Halveraner muss 2500 Euro Strafe zahlen

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Halver/Lüdenscheid - Schlechte Laune über die angeblich schlechte Zahlungsmoral eines Kunden sollte nicht zum Anlass für eine Strafanzeige wegen Betruges werden. Dies machte der Fall eines Handwerkers aus Halver deutlich, der sich im Amtsgericht Lüdenscheid wegen des Tatvorwurfs „falsche Verdächtigung“ verantworten musste.

Sein Strafverfahren wurde zwar eingestellt – allerdings nur gegen eine Geldauflage von 2500 Euro. Dass der Kostenvoranschlag des Angeklagten für eine Heizungs- und Solaranlage offenbar zu niedrig gewesen war, stand dabei auf einem anderen Blatt. 

Auch der Kunde war mit den erbrachten Leistungen nicht zufrieden gewesen und hatte deshalb Zahlungen in Höhe von knapp 5000 Euro zurückgehalten. Das wiederum lieferte einen Anlass für den Angeklagten, am 1. März 2017 zur Polizei zu gehen und seinen Kunden wegen angeblichen Betruges anzuzeigen. 

Dieser Tatbestand setzt allerdings voraus, dass jemand eine Leistung bestellt und von vornherein nicht beabsichtigt, diese auch zu bezahlen. 

Anwälte nehmen es in die Hand 

Davon konnte allerdings keine Rede sein: Längst hatten Anwälte der Streithähne die Sache in die Hand genommen und die gegenseitigen Forderungen dort besprochen, wo eine solche Geschichte hingehört – vor einen Zivilrichter. Im Amtsgericht stritt man also bereits über die ausbleibende Zahlung und die mögliche Rechtmäßigkeit der Kürzung dieser Zahlung. Auf ein strittiges Gutachten folgte ein weiteres, und irgendwann wäre das Zivilverfahren wohl zu Ende gegangen. 

„Warum marschieren Sie an ihm vorbei zur Polizei?“, wollte Richter Andreas Lyra angesichts dieser Sachlage vom Angeklagten wissen. Der hatte eine merkwürdige Begründung, die auf eine gewisse Üblichkeit dieses Vorgehens abzielte: Er selbst sei umgekehrt auch schon zum Ziel einer solchen Betrugsanzeige eines Kollegen geworden. Wie du mir, so ich einem Dritten – so schien die Devise zu lauten. 

Laute Diskussion im Gerichtssaal 

Verteidiger Dominik Petereit bemühte sich, die Wogen zu glätten: „Wir haben keinen Hinweis darauf, dass der (zu Unrecht Beschuldigte Empfänger der Heizung) vorsätzlich das Geld zurückgehalten hat“, mäßigte er seinen Mandanten. 

Der Richter wurde noch deutlicher: „Das lässt nicht ansatzweise den Versuch eines Betruges offen.“ Und äußerte angesichts des vom Angeklagten geschilderten Falls ein wenig Verständnis, dass dem der Kragen geplatzt war. „Polizei und Staatsanwaltschaft werden gerne mal in zivilrechtliche Streitigkeiten eingeschaltet.“ 

Der Angeklagte habe dem Beschuldigten offenbar unterstellt, aus fadenscheinigen Gründen nicht zu zahlen. Ganz ohne Strafe ging es nicht ab, aber es gab andererseits auch keinen Grund für die volle Härte des Gesetzes.

Über 1000 Euro aus der Geldauflage kann sich das Kinderherzzentrum in St. Augustin freuen. Weitere 1500 Euro gehen an den Förderverein der Kinderklinik in Lüdenscheid-Hellersen.

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