Musikkabarettist Martin Zingsheim überzeugt in der AFG-Aula

Witzig, bissig und geistreich

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Mit seinem Programm „Heute ist morgen schon retro!“ wusste der Musikkabarettist Martin Zingsheim am Samstagabend das Publikum in der AFG-Aula zu begeistern.

Halver - Mit entwaffnendem Charme, Witz und Können nahm Kabarettist und Musiker Martin Zingsheim am Samstagabend in der Aula des Anne-Frank-Gymnasiums die gute, alte Zeit auf die Schippe.

Mit seiner Band machte der Shooting-Star aus Köln in Halver, dem „Manhattan von Lüdenscheid“, Halt. Ein Tippfehler im Navi hätte das verschmitzte Quartett fast nach Haifa statt Halver geführt. Gerade noch rechtzeitig vor Bethlehem fiel den Jungs aus der Domstadt der Fehler auf.

Mit seinem Programm „Heute ist morgen schon retro!“ und einer bunten Mischung aus Hits aus fünfeinhalb Jahren Tourleben brachten Martin Zingsheim (Klavier und Gesang) und seine kongenialen Mitstreiter Martin Weber (Geige), Claus Schulte (Schlagzeug) und Nils Wittmann (Klarinette) ihr Publikum zum Lachen.

Dass Musikkabarett seine große Leidenschaft ist, konnte Wortakrobat Zingsheim, der mit diebischer Freude neue Wortschöpfungen kreierte und sich unterschiedlichster Slangs und Dialekte bediente, dabei nicht verheimlichen. Spieltechnisch brillant brachte er mühelos die unterschiedlichsten Musikgenres unter einen Hut, rappte, rockte, jazzte, schmeichelte – und entwaffnete, allzeit harmlos und freundlich dreinblickend, mit irrwitzigen, amüsant-bissigen Gedankenblitzen.

Im Blick zurück schaute er ironisch, nachdenklich und humorvoll nach vorn. Selbst seine langjährigen Weggefährten konnten sich bei seinen überraschenden, schlagfertigen Pointen, die oft wie aus dem Nichts kamen, ein Grinsen nicht verkneifen. Allzeit präsent im gefeierten Programm, bei dem der Funke auf Anhieb übersprang, war der unvergessene Fernsehmoderator Robert Lembke („Was bin ich?“), aus dessen Zitatenschatz Martin Zingsheim witzige, geistreiche Bonmots ausgegraben hatte. „Zivilisation ist eine feine Angelegenheit und wir sollten darüber nachdenken, sie wieder einzuführen“ und dergleichen mehr, hieß es da bedeutungsvoll.

Der dazugehörige Song über Sozialkritik und Revolution („Aber erst morgen“) war Armin Laschet und der Räumung des Hambacher Forsts gewidmet. „Gerade im Wald gibt es viel brennbares Holz“, merkte Zingsheim bissig an. Mit seiner Erika (Esoterika), einem Mittelaltermarkt, Hits der 90er-Jahre – Bekanntem und noch nie Gehörtem – sorgten Zingsheim und seine Band für gute Laune im großen Rund.

Frech und gewitzt stellte der Kölner sein idyllisches Bild von Frankreich infrage, watschte die Franzosen wegen ihres Rechtsrucks, Seehofer wegen Maaßen und Fußballprofis als überbezahlte Heulsusen ab – und nahm sich selbst auf die Schippe. Als vierfacher Vater und verhinderter Rapper („MC Alete“), mit jedem Kind weiter hinaus ins Grüne gerückt, fand er dazu eine breite Angriffsfläche.

Dass früher nicht alles besser war, entlarvte der vielfach preisgekrönte Musikkabarettist mit ausgewählten Zitaten wie dem von Kaiser Wilhelm II., der meinte: „Das Auto ist eine vorübergehende Erscheinung. Ich glaube an das Pferd.“ Aus seiner Verehrung für die große Lore Lorentz und Herman van Veen machte er keinen Hehl. Grandios wusste der Kölner mit Worten umzugehen.

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