Nach Hochwasser

Versicherung zieht erste Flutbilanz: Mehr als 200 Schäden in Halver

Hochwasser in Oberbrügge: Die Feuerwehr war im Dauereinsatz.
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Hochwasser in Oberbrügge: Die Feuerwehr war im Dauereinsatz.

„Wegen eines einzelnen Schadensereignisses fliegt bei uns keiner aus der Versicherung.“ Das ist die klare Botschaft von Peter Thissen, Chef der Provinzial-Geschäftsstelle am Bächterhof in Halver. Rund 50 Prozent des Gebäudebestandes in Halver sind dort versichert, und nach der Flut vom 14. Juli hat das Team alle Hände voll zu tun.


Auf überschlägig 200 bis 250 Schadensfälle kommt Thissen in der Bilanz. Wie hoch die finanziellen Schäden zu beziffern sind, lässt sich auch nach fast 50 Tagen nicht abschließend sagen. Alles abzuarbeiten, sei ein langfristiges Projekt. Er rechne noch mit einem bis anderthalb Monaten, die man benötigen werde. Der Grund: Die Terminkalender der Handwerker sind voll, Baustoffe für Reparaturarbeiten schwer zu beschaffen und Trocknungsgeräte zurzeit Mangelware.

Mit den Schäden, schwerpunktmäßig in Oberbrügge, zum Teil auch in Schwenke, sei Halver aber noch glimpflich davongekommen, sagt der Versicherungsexperte mit Blick in die Nachbarschaft wie in Hagen-Dahl oder in Altena.

Möglichst unbürokratisch

Um den Kunden kurzfristig zu helfen, hat man sich in der Geschäftsstelle neu strukturiert, sei zum Teil mit drei Mitarbeitern im Außendienst unterwegs gewesen. In Absprache mit der Zentrale sei die Vollmacht erhöht worden, mit der man vor Ort arbeiten kann. Mit Pauschalen und Vorschüssen werde möglichst unbürokratisch gearbeitet. Schadensmeldungen der Versicherten wurden verschlankt, sagt der Leiter der Geschäftsstelle, der nicht das erste Mal mit einer Großschadenslage zu tun hat. Der Sturm Kyrill 2007 hatte rund 2000 Schadensfälle aufgeworfen, die man in Halver hatte abarbeiten müssen, erinnert er sich.

Jahrtausend-Ereignis

Welche Dimensionen das Hochwasser aus Versicherungssicht in etwa erreicht, hat die Provinzial konzernweit vorläufig geschätzt. So seien 36 246 Schäden gemeldet worden, teilte das Unternehmen mit und spricht von einem Jahrtausend-Ereignis. Die Schadenssumme liege bei über einer Milliarde Euro. Es gingen aber noch täglich neue Meldungen ein, womöglich müsse die Provinzial sogar Schäden in einer Größenordnung von 1,5 Milliarden Euro regulieren, heißt es in einer Pressemitteilung, die auch Dr. Wolfgang Breuer, Vorstandsvorsitzender des Unternehmens, zitiert: „Die Finanzkraft der Provinzial als öffentlicher Versicherer ist trotz des massiven Schadenaufwands weiterhin hoch und unsere Stabilität ungefährdet.“

Kunden aus dem Märkischen Kreis haben nach Auskunft der Provinzial-Pressestelle im Märkischen Kreis bisher 1049 Schäden gemeldet. Die Schadenssumme wird mit 28 Millionen Euro angegeben. Das entspricht einer durchschnittlichen Schadenssumme von 26 000 Euro.

Konzernweit Milliardenschaden

Konzernweit wurden fast 32 000 Schäden mit einem Volumen von 987 Millionen Euro im Bereich der Sachversicherung (vor allem Gebäude und Hausrat) gemeldet. 4524 Schäden betrafen Fahrzeuge, dabei wird die Schadenshöhe mit 37 Millionen Euro angegeben. Schäden an Gebäuden und an Hausrat werden nur dann versichert, wenn Elementarschäden mitversichert sind, was bei unter 50 Prozent der Policen der Fall sei. Unwetterschäden an Fahrzeugen seien durch die Teilkaskoversicherung abgedeckt.

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