Rechtskräftiges Urteil

Führerschein-Sperre für 34-Jährigen - das steckt dahinter

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Halver/Lüdenscheid - Mit einem Bein im Gefängnis stand ein 34-Jähriger aus Halver nach einer wiederholten Trunkenheitsfahrt ohne Fahrerlaubnis. Doch es kam anders.

Im Amtsgericht Lüdenscheid kam er ein letztes Mal mit einer Bewährungsstrafe davon. Stattliche 2,14 Promille hatte die Analyse der ihm am 8. Juli 2018 nach einer Fahrt in Halver entnommenen Blutprobe ergeben. „Da würde von uns Robenträgern keiner mehr am Straßenverkehr teilnehmen können“, machte Richter Thomas Kabus die vorangegangene Alkoholgewöhnung des Angeklagten deutlich.

Der 34-Jährige hielt sich nicht lange mit dem eigentlichen Geschehen auf und berichtete vom Entzug der Fahrerlaubnis nach Erreichen der 18 Punkte in Flensburg, vom Verlust des Arbeitsplatzes und von extremen Turbulenzen in seiner Ehe. „Viele Jahre hatte ich nur die Karriere im Kopf.“ 

Verdacht einer häuslichen Gewalt

Die Polizeibeamten gingen am Abend der Trunkenheitsfahrt dem Verdacht einer häuslichen Gewalttat gegenüber seiner Ehefrau nach. „Es war ein ganz, ganz schlimmer Streit – dass man sich am liebsten Gegenstände an den Kopf geworfen hätte“, erklärte der Angeklagte, der seine Frau im Verlaufe dieses Streits wohl auch geohrfeigt hatte. 

Auf die Festnahme durch die Polizei reagierte er und ging sein Alkoholproblem an. „Ich wollte am nächsten Morgen nur noch ins Krankenhaus.“ Um wieder auf die Beine zu kommen, verbrachte er zwei Monate in der Psychiatrie in Lüdenscheid-Hellersen. „Ich habe alles mitgenommen, was es da an Angeboten gab.“ 

Redseligkeit des Angeklagten

Der Amtsanwalt zeigte sich in seinem Plädoyer beeindruckt von der Redseligkeit des Angeklagten: „Er hat sehr offen und ehrlich die Hintergründe geschildert.“ Sein Strafantrag „zehn Monate mit Bewährung“ machte dem Angeklagten erstmals Hoffnung, dass er nach mehreren Vorstrafen und einer offenen Bewährungsstrafe wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis doch nicht ins Gefängnis würde gehen müssen. 

„Ich wäre mehr als dankbar, wenn es so ausgeht“, sagte er in seinem letzten Wort. Er würde auch mehr als die beantragten 3000 Euro Geldauflage zahlen, wenn er seine Fahrerlaubnis schon vor dem Ablauf einer zweijährigen Sperre wiederbekommen könne. Dafür sah Richter Thomas Kabus jedoch keinen Anlass: Er beließ es bei der beantragten Geldauflage und einer zweijährigen Sperre. Auch die Bewährungsstrafe sei irgendwie vertretbar. 

Ernste Ermahnung vor Gericht

Das unermüdliche Kreisen des Angeklagten um sein eigenes Ich und sein angeblich verkorkstes Leben war jedoch der Anlass für eine sehr ernste Ermahnung des 34-Jährigen, dem eindringlich die Gefahren einer Trunkenheitsfahrt vor Augen geführt wurden: „Es geht nicht immer nur um Sie, um Ihre Zukunft. Es geht um die anderen Teilnehmer am Straßenverkehr.“ Das Urteil ist rechtskräftig.

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