Streit geht in die nächste Runde

Nachbarschaftsstreit endet vor Gericht -Nägel zerstören Reifen

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Halver/Lüdenscheid - Ein Mann aus Halver steht nach einem Nachbarschaftsstreit vor dem Amtsgericht Lüdenscheid. 

Eigentlich sei der Gerichtssaal nicht der richtige Ort zum Austragen eines Nachbarschaftsstreits, erklärte Richterin Kristina Thies einem 65-jährigen Angeklagten aus Halver. Doch der lehnte es ab, eine Geldbuße von 300 Euro für die Einstellung seines Strafverfahrens zu zahlen. Deshalb werden sich im Amtsgericht Lüdenscheid erneut der Angeklagte, seine Nachbarn und diverse Polizeibeamte einfinden müssen. 

Aus der Asservatenkammer der Staatsanwaltschaft Hagen sollen noch einige 17 Zentimeter lange Nägel hinzukommen, die unter dem Verdacht stehen, bei den vorangegangenen Nachbarschaftsauseinandersetzungen eine nicht ungefährliche Rolle gespielt zu haben. 

Nägel in der Einfahrt verbuddelt

Laut Anklage verbuddelte der Angeklagte diese Nägel mit der Spitze nach oben auf seiner Einfahrt, was der rechte vordere Reifen des Autos eines Nachbarn nicht vertrug. Ein Nagel blieb stecken und verursachte einen Schaden von 47 Euro, was als Sachbeschädigung angeklagt wurde. Der Angeklagte äußerte sich zunächst nicht dazu. 

Verteidiger Dominik Petereit bestätigte die groben Fakten: „Ja, der Angeklagte liegt durchaus im Clinch mit seinen Nachbarn. Auch danach gab es noch Androhungen der anderen Beteiligten nach dem Muster: ‘Mein Bruder ist Anwalt.’“ Nun hätte es theoretisch sein können, dass der 65-Jährige seine Nägel eingegraben hatte, weil er das Befahren seines Grundstücks durch die Nachbarn nicht auf andere Weise endgültig hatte unterbinden können. Eine solche Abwehrmaßnahme bestritt der Angeklagte jedoch: „Ich habe nicht vorsätzlich etwas eingebuddelt.“ Vielmehr habe er auf seinem Grundstück alte Kantholzpaletten zu Brennholz gemacht – dabei seien Schrauben und Nägel aus Versehen auf seiner Einfahrt liegengeblieben. 

Der Polizei gegenüber hatte der 65-Jährige noch zugegeben, dass er die Nägel in seine Einfahrt gesteckt habe. Die Beamten hielten allerdings auch eine pessimistische Lagebeurteilung fest: „Ein schlichtendes Gespräch war zwischen den Nachbarn nicht möglich.“ Die Richterin begab sich ein Stück weit auf diesen Pfad einer möglichen Vermittlung und fragte den Angeklagten freundlich: „Ärgern Sie sich darüber, dass die Nachbarn über Ihr Grundstück fahren?“ 

Tiefe Abgründe eines alten Konflikts

Der Angeklagte deutete die tiefen Abgründe eines sehr alten Konflikts an: „Die Streitigkeiten dauern schon ewig – seit wir dort anfingen, unsere Häuser zu bauen.“ Die Richterin wies ihn auf seine Verkehrssicherungspflicht hin: Als Hausbesitzer habe er die Pflicht, gefährliche Gegenstände zu entfernen. „Seien Sie froh, dass es nur ein Autoreifen war. Was wäre, wenn es ein Kind oder ein Hund gewesen wäre!?“ Auf diesem Hintergrund bot die Richterin eine Einstellung des Strafverfahrens gegen eine Geldauflage von 300 Euro an. 

Nach Beratung mit seinem Mandanten kam Verteidiger Dominik Petereit jedoch kopfschüttelnd zurück. Irgendwann im Frühjahr 2020 werden sich Nachbarn, Polizisten und der Angeklagte deshalb im Amtsgericht Lüdenscheid wiedersehen.

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