Klimawandel beeinflusst Maisernte

Schlechte Ernte: Der Mais reicht nur knapp 

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Die Maisernte ist im vollen Gange. Ende dieser Woche wird voraussichtlich ganz Halver abgeerntet sein. Wir haben nachgefragt, wie die Ernte ausgefallen ist. Ein Besuch bei Landwirt Thomas Wiethege.

Auf 25 Hektar Land hat Thomas Wiethege Mais für seine Tiere angebaut: 120 Milchkühe und 200 Jungtiere. In dieser Woche wurden die Pflanzen bei bestem Altweiber-Wetter geerntet. Das Lohnunternehmen Poth aus Glörfeld kam dafür mit großem Gerät nach Birkenbaum: Ein Häcksler und drei Traktoren mit Anhängern waren im Einsatz – von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. 

Eines der drei Unternehmen, die in Halver für die Maisernte zuständig seien. Der gelernte Landwirt Sebastian Milde war daher nicht nur bei der Ernte der Felder von Thomas Wiethege dabei, sondern auch bei denen vieler anderer Landwirte in Halver und Umgebung. Und welche Bilanz zieht er zur diesjährigen Maisernte? „Es ist ganz unterschiedlich“, sagt er. So gibt es Landwirte, deren Felder komplett vertrocknet waren. Aber auch solche wie Wietheges, die noch genügend Regen abbekommen haben. „Pauschal lässt es sich nicht sagen. Es ist sehr stark vom Standort abhängig.“ 

Landwirt Sebastian Milde war auf vielen Maisfelder in Halver unterwegs.

Fakt ist, dass Mais als Pflanze im Vergleich zu anderen mit dem Wetter noch recht gut zurecht kommt. Anders ist das mit Gras zum Beispiel. Von normalerweise vier Grasschnitten im Jahr waren nur der erste und der zweite ertragreich, sagt Thomas Wiethege. Dann sei das Gras „nicht mehr vernünftig gewachsen“. Mais rettet die Erntebilanz – gerade so, sagt Sebastian Milde. Fünf Hektar Mais musste Thomas Wiethege jedoch in diesem Jahr dazu kaufen, weil seine eigene Ernte nicht mehr reicht. „Mehr als jemals zuvor“, sagt Wiethege. Andere Kollegen machen sich bereits Gedanken, wie sie ihre Tiere satt bekommen können. 

Eine schlechte Maisernte wurde aufgrund des trockenen Sommers bereits früh prognostiziert. „Das Wetter können wir nicht beeinflussen“, sagt Milde. Was man jedoch beeinflussen kann, sind die Wildschweine. „Wildschweine sind in diesem Jahr eine riesengroße Katastrophe“, sagt er. Die Tiere finden keine Nahrung mehr und stürzen sich auf den gelben Kolben. Damit zerstören sie ganze Ernten, weil sie die Pflanzen umknicken. 2,5 Hektar habe ein Landwirt durch Wildschweine nicht ernten können, sagt Milde. Die Fläche war komplett platt getrampelt. Dafür aufkommen muss der Jäger des Reviers – er müsse dafür Sorge tragen, dass die Population überschaubar bleibt. Und das sei dringend notwendig, sagt Milde. Durch die milden Winter würden alle Frischlinge überleben. Ein Teufelskreis. 

Unterwegs mit dem Häcksler.

Während der Ernte saß daher ein Jäger am Rand des Waldes, der an die Felder von Thomas Wiethege grenzt. Schussbereit – für den Fall, dass die Landmaschinen eine Rotte aus den Feldern scheuchen. Denn auch bei Wiethege waren die Tiere drin. Vom Sitz des Häckslers aus sieht man, wie mitten im Feld ganze Flächen platt sind. Die Zähne des Häckslers packen hier nur einzelne Stiele, die wie Zahnstocher aus der Erde ragen. Am Steuer, oder besser gesagt am Joystick, sitzt Frederic Lück. Der gelernte Landwirt kommt gebürtig aus Herscheid, lebt mittlerweile in Halver und ist beim Lohnunternehmen Poth angestellt. Seine Ausbildung absolvierte er bei Thomas Wiethege. Landwirt war für ihn schon immer sein Traumberuf. 

Parallel zum Häcksler fährt ein Traktor, in dessen Anhänger der zerkleinerte Mais landet. Drei Traktoren sind im stetigen fliegenden Wechsel zwischen Wietheges Hof und Feld unterwegs. Die vier Fahrzeuge sind über Funk in ständigem Kontakt. Wenn die Landmaschinen fertig sind, bleibt ein leeres Feld übrig. Nur noch die rund 30 Zentimeter kurzen Halme bleiben übrig. Einige Kolben in verschiedenen Größen liegen noch auf dem Feld. Sie machen deutlich, wie unterschiedlich der Ertrag bereits auf einem Feld ausfallen kann. Kleine und große Kolben, aber auch solche, die nur bis zur Hälfte mit gelben Maiskörnern bedeckt sind. 

Zerhäckselte Maispflanze.

Doch um die Körner geht es. „Kolbenlose und -arme Maissilagen, die unter Hitzestress litten, haben erhöhte Rohfaser und Zuckergehalte sowie verminderte Stärkegehalte. Aufgrund deutlich verringerter Verdaulichkeit ist der energetische Futterwert solcher Silagen nur noch als mäßig zu beurteilen“, beschrieb es Dr. Martin Pries von der Landwirtschaftskammer NRW. Deutschlandweit ein Problem. Die Hitzeperioden haben dem Mais stärker zugesetzt, als erwartet.

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