Margie Kinsky: Mitten aus dem Leben

Keine Berührungsängste: Margie Kinsky (dritte von rechts) und ihr Mann, Lindenstraßen-Darsteller Bill Mockridge, nahmen gern Kontakt zum Publikum auf. - Fotos: Salzmann

Halver - „Ich bin die Margie. Und wie heißt du?“ Mit ihren Zuhörern war Margie Kinsky, Publikumsliebling der Springmaus und Mutter von sechs Söhnen, am Samstagabend in der Aula der Realschule auf Anhieb per du.

Von Monika Salzmann

„Für wen bin ich ein Gutschein? Wer hat mich dir geschenkt?“, erkundigte sie sich fürsorglich. „Du hast mich gewonnen? Dann darfst’e mich nachher auch mit nach Hause nehmen“, so ihr Versprechen. Mit kölschem Dialekt und italienischem Temperament eroberte die sympathische Schauspielerin und Kabarettistin, die im Rahmen der Halveraner Kulturzeit mit ihrem Soloprogramm „Kinsky legt los“ Furore machte, ihr Publikum im Sturm. Kaum auf der Bühne, war sie schon mit allen gut Freund. Mehr noch: Vor der Vorstellung und in der Pause nahm sie sich gleichsam als „Promi zum Anfassen“ Zeit zum Schäkern und fand für jeden ein freundliches Wort. Wer die Pause im Foyer verbrachte, hatte das Glück, auch Gatte Bill Mockridge, als Erich Schiller beziehungsweise TV-Ehemann von Mutter Beimer aus der „Lindenstraße“ bekannt, kennenzulernen.

Ihrem „kanadischen Holzfäller“ galt im Programm, in dem Margie ihrem Alltag mit Mann, Söhnen und Freundinnen charmant spöttelnd die aberwitzigsten Augenblicke abgewann, eine ganz eigene (Schnarch)-Episode. Rotwein, Bier und Schnaps – Margie kannte jede Nuance – hatten da ihren ganz eigenen nervtötenden Ton. Allein die Hitzewallungen, unter der die Endenicherin als Mittfünfzigerin im Clinch mit ihren Pfunden und „sooon-Hals-Erlebnissen“ zuhauf litt, störten die nächtlichen Erholungsphasen noch mehr. Mit einer Bühnenpräsenz ohnegleichen hielt die temperamentvolle Rheinländerin mit italienischen Wurzeln ihr begeistertes Publikum im voll besetzten Saal in Schach.

Mitten aus dem Leben gegriffen, zum Schreien komisch waren die Geschichten, die sie erzählte. Ob sie dabei mit dem eifersüchtigen Blick der Mutter der bildhübschen (tätowierten) Freundin ihres Ältesten auf den Zahn fühlte oder vor Scham über die hochnotpeinliche Krippenspiel-Aufführung ihres Jüngsten im Erdboden versank: Irgendwie fand sich jeder wieder in diesen lustigen Alltagsgeschichten von Übermüttern, Shoppingtouren und Laternen-Basteln. Spielend leicht gelang der Ausnahmekomödiantin, die ihre Techniker – gestandene Mannsbilder – liebevoll Tinchen und Kathrinchen nannte, ein munterer Rollentausch. Was Margie entging, fiel spätestens ihren imaginären Freundinnen Maritta Nettekoven und Maria auf. Brille auf: Schon war Margie die biedere Hausfrau Maritta, die sich unversehens in einem Swinger-Club wieder fand – mit bellendem Bankberater auf allen vieren zu ihren Füßen. Nicht dass Maritta aus diesem Umstand Vorteile gezogen hätte. Schicke Jacke an: Schon legte Margie als Italienerin Maria los. Wehe, wer da einen Parkplatz klaute! Das Patentrezept, immer gut auszusehen und stets nach der neuesten Mode gekleidet zu sein, gab’s obendrauf. Umtauschen - warum wohl sind Berlusconi und Sarkozy sonst allzeit so elegant gekleidet - lautete die Devise. Nur dumm, dass die Deutschen bei kleinen Flecken so pingelig sind!

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare