22-Jähriger benimmt sich daneben

Schon vor dem Feuerwehrfest: Student hat 1,5 Promille - und rastet aus

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Halver/Lüdenscheid - Nicht alle vertragen den Alkohol, der beim Feuerwehrfest in Halver ausgeschenkt wird: Regelmäßig müssten die Veranstaltungen im Amtsgericht Lüdenscheid aufgearbeitet werden, stellte Richterin Kristina Thies fest. 

„Das tut den da anwesenden Männern nicht gut“, ergänzt die Richterin. Und so war es auch für einen 22-jährigen Mann aus Halver. 

„Was war los? Haben Sie den Alkohol nicht vertragen?“, wurde der junge Mann vor Gericht gefragt. Denn er hatte es geschafft, an jenem 10. Mai 2018 schon um 18.35 Uhr einen Blutalkoholwert von gut 1,5 Promille auf die Spritze zu bringen. „Schon recht sportlich für einen Studenten“, bemerkte die Richterin. 

Mann verletzt Polizistin

Vor der Blutentnahme hatte er massiven Widerstand gegen mehrere herbeigerufene Polizisten geleistet und sich im weiten Repertoire der sexualdenunziatorischen Beleidigungen bedient. Eine Beamtin erhielt einen derart heftigen Schlag gegen den Kopf, dass sie wegen einer Schädelprellung zunächst dienstunfähig war. 

Noch auf der Fahrt in den Gewahrsam versuchte der 22-Jährige, einen Polizisten zu beißen. Der kam ihm jedoch zuvor. „Mein Mitleid hält sich in Grenzen, wenn der Beamte Ihnen eine ins Gesicht knallt, um zu verhindern, dass er gebissen wird“, kommentierte die Richterin den Vorfall, nach dem der Angeklagte ein „Veilchen“ trug. 

Im Krankenhaus Lüdenscheid-Hellersen hätte er der verletzten Beamtin begegnen können. Schon am nächsten Morgen hatte er ein Entschuldigungsschreiben in die Wache gebracht und bedauert, dass er „vielen Besuchern des Feuerwehrfestes den Spaß verdorben“ habe. „Ich werde alles daran setzen, dass so etwas nicht wieder vorkommt“, hieß es in dem Schreiben. 

Entsprechend zerknirscht zeigte sich der 22-Jährige auch im Amtsgericht: „Das war nicht ich“, schob er die Person, die er an jenem Abend war, ein Stück weit weg von sich. „Das hat mich sehr schockiert, wie sehr ich die Kontrolle verloren habe.“ Mit einem richterlichen Strafbefehl war der Angeklagte zunächst zu einer Haftstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden. „Unangemessen und zu hart“, nannte Verteidiger Heiko Kölz dieses Urteil, gegen das sich der Angeklagte gewehrt hatte.

Spürbare Reue des Angeklagten

„Der Staat muss seine Leute, die die Drecksarbeit für ihn tun, schützen“, mahnte der Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft. Auch er hielt die Strafe von einem Jahr für zu hoch. Aufgrund der spürbaren Reue des Angeklagten stimmte die Richterin dieser Einschätzung zu. 

Sie verurteilte den 22-Jährigen, der sich „im besten Betrinkensalter“ befinde, zu einer Haftstrafe von sechs Monaten auf Bewährung und betonte: „Es sind keine Bagatelldelikte mehr.“ Außerdem muss der Student 1000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen. 

Eine Frage war noch zu klären: „Gehen Sie dieses Jahr wieder auf’s Feuerwehrfest?“ „Nein!“, entgegnete der Angeklagte mit fester Stimme

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