Maulwürfe in Gärten: Vergrämen, nicht beseitigen

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Mit dem Maul wirft der Maulwurf seine Erdhaufen nicht vor sich her, sondern mit den großen Grabschaufeln. Das Wort Maul basiert auf dem Althochdeutschen „Mulle“ für Erde.

Halver -  Der Maulwurf: Störenfried oder hilfreicher Gartengeselle? Für Besitzer gepflegten Grüns sind sie ein Graus und lassen ihnen angesichts der hinterlassenen Erdhügel die Haare zu Berge stehen. Andere schätzen die schwarzen Graber als Insekten- und Würmerfresser. Wer auf Maulwürfe in seinem Garten verzichten möchte, sollte beachten, dass die Tiere unter Naturschutz stehen.

Von Friederike Domke

„Von einer Beseitigung darf man heute nicht mehr sprechen. Methoden, die in der Vergangenheit angewandt wurden, sind verboten. Wer keine Maulwürfe in seinem Garten haben möchte, kann auf verschiedene Vergrämungsmittel zurückgreifen“, sagt Hendrik Klein, Pressespsprecher des Märkischen Kreises.

Stefan Köthur, Mitarbeiter des Bauzentrums Lieder, empfiehlt den Halveranern gleich zwei Vergrämungsmethoden: Zum einen den Solar-Mäuseschreck, der sowohl bei Wühlmäusen, als auch bei Maulwürfen Wirkung zeigen soll. „Das Gerät sieht aus wie eine kleine Laterne, die man in den Boden steckt. Drin ist eine Solarzelle. Wenn sie aufgeladen ist, gibt das Gerät einen Ton ab.“ Dauerhaft, so Köthur, sei der Maulwurf genervt und wechsle den Standort. Auch Holzstäbchen, die in Lavandinöl getränkt sind, sollen den Maulwurf aus dem eigenen Garten vertreiben. Die Stäbchen verbreiten in den Gängen einen unerträglichen Geruch, „dem Maulwurf stinkt es wortwörtlich und er zieht ab“, so Köthur. Hilfe bei der Vertreibung von Maulwürfen suchten Halveraner das ganze Jahr über. „Aber gerade jetzt im Frühling steigt die Nachfrage merklich.“

Mario Milk, Mitinhaber des Garten- und Landschaftsbau-Unternehmens Brocksieper und Milk in Halver, rät hingegen zur Geduld: „Meist hilft es, wenn man die Hügel auseinander schiebt. Viele Maulwürfe bleiben nicht lange an einem Ort und ziehen weiter.“ Von Ton- und Geruchsvertreibern halte er nicht viel. „Das ist eher ein Placebo-Effekt. Die Leute sollten bei Maulwurfshügeln nicht sofort in Panik verfallen und mit aller Macht versuchen, das Tier los zu werden. Erstmal abwarten und schauen, wie es sich benimmt“, rät Milk.

Der Naturschutzbund (Nabu) bescheinigt Gartenbesitzern, die ihren Garten – ob geduldet oder nicht – mit Maulwürfen teilen, eine gute Bodenqualität. „Da er sehr gerne Schädlinge wie Schnecken, Engerlinge oder Schnakenlarven frisst, ist er zudem ein ausgesprochener Nützling im Garten“, sagt Zoologe und Nabu-Pressesprecher Julian Heiermann auf Anfrage des Allgemeinen Anzeigers.

Die Experten wollen für den Gräber im Untergrund bei Gartenbesitzern Verständnis wecken: „Die Leute rufen häufig an und beschweren sich, dass der Maulwurf unter Naturschutz steht.“ Denn im Bundesnaturschutzgesetz, Paragraph 44, steht: „Es ist verboten, wildlebenden Tieren der besonders geschützten Art nachzustellen, sie zu fangen oder zu töten.“ Eine Missachtung könne mit einer Ordnungswidrigkeiten- oder einer Strafanzeige belegt werden. „Ein Garten ist ein offenes System, in das auch ein Maulwurf gehört. Er ist Bestandteil unserer Fauna. Das muss man akzeptieren“, sagt Heiermann.

Trotzdem hält der Nabu einige Tipps parat, wie man Maulwürfen das Leben im Garten erschweren kann. „Sie sind sehr störungsempfindlich und haben sensible Sinnesorgane.“ Heiermann rät daher ebenfalls zu rasselnden oder piepsenden Vertreibern aus dem Handel. Darüber hinaus verspreche auch eine Flasche Erfolg, die man umgedreht in den Maulwurfshügel steckt und regelmäßig mit einem Holzstab draufklopft. „Das Geräusch ist so störend, dass der Maulwurf abwandert.“ Verdünnte Buttersäure oder Knoblauchsud reizen die feine Nase des Maulwurfs und zwängen ihn zum Rückzug. „Alles, was Krach macht, hilft. Wichtig ist, nicht zuletzt auch im Interesse des eigenen Gartens, dass die angewandten Methoden biologisch abbaubar sind.“

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