Maya-Kalender kündigt keinen Weltuntergang an

Sven Gronemeyer, der gerade Heimaturlaub in Halver macht, zeigt auf ein Bild, das die klassische Darstellung des Weltuntergangs nach einem Maya-Kalender zeigt. ▪ Prillwitz

HALVER ▪ Heute Nacht beginnt das Jahr des Weltuntergangs. Zumindest glauben das beispielsweise Michael Coe und nicht wenige andere aus esotherischen Kreisen, die an die Interpretation einer Inschrift eines Maya-Kalenders galuben, wonach eine Gottheit herab auf die Erde steigen und Dunkelheit mit sich bringen wird. Dies soll am 21. Dezember 2012 geschehen.

„Daran bin ich selbst ein wenig Schuld“, sagt Sven Gronemeyer und weist auf eine Umzeichnung der Maya-Inschrift aus Mexiko hin, die er selbst angefertigt hatte. „Die war aber fehlerhaft!“ Denn der Halveraner, der am Anne-Frank-Gymnasium sein Abitur gemacht hat, Maya-Kunde und Altamerikanismus studierte und derzeit „seinen Doktor“ an der Universität „La Trobe“ in Melbourne (Australien) macht, hat sich zusammen mit anderen Kollegen – insbesondere Barbara MacLeod – neuere Zeichnungen der Inschrift und auch das teilweise stark verwitterte Original angesehen.

Die Folge: Die Interpretation der Zeichen, die auf das Datum des „Weltuntergangs“ Bezug nehmen, mussten korrigiert werden. Das machten Gronemeyer und MacLeod in den Jahren 2009 und 2010. Denn es war kein Zeichen für Dunkelheit oder Schwarz. Und auch das Yehm wurde offensichtlich mit Yeen verwechselt, erklärt der Halveraner Doktorand. Während „Yehm“ mit Herabsteigen übersetzt wird, bedeutet „Yeen“ darstellen, präsentieren oder zeigen.

Nach der aktuellen Interpretation von Sven Gronemeyer und seine Kollegen ist auf dem entsprechenden Teil des Maya-Kalender zu lesen: „Tzuhtzjoom uyuxlajun pik Chan Ajaw Ux Uniiw“ (Es wird vollendet werden der 13. Bak’tun an 4 Ajaw 3 K’ank’in). Und weiter: „Uhtoom iliiy yeen-Balun-Yokte’ ta chak johyaj“ (Es wird geschehen dieses Balun-Yokte’-Einkleiden/Präsentieren in der großen Investitur).

Die Maya-Gottheit „Balun-Yokte’“ zeige sich und werde eingekleidet, um ihr Amt oder ihre Regentschaft anzutreten, erläutert Sven Gronemeyer. Gleichzeitig wird deutlich, wie schwierig es ist, die Hieroglyphen der Maya-Schrift zu deuten – insbesondere wenn Teile davon stark verwittert und kaum noch zu erkennen sind.

Dass die neue Deutung des „Weltuntergangs-Teils“ des Maya-Kalenders von Gronemeyer und seiner Kollegen nicht nur in der Universität von Melbourne große Beachtung fand, wird an dem großen Medien- und Fernsehinteresse deutlich, dem sich der Halveraner bei einem Vortrag in Mexiko gegenüber sah. „Das war dann ganz schnell überall bekannt, bei mir stand das Telefon nicht mehr still“, erzählt Gronemeyer. Gleichwohl kann er sich natürlich vorstellen, dass es auch weiterhin Menschen gibt, die an die alte Version des Maya-Kalenders glauben – erklären kann er es aber nicht.

Das Thema „Weltuntergang nach dem Maya-Kalender“ gebe es bestimmt schon seit den 1970er Jahren, erinnert sich der Halveraner. Er habe sogar jetzt noch in „Youtube“ eine amerikanische Dokumentation von 1974 gefunden, nach der der Weltuntergang am 24. Dezember 2011 geschehen sollte. „Die haben sich einfach verrechnet.“ Er selbst werde am 21. Dezember des nächsten Jahres auf einer „Weltuntergangs-Party“ sein, lacht Sven Gronemeyer. So etwas werde jetzt schon in Melbourne geplant.

Was bedeutet, dass der Halveraner seine „Weltreise“ in naher Zukunft fortsetzt: Von Melbourne ging es, wie bereits berichtet, nach Mexiko zu einem Vortrag. Dann stand vor wenigen Tagen Kopenhagen in Dänemark auf dem Vortragsprogramm des Doktoranden. Die relative Nähe zu seiner Heimat nutzt Sven Gronemeyer natürlich, um seine Eltern zu besuchen. Denn auch hier könne er an seiner Doktorarbeit weiter arbeiten. ▪ Det Ruthmann

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