Eine ungewöhnliche WG an der Thomasstraße

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Zakaria (20) aus Syrien wohnt seit Anfang August bei Marion Pastoors (83) an der Thomasstraße. Die beiden sind ein gutes Team und ergänzen sich in ihrer täglichen Arbeit.

Halver - 63 Jahre liegen zwischen ihnen - Marion Pastoors ist 83 Jahre alt und eine alteingesessene Halveranerin. Zakaria ist 20 Jahre alt, wurde in Damaskus geboren und ist seit März dieses Jahres in Deutschland. Heute wohnt Zakaria im Haus von Marion Pastoors an der Thomasstraße und gemeinsam bilden sie wohl eine der ungewöhnlichsten Wohngemeinschaften in Halver.

Zwei Räume bewohnt Zakaria in dem großen Haus von Marion Pastoors. Im unteren Bereich des Gebäudes ist viel Platz. Ein Schlaf-/Wohnzimmer, eine Küche und ein WC stehen dem jungen Syrer zur Verfügung. In der oberen Etage nutzt er das Badezimmer.

Seit der Ehemann von Marion Pastoors im Juni dieses Jahres starb, wirkte das Haus plötzlich noch größer. „Meine Kinder wollten nicht, dass ich allein hier wohne“, sagt sie. Doch von ihnen konnte keiner der Mutter dauerhaft Gesellschaft leisten. Die Familie wohnt in Essen. Ihr Schwiegersohn, selbst gebürtiger Syrer und seit vielen Jahren in Deutschland heimisch, stellte schließlich den Kontakt zu seinem Neffen her - Zakaria. Der 20-Jährige war aus seiner Heimat geflüchtet, hatte seine Familie zurück gelassen und befand sich zu dieser Zeit in einem Auffanglager in Ochtrup.

„Es war mir frei gestellt, ihn kennenzulernen“, berichtet Marion Pastoors von der Zeit, als ihre Familie ihr den Vorschlag unterbreitete, Zakaria bei sich aufzunehmen. Sie ließ sich drauf ein und lernte ihn kennen: „Er war ein netter Mann und mir auf Anhieb sympathisch.“ Auch ihre Enkelkinder hätten ihr gut zugeredet, „den kannst du nehmen, Omi, der ist nett“, hatten sie gesagt.

Und so begann für Marion Pastoors ein neues Kapitel. Es wurden Möbel zusammengesucht, die Familie half, die Räume im Untergeschoss des Hauses herzurichten, damit Zakaria alsbald dort einziehen konnte, in „sein eigenes Reich“. Und es sollte klappen. Sie verstanden sich auch nach dem Einzug immer noch gut, das WG-Leben funktioniert. „Omi“, sagt Zakaria, wenn er Marion Pastoors anspricht. „Ja, er ist wie mein siebtes Enkelkind“, bestätigt die Rentnerin.

„Es ist eine Win-Win-Situation“

Und die beiden wohnen nicht nur in einem Haus, sie wohnen miteinander in einem Haus. „Es ist eine Win-Win-Situation“, sagt Marion Pastoors. Zakaria hilft ihr beim Einkauf, bei der Hausarbeit und fegt die Terrasse. „So sauber war mein Grundstück noch nie“, lacht sie. Oft essen die beiden zusammen. Zakaria kocht viel, mindestens vier Mal in der Woche. „Manches ist mir aber zu scharf“, beteuert die Rentnerin. Im Gegenzug hilft Marion Pastoors Zakaria beim Deutschlernen, beim Ausfüllen der Anträge und Papiere und bei all den Herausforderungen, die einem Flüchtling in einer neuen Umgebung begegnen.

Ausbildung als Automechaniker

Der 20-Jährige lernt täglich die neue Sprache. Die meisten Sätze bekommt er im Interview mit unserer Zeitung nach kurzem Überlegen hin. Einen Dolmetscher braucht er nicht mehr. Einmal in der Woche besucht er einen Deutschkurs bei der Awo in Lüdenscheid. Daneben besucht er mehrmals in der Woche die Kurse der Flüchtlingshilfe Halver. Und ab Oktober geht’s dann richtig rund: Jeden Tag wird er bei der Volkshochschule einen Kurs besuchen. Ein Jahr hat er sich Zeit gegeben, „dann möchte ich perfekt Deutsch sprechen können.“ Marion Pastoors ist zuversichtlich, dass das klappt. „Er macht jeden Tag Fortschritte. Ich helfe ihm dabei.“ Sein Ziel ist es, eine Ausbildungsstelle in der Region zu bekommen. „Gerne etwas in Richtung Automechaniker“, sagt Zakaria.

Nachdem er Syrien aufgrund der politischen Lage verlassen hatte, lebte er zunächst einige Zeit im Libanon, arbeitete dort als eine Art Hausmeister für eine wohlhabende Familie und sparte etwas Geld an. Von dort floh er schließlich in die Türkei, dann weiter nach Stuttgart und verbrachte die ersten Monate in Deutschland in sechs verschiedenen Auffanglagern, bevor er schließlich den Kontakt zu seinem Onkel herstellen konnte.

Marion Pastoors sieht es als glückliche Fügung an, dass Zakaria bei ihr im Haus wohnt. „Ich würde es jedem empfehlen. Es kann eine Bereicherung sein. Zakaria bietet mir Sicherheit.“

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