Merkwürdige Konstellation

Zerkratzter Mercedes: 47-Jähriger auf der Anklagebank

+

Halver/Lüdenscheid - Mit einem Freispruch ist im Amtsgericht Lüdenscheid das Strafverfahren gegen einen 47-jährigen Angeklagten aus Halver zuende gegangen, dem die absichtliche Beschädigung des Mercedes von Freunden vorgeworfen wurde.

Eine derart merkwürdige Konstellation mit vier Beteiligten verlangt nach Aufklärung, die vor Gericht umfassend geleistet wurde. Zum angeblichen Tatzeitpunkt am 26. August hatten die beiden Zeugen den Angeklagten aus größerer Entfernung hinter ihrem Auto gesehen. Da das Fahrzeug danach Kratzer aufwies, waren sie davon ausgegangen, dass der 47-Jährige diese hinterlassen hatte, bevor er wegfuhr. 

Warum hätte er so etwas tun sollen? Zum Tatzeitpunkt hatte sich seine Frau von ihm getrennt. Mithilfe der gemeinsamen Freunde war sie in eine eigene Wohnung gezogen. „Er wollte nicht, dass wir seine Frau unterstützen“, erklärte die 41-jährige Zeugin. „Ich habe ihm hundertmal gesagt: ‘Ich wollte nur deiner Frau helfen.’“ Sie und ihr Mann hielten es deshalb für möglich, dass der Angeklagte auf ihr Auto losgegangen war. „Er hat uns öfters bedroht“, erklärte die Zeugin. 

Als sie und ihr Mann den Angeklagten an ihrem Mercedes beobachteten, ging es allerdings nicht nur um ein mögliches Motiv, sondern handfeste Kratzbewegungen. Und ebendiese hatte auch ihr Mann nicht beobachten können: Auch er vermutete seine Hilfe für die Gattin des Angeklagten als Grund für dessen angeblichen Angriff auf seinen Mercedes. 

Zeugen standen 200 Meter entfernt

Allerdings standen die Zeugen etwa 200 Meter entfernt von dem Geschehen, und so ganz genau ließ sich von dort aus nicht erkennen, was der Angeklagte hinter dem Auto machte: „Er stand dort, wo auch gekratzt wurde“, erklärte der Zeuge. „Das Kratzen selber habe ich nicht gesehen.“ Letztlich konnte der Zeuge nicht ausschließen, dass jemand anderes diese Kratzer gemacht hatte. Kritisch wurde es im Gerichtssaal noch einmal, weil der Angeklagte seinen Schwager als Zeugen mitgebracht hatte. Der sollte bestätigen, dass der Angeklagte zur fraglichen Zeit gar nicht am Tatort gewesen war. 

Eine mögliche Falschaussage konnte nach einem internen Rechtsgespräch abgewendet werden. Denn die beiden Zeugen wurden diesbezüglich als sehr glaubwürdig angesehen: Der Angeklagte war offenbar vor Ort, wurde aber dennoch freigesprochen: „Es gibt die theoretische Möglichkeit, dass die Beschädigung auf anderem Wege zustande kam“, stellte der Amtsanwalt fest und beantragte einen Freispruch.

Dem schloss sich auch Richter Thomas Kabus gegenüber dem Angeklagten an: „Es gab ein Motiv und eine Gelegenheit, das Auto zu zerkratzen. Aber es gibt auch Zweifel, dass Sie diese Tat tatsächlich begangen haben.“ Mit einer Schlussbemerkung zum Abschied reagierte der Richter auf den Bericht über eine große Versöhnung: „Das Aberwitzigste ist, dass Sie und Ihre Frau sich inzwischen wieder vertragen haben.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare