Geldstrafe wegen Körperverletzung

Mann schubst Mädchen

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Der Angeklagte kündigte an, gegen das Urteil des Amtsgerichts vorzugehen.

Halver - Äthiopien, Sudan, Libyen, das Mittelmeer, Italien, Deutschland: Zusammen mit dem scheinbar immer größer werdenden Strom von Flüchtlingen aus Afrika kam ein vermutlich 40-jähriger Eritreer Anfang 2014 ins gelobte Land oder doch eher in die soziale Wüste der Asylunterkunft am Bahnweg in Halver.

Keine Sprachkenntnisse, keine Arbeit, eine minimale finanzielle Unterstützung zum Lebensunterhalt – ein solch trostloser Aufenthalt in einem wildfremden Land kann einem Mann in den besten Jahren nicht gut tun. Anders ist es kaum zu erklären, dass er ein auf dem Bahnweg spielendes zehnjähriges Kind so in den Rücken stieß, dass die junge Inline-Skaterin stürzte und sich zahlreiche Schürfwunden an Ellenbogen, Knie und Handfläche sowie eine Prellung zuzog. Die Grundschülerin berichtete, wie der Angeklagte am 23. April zunächst eine noch jüngere Freundin geschubst habe, woraufhin sie eingeschritten sei: „Kannst du das mal lassen?“ Daraufhin habe er ihr einen Stoß versetzt – sie fiel über einen Bordstein und stürzte auf die Straße. Schon früher habe er die Kinder auf der Straße geärgert, berichtete die Zehnjährige, die ihn deshalb bereits gut kannte.

Der Angeklagte bestritt den Vorwurf: „Ich habe auf dieser Straße mit anderen Kindern gespielt. Ich habe das Mädchen gar nicht berührt“, übersetzte die Dolmetscherin seine Behauptungen. Richter Jürgen Leichter glaubte hingegen der sehr aufgeweckten jungen Zeugin und verurteilte den Angeklagten wegen der Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 25 Tagessätzen zu je acht Euro.

Ja, er wolle gegen dieses Urteil vorgehen, kündigte der Angeklagte an und hörte die richterliche Belehrung, dass durch jedes weitere Strafverfahren zusätzliche Kosten entstehen – „wenn man diese eintriebe“, setzte Richter Jürgen Leichter hinzu. Denn solche Rechnungen stoßen bei bitterarmen Angeklagten natürlich auf leere Taschen.

Orientierungslos und ohne Ziel

Viel Geld hatte der Angeklagte offenbar in die Hand genommen, um die Schleuser auf dem Weg vom Sudan bis nach Italien zu bezahlen: „7000“. Es blieb offen, ob das Dollar oder Euro oder was auch immer waren. Wirklich orientiert über sich selber und seine Lebensziele war der Angeklagte nicht. Das zeigte sich schon bei der Frage nach seinem Alter: 38 Jahre sei er alt, behauptete er. Das entsprach nicht der Auskunft seines Personaldokuments, demzufolge er derzeit 40 Jahre alt ist.

Nur eines wusste der Asylbewerber aus Eritrea, wo er in einer Getreidemühle gearbeitet hatte, genau: Seine Ehefrau und fünf Kinder waren in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abbeba zurückgeblieben. „Wir haben uns nur getrennt, weil sie und die Kinder nicht mitkommen konnten“, erklärte er die Zerstörung seiner Familie.

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