49-Jähriger vor Gericht

Frau durch Aufprall mehrere Meter durch die Luft geschleudert und schwer verletzt

Halver/Lüdenscheid - Fragen der Verkehrssicherheit auf der Kreuzung Gutenbergstraße/Remscheider Straße berührte ein Strafprozess im Amtsgericht Lüdenscheid. Das Ende: Der Angeklagte muss zahlen.

Beim Linksabbiegen von der Gutenbergstraße auf die B229 hatte ein Autofahrer am 27. August 2018 eine Fußgängerin übersehen. Die Frau wurde durch den Aufprall mehrere Meter durch die Luft geschleudert und schwer verletzt. „Ich habe meinen Arbeitsplatz verloren“, berichtete sie. „Mein Leben ist zerstört.“

Trotz körperlicher Einschränkungen aufgrund des Unfalls bemühte sie sich um eine Überprüfung der Ampelanlage an der Unfallstelle durch das Straßenverkehrsamt des Märkischen Kreises. „Ich will nicht andere Frauen als Opfer haben“, wies die 55-Jährige auf eine problematische Verkehrssituation hin: „Wir sind öfter fast überfahren worden.“ Wir – das waren zum Zeitpunkt des Unfalls um 5.27 Uhr Mitarbeiter der Firma Turck, die auf dem Weg zur Arbeit die Remscheider Straße überqueren. 

Merkwürdige Umstände

Weil die Polizei die Zeugin nie vernommen hatte, klärte ihre Aussage vor Gericht einige Fragen. Merkwürdig genug war dabei der Umstand, dass die 55-Jährige die Straße an jenem noch dunklen Morgen mit anderen Personen überquert hatte, die der 49-jährige Angeklagte allesamt übersehen haben müsste. 

Die Zeugin berichtete, dass sich von diesen Personen niemand für eine Zeugenaussage gemeldet hatte. Auch die Polizei hatte scheinbar nur ein begrenztes Interesse: Nach einer kurzen Vernehmung der Zeugin im Krankenwagen hatte es kein weiteres Gespräch gegeben. 

Dass sowohl der Autofahrer als auch die Zeugin grüne Ampeln sahen, ist offenbar gewollt: Der 49-Jährige durfte in die Kreuzung einfahren, hätte aber als abbiegender Verkehrsteilnehmer die Vorfahrt der Fußgängerin beachten müssen. War die Kreuzung tatsächlich so „schlecht ausgeleuchtet“? 

Angeklagter im Urlaub und nicht im Gericht

„Mein Mandant hat sie einfach nicht gesehen“, erklärte sein Verteidiger, der allein auf der Anklagebank saß. „Er bedauert, dass es zu dem Unfall gekommen ist.“ Entschuldigt hatte sich der Unglücksfahrer so: Er sei im Urlaub. Das Unfallopfer zeigte sich enttäuscht: „Ich hätte eine Entschuldigung verdient – mehr will ich nicht.“

Richter Wolfram Arnold hatte nach der Beweisaufnahme keinerlei Zweifel, dass sich der Angeklagte einer fahrlässigen Körperverletzung schuldig gemacht hatte. Der Anwalt des 49-Jährigen zog daraufhin den Einspruch zurück. Die darin verhängte Geldbuße von 2000 Euro wurde damit rechtskräftig.

Rubriklistenbild: © picture alliance / Stefan Puchne

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