51-Jähriger auf der Anklagebank

Mann missbraucht Stieftochter - sexuelle Handlungen in 18 Fällen

Symbolbild Missbrauch
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Stiefvater missbraucht seine Tochter.

Eine bedrückende Familiengeschichte beschäftigt seit dieser Woche die 1. große Strafkammer des Landgerichts Hagen: Ein heute 51-jähriger Angeklagter soll seine im Jahr 2000 geborene Stieftochter mindestens 18-mal sexuell missbraucht haben. Laut Anklage erstreckte sich der Tatzeitraum von 2005 bis 2016, was sich in unterschiedlichen Tatvorwürfen widerspiegelt.

Halver/Hagen – Nach der Geburt des Kindes lebten die Eltern des Mädchens in einem Haus in Halver. Dabei blieb es zunächst auch nach der Trennung der Kindsmutter vom Angeklagten. Dieser zog in eine Wohnung im gleichen Haus, um in der Nähe seiner beiden später geborenen leiblichen Söhne bleiben zu können.

Zu Beginn der Übergriffe soll das Mädchen fünf bis sechs Jahre alt gewesen sein. Sollten die Vorwürfe zutreffen, hätte sich der Angeklagte in dieser Zeit eines schweren sexuellen Kindesmissbrauchs einer Schutzbefohlenen unter 14 Jahren schuldig gemacht. Denn das Mädchen sah in dem Angeklagten seinen Vater. Strafbar ist auch der sexuelle Missbrauch einer Jugendlichen unter 18 Jahren durch eine Person über 21 Jahre. Hier geht das Strafrecht davon aus, dass ein Täter die fehlende Fähigkeit eines Opfers zur sexuellen Selbstbestimmung ausnutzt.

Auch Vorwurf der Vergewaltigung

Die Anklage wirft dem 51-Jährigen sogar eine Vergewaltigung vor, weil er gewaltsam versucht haben soll, in den Körper seiner Stieftochter einzudringen. Zeugen berichteten am ersten Verhandlungstag allerdings, das herangewachsene Mädchen habe sich gegen diese Übergriffe gewehrt. Dennoch soll es weiterhin zu sexuellen Übergriffen gekommen sein, bei denen sie den Angeklagten oral befriedigen musste.

Ihre Mutter erzählte vor Gericht von ihrer Beziehung zum Angeklagten: Schon bald nach der Geburt der beiden gemeinsamen Söhne habe es Streitereien über die Erziehung der Kinder gegeben. „Unsere Ansichten – das passte hinten und vorne nicht.“ Schließlich habe es sogar tätliche Auseinandersetzungen gegeben. Noch schlimmer sei es geworden, als sie einen anderen Mann kennengelernt habe: „Dann hatte ich nur noch die Hölle. Er hat auch meinen neuen Partner tätlich angegriffen.“

Sie hatte Angst und wollte die Jungs im Blick haben.

Mutter des Opfers

Opfer der Auseinandersetzungen waren vor allem die Kinder: „Irgendwann sind sie auch auf ihn losgegangen.“ Das änderte nichts daran, dass vor allem die beiden Jungen andere Väter erlebten und ihren Vater in dessen neuer Wohnung in Remscheid besuchen wollten: „Wann sehen wir Papa wieder?“ Ihre etwas ältere Schwester stellte diese Frage nicht. Der Vorsitzende Richter Jörg Weber-Schmitz fragte die Mutter deshalb, warum das Mädchen mit den Brüdern immer noch zu seinem Stiefvater fuhr. „Sie hatte Angst und wollte die Jungs im Blick haben“, erklärte die Mutter. Der Angeklagte habe immer wieder Drohungen ausgestoßen, „dass wir alle ausgelöscht würden“. Ihre Tochter habe nichts von all dem berichtet, „weil sie Angst hatte, dass er alle umbringt“. Möglicherweise gab es sogar eine entsprechende Bemerkung des Angeklagten gegenüber einem seiner Söhne.

Ihre Brüder sagen aus

Die beiden Jungen schlugen sich vor Gericht auf die Seite ihrer Halbschwester und ihrer Mutter und sagten gegen ihren Vater aus, obwohl sie ein Zeugnisverweigerungsrecht gehabt hätten. Beide berichteten von merkwürdigen Szenen, in denen sie ihre Halbschwester und ihren Vater „ganz nackt“ gesehen hatten. Bei den präzisen Schilderungen sexuell zu deutender Verhaltensweisen taten sich die beiden Teenager schwer. „Du musst dich nicht schämen!“, tröstete der Vorsitzende Richter Jörg Weber-Schmitz den Jüngeren der beiden. „Das ist das Täglichbrot der Kammer.“

Der mittlerweile in Wuppertal lebende Angeklagte begnügte sich mit einer kurzen Zurückweisung der Vorwürfe: „Ich kann dazu nur sagen, dass das alles nicht stimmt.“ Seine Stieftochter war mit ihren Brüdern und ihrer Mutter aus dem neuen Zuhause, das nicht mehr in Halver liegt, ins Landgericht gekommen.

Doch die Richter wollten sich zunächst mithilfe anderer Zeugen ein Bild von der familiären Situation machen, bevor sie die Hauptbelastungszeugin am Montag, 9. November, zu den Ereignissen im Landgericht befragen – voraussichtlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

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