen Stoff und einer wärmenden Zwischenschicht mit kunstvollen Nähten verbanden und damit das Quilten erfanden“, heißt es in dem Flyer zu der neuen Ausstellung, die den Titel „Quilts“ trägt. Die Kreuzzüge brachten die Technik nach Europa, denn die Ritter trugen wärmende Unterhemden dieser Art. Die orientalischen Quilts kamen durch Händler in das mittelalterliche Europa. So wurden es exotischere Muster und buntere Farben, die bis heute anhalten.

Viele denken jetzt vermutlich auch an Patchwork, also an viele bunte Stoffflicken. Das ist richtig. Patchwork ist eine von vielen Techniken, das Top der Decken, also die dekorative Oberseite, zu gestalten. Diese wird mit Watte, Vlies oder Wolle unterfüttert und dann mit der Rückseite zusammengenäht. Diese wiederum besteht meist aus nur einem Stück Stoff. „Der motivaufnehmende und motivübergreifende finale Steppstich ist das eigentliche Quilten“, wissen die Expertinnen, bei denen es sich um die „Stoffwechslerinnen“ handelt.

Verschiedene Varianten von Quilts finden Besucher in der Villa Wippermann. Unter anderem das Rotkäppchen.

Die Gildegruppe Stoffwechsel steckt hinter der Ausstellung in der Villa Wippermann – in Zusammenarbeit mit Kuratorin Jana Eilhardt. Die Frauen präsentieren viele große Patchworkquilts. Diese folgen entweder einem Thema, dass sich die Frauen selbst gestellt haben – wie Sparkassenquilts anlässlich einer Ausstellung in der Sparkasse Lüdenscheid 2009 – oder sind das Ergebnis von Gemeinschaftsarbeiten. Dabei spielt das Thema Round-Robins zum Beispiel eine große Rolle. Bei der Gemeinschaftsarbeit gibt eine „Stoffwechslerin“ ein Thema vor und beginnt mit einem kleinen Mittelstück, dann schreibt sie bestimmte Rahmenbedingungen und reicht das Quilt weiter. Dazu schreiben die Frauen Briefe, in denen sie mitteilen, wie es ihnen mit der Arbeit zu dem Thema ergangen ist.

Verschiedene Themen und Größen

Neben den großen Ausstellungsstücken zeigen die Künstlerinen auch viele kleine Arbeiten. Auch dabei gab es gemeinsame Themen wie Komplementärfarben oder Decken zu japanischen Haiku-Gedichten.

Eine weitere Werkgruppe sind die sogenannten Bücher. Zu besonderen Anlässen wie runde Geburtstage haben sich die „Stoffwechselerinnen“ in der Vergangenheit mit Gemeinschaftsquilts überrascht. Irgendwann entschieden sich die Frauen für ein textiles Buch. Das erfüllte ihre Anforderungen: „kreativ, liebevoll gestaltet und mit hohem Aufforderungscharakter, es immer mal wieder durchzublättern, um neue Details zu entdecken“. Die Themen der Bücher richteten sich nach den Vorlieben und Interessen der zu Beschenkenden.

Der Winter aus Stoff.

Die neue Ausstellung wird am kommenden Freitag, 30. Oktober, im kleinen Kreis eröffnet, wie Jana Eilhardt auf Nachfrage mitteilt. Ab da ist die Ausstellung dann unter dem Titel „Stoff(ge)schichten. Quilts – Handwerk und Kunst“ in der Villa Wippermann für alle Interessierten zu sehen. Für den Besuch der Villa gelten die Corona-Regeln wie Maskenpflicht und Abstandsgebot von 1,5 Metern.

Doch bei der Ausstellung der Stoff-Werke bleibt es nicht. Bis Weihnachten wird es an jedem Mittwoch einen Stoffnachmittag um 15 Uhr in der Villa geben. Verschiedene Frauen der Gildegruppe Stoffwechsel greifen verschiedene Themen auf und bieten Lesungen, „Show & Tell“ und einen Märchennachmittag an. Am Märchennachmittag haben die Teilnehmer Gelegenheit, die Quilt-Bücher durchzublättern. „Show & Tell“ nennen sich in Quiltkreisen Veranstaltungen, in denen an fertigen oder halb fertigen Arbeiten die Technik des Nähens erklärt und die Geschichte der Motive erzählt werden.

Öffnungszeiten der Villa Wippermann

Die Villa Wippermann hat ab dem 30. Oktober und bis zum 10. Januar 2021 zu folgenden Zeiten geöffnet:

  • Dienstag und Mittwoch von 15 bis 17 Uhr
  • Donnerstag von 16 bis 19 Uhr
  • Sonntag von 11 bis 13 Uhr
  • Montag, Freitag und Samstag bleibt die Villa geschlossen, ebenso an Feiertagen

Führungen sind auf Anfrage möglich. Der Eintritt beträgt 2 Euro für Erwachsene, Kinder und Jugendliche haben freien Eintritt.

Sieben Stoffnachmittage

Im Rahmen der Ausstellung finden insgesamt sieben Stoffnachmittage statt. Am 4. November geht es um die Entstehung des „Round Robin Quilts“. Unter dem Titel „Sauerland-Quilt“ laden Ann Theres Lankitsch und Delia Roßburg zu „Show & Tell“ ein. Eine ähnliche Veranstaltung findet am 11. November mit Katharina Mund und Angelika Förster-Schulte zum Thema „Storm at Sea“ statt. Es geht um Tradition und Variation eines klassischen Musters. Textile Gedanken zu der jüdischen Dichterin Else Lasker-Schüler äußern Marianne Faßbender und Delia Roßburg am 18. November. Dieser Termin ist eine Mischung aus Textlesung und „Show & Tell“. Weiter geht’s am 25. November mit orientalischen Märchen für Groß und Klein.

#Würfelquilts spielen am 2. Dezember eine Rolle, wenn Katharina Mund und Angelika Förster-Schulte darüber sprechen, wie der Zufall das Motiv bestimmt. „Selma oder was ist Glück“ lautet das Thema am 9. Dezember. Die Besucher erwarten Geschichten in textilen Bilder. Den Abschluss bildet „Hugos Weltreise“ zur Entstehung des „Round Robin Quilts“ mit Heike Parthesius und Katharina Mund am 16. Dezember. Alle Stoffnachmittag beginnen um 15 Uhr in der Villa Wippermann.

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