Fall geht von Gericht zu Gericht

Ehestreit: Rammte ein 37-jähriger Fahrer absichtlich seine Frau im Auto?

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Halver/Lüdenscheid - Eine trennungswillige Frau flüchtete vor ihrem Mann, dabei rammte der damals 36-Jährige den Wagen seiner Ehefrau. Nun erwartet ihn nach langem Hin und Her eine Geldstrafe.

Am 8. August 2016, etwa eine Stunde nach Mitternacht, stießen ein BMW und ein VW Polo auf der Hagener Straße in Halver zusammen, nachdem die beiden Fahrzeuge ein Stück weit nebeneinanderher gefahren waren. Im BMW, auf der Überholspur und Gegenfahrbahn, saß ein damals 36-jähriger Mann aus Halver, rechts neben ihm am Steuer des Polos seine trennungswillige Frau, die vor einem Gespräch mit ihm hatte flüchten wollen. 

Nach der Kollision hatte der BMW das rechte Vorderrad verloren und war nicht mehr fahrtüchtig. Der Polo hingegen konnte noch aus eigener Kraft auf den Parkplatz des benachbarten Lieder-Baumarktes fahren, wo sich die beiden Kontrahenten wiedersahen. 

Halveraner packt eine Pistole aus 

Dort packte der 37-Jährige im Laufe des Gesprächs eine Pistole aus, hielt sie sich an den Kopf und deutete einen bevorstehenden Suizid an. All das waren keine guten Voraussetzungen für eine etwaige Verständigung zwischen den Eheleuten, die fortan getrennter Wege gingen. 

Am 3. November 2017 sahen sie sich jedoch im Amtsgericht Lüdenscheid wieder, wo der mittlerweile 37-Jährige sich wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und wegen unerlaubten Waffenbesitzes verantworten musste. Einen Tag vor dem nächtlichen Crash sei er einen Bordstein hinaufgefahren, behauptete der Angeklagte. Der Defekt, der sein Auto plötzlich nach rechts driften ließ, sei dadurch verursacht worden. 

Diese Version der Ereignisse schloss der Kraftfahrzeugsachverständige Lutz Bölter als technisch unmöglich aus. Doch er hielt es nicht für ausgeschlossen, dass der Angeklagte während des Gesprächs von fahrendem Auto zu ebenfalls fahrendem Auto unwillkürlich nach rechts gegen den Polo gedriftet war.

 Das Schöffengericht drückte alle Augen zu, sah bei dem unerlaubten Waffenbesitz nicht so genau hin und bot dem Angeklagten eine Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung einer Geldbuße von 600 Euro an. 

Geldbuße nicht gezahlt

Da er diese nicht zahlte, sah man sich im September 2018 im Amtsgericht wieder. Richter Thomas Kabus machte deutlich, dass nun keine Einstellung des Verfahrens mehr in Frage komme. Doch diesmal kam die Ex-Frau des Angeklagten, die mittlerweile weit weg gezogen war, nicht ins Amtsgericht und kassierte dafür eine Geldstrafe von 500 Euro – wahlweise zehn Tage Ordnungshaft. 

Verhandeln konnten die Richter aufgrund ihres Fehlens nicht, und so sah man sich erst jetzt wieder. Der Angeklagte erzählte erneut die Geschichte von der Bordsteinfahrt, und die Ex-Frau schilderte die Ereignisse noch einmal aus ihrer Sicht: „Ich habe gedacht, er will mich rammen.“ Es sei „nicht der erste Vorfall mit dem Auto gewesen“, fügte die Zeugin hinzu. Schließlich blieben erneut letzte Zweifel, ob der Angeklagte den Zusammenstoß absichtlich hatte herbeiführen wollen. 

"Vernünftig, sich zu trennen"

Was aber blieb, war die Geschichte mit der Schusswaffe, von der der 38-Jährige behauptete: „Die war nicht geladen – gar nichts.“ Weil er sie dennoch nicht hätte bei sich führen und schon gar nicht in dieser Weise damit hätte drohen dürfen, verurteilte ihn das Schöffengericht wegen unerlaubten Waffenbesitzes zu einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu je 35 Euro – insgesamt also 2450 Euro. Das war mehr als das Vierfache der Forderung nach dem ersten Verhandlungstermin.

Richter Thomas Kabus war mit dem Fazit nach dem erneuten Eindruck der beiden ehemaligen Partner sicherlich nicht allein: „Es war sicherlich vernünftig, sich zu trennen.“

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