Halveraner kümmert sich um heruntergekommenen Musikpavillon

Mit Herz und Hand im Ehrenamt: Musikpavillon erstrahlt in neuem Glanz

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Kein Moos mehr, keine Putzausbrüche. Jeder Quadratmeter des Pavillons wurde mehrfach bearbeitet.

Halver - Der ziemlich heruntergekommene Musikpavillon im Rathauspark hat sich zu einem Schmuckstück gemausert. Blitzblank steht die Open-Air-Bühne für Halveraner Musiker wieder da.

„Das konnte man keinem mehr zumuten. Das hat mir leidgetan“, sagt Horst Severin. Der 72 Jahre alte Halveraner liebt die Musik und seine Stadt. Außerdem kann er anpacken. Inzwischen dürften es fast zwei volle Arbeitswochen sein, die er ehrenamtlich in die Renovierung des jahrelang vernachlässigten Bauwerks gesteckt hat. „Ich hab’s unterschätzt“, gesteht er sich allerdings ein. 

Was er zu Beginn seines Arbeitseinsatzes vorfand, war auch für den gelernten Maler und Lackierer eine Herausforderung. Das dicke Moos auf den Stufen kratzte er noch mit dem Spaten herunter, bevor der Hochdruckreiniger zum Einsatz kam. 

Mehr Arbeit als gedacht

Die großen Putzausbrüche an den vielen Gebäudeecken verfüllte er mit Zementmörtel, die kleineren mit faserverstärktem Füllspachtel. Dann wurde das Gebäude komplett abgestrahlt, bevor frische Farbe drankam.

Horst Severin, 72 Jahre alt, renoviert ehrenamtlich den Pavillon im Rathauspark.

Erst weißpigmentierte Grundfarbe, danach Profifarbe auf Silikonbasis, rabattiert und geliefert von seinem früheren Arbeitgeber, dem Malerunternehmen Haake. Das Arbeitsgerüst hatte Horst Severin aus Bockleitern und Bohlen selbst mitgebracht. 

Die Tradition des Pavillons

Sein Werk für die Stadt steht damit in der ehrenamtlichen Tradition des Pavillons. Das Gebäude hat die Stadt selbst kein Geld gekostet. Der inzwischen verstorbene Günther Vahlefeld, früherer ehrenamtlicher Bürgermeister Halvers, hatte in seiner damaligen Funktion als Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins für die Finanzierung gesorgt. „Ich gehe betteln“, hatte Vahlefeld angekündigt, erinnert sich der frühere Stadtdirektor Hans-Jürgen Kammenhuber. Das Versprechen habe er wahr gemacht und sei mit dem Hut in der Hand über Feste und Feiern „und längs der Halveraner Firmen gezogen“, sagt Kammenhuber im Rückblick. 

Elf Fenster, drei Türnischen. Horst Severin arbeitet sich durch den verschnörkelten Bau.

Als das Geld beisammen war, konnte der frühere Bauamtsleiter Karl Loesenbeck loslegen. 

Doch wofür brauchte man überhaupt so ein Gebäude? Auch darauf weiß Kammenhuber Antwort. In den 70er- und 80er-Jahren war der Park sonntags um 11 Uhr Treffpunkt für viele Bürger, die sich dort die Darbietungen der Gesangvereine und Kapellen der Stadt unter freiem Himmel anhören wollten. Die Sänger standen in Reih und Glied im Freien, und so kam der Wunsch auf, ihnen eine Bühne zu bieten. „Wie im Kurpark“ sollte es aussehen, und das war durch die Spenden aus der Bürgerschaft dann auch möglich. 

Zum Stadtfest wird es genutzt

Horst Severin, selbst Musiker und Liebhaber klassischer Musik, hofft, mit seiner Aktion vielleicht Anstoß geben zu können, den Pavillon für diese Zwecke neu zu beleben. Zum Stadtfest Anfang September soll das auf jeden Fall geschehen. Wenn Halver auf 50 Jahre Stadtrechte zurückschaut, wird auch der Park als Festfläche eine Rolle spielen. Dann wird auch Horst Severin dabei sein. Über Georg Friedrich Händel möchte er sprechen im Rathauspark im frisch strahlenden Schmuckstück, von dem er hofft, dass es lange Zeit unbeschädigt bleibt.

Mit den Parkbesuchern, die dort gerne das ein oder andere Bier zischen, hat er auch schon gesprochen. „Wir wissen auch, was sich gehört“, haben sie ihm gesagt, und Severin glaubt ihnen. „Das negative Gerede über diese Menschen hat mir wehgetan.“

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