EU-Richtlinie verlangt Umstellung der Flotte

Alternative Antriebe in Linienbussen? Das sagt die MVG

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Die MVG arbeitet daran, die 136 Fahrzeuge starke Busflotte komplett auf Euro 6 umzustellen.

Lüdenscheid - Die Busflotte von kommunalen Verkehrsgesellschaften muss bis 2025 weitgehend auf Elektro- und Biogas-Antrieb umgestellt werden. So sagt es eine EU-Richtlinie. Die MVG hat es aber (noch) nicht eilig.

Die Busflotte von kommunalen Verkehrsgesellschaften muss bis 2025 weitgehend auf Elektro- und Biogas-Antrieb umgestellt werden. So steht es in einer EU-Richtlinie, die vor einigen Wochen verabschiedet wurde. Die heimische Märkische Verkehrsgesellschaft (MVG) sieht allerdings (noch) keinen Handlungsbedarf. 

Die Fortschreibung einer EU-Richtlinie zu Emissionen von Lastwagen und Bussen legt den Kommunen Quoten auf: Bis 2025 müssen demnach 45 Prozent der Busse sauber fahren, 2026 bereits 65 Prozent. Die Richtlinie muss innerhalb von zwei Jahren in nationales Recht umgesetzt werden. 

„Wer Bus fährt, tut schon mehr für die Umwelt als ein Autofahrer“, sagt MVG-Sprecher Jochen Sulies und verweist auf die unterschiedlichen Voraussetzungen in Großstädten und im ländlichen Raum, zu dem er auch den Märkischen Kreis zählt. „Der beste Antrieb für unsere Region sind Busse mit sauberem Diesel-Motor“, betont Sulies und erklärt: „Aus ökologischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten gibt es aus Sicht der MVG – Stand heute – in einem Flächenkreis wie dem Märkischen Kreis keine Alternative zum Euro-6-Dieselbus.“ 

MVG: 136 Busse auf Euro 6 umstellen

Dies könne in ein paar Jahren aber schon ganz anders aussehen. Derzeit arbeite die MVG aber zunächst daran, die 136 Fahrzeuge starke Busflotte komplett auf Euro 6 umzustellen. 63 (46 Prozent) sind bereits mit sauberer Diesel-Technik unterwegs. Weitere 29 Busse, die noch länger als vier Jahre im Einsatz bleiben, werden noch in diesem Jahr auf Euro 6 umgerüstet. 

Dabei ist die MVG nicht alleine. Weil zahlreiche Verkehrsgesellschaften diesen Weg beschreiten, haben sich die Lieferzeiten für Euro-6-Busse vervielfacht. Warum alternative Antriebe für die MVG dennoch keine Option sind, erklärt Sprecher Sulies vor allem mit den sogenannten „Umlauflängen“ – also den Strecken, die ein Bus am Tag absolviert. 

Im Märkischen Kreis sind das 300 bis 350 Kilometer, in Einzelfällen auch mehr. Daher seien „E-Busse mit einer Reichweite von heute etwa 150 bis 200 Kilometern für die MVG nicht geeignet.“

Das kostet ein Elektro-Bus 

Aktuell kostet ein Elektro-Bus nach MVG-Angaben rund 650.000 Euro, ein mit Wasserstoff betriebenes Fahrzeug sogar bis 750.000 Euro – sofern man denn einen Hersteller findet. Die MVG erwartet daher, dass die besonderen Anforderungen im ländlichen Raum bei der Umsetzung der EU-Richtlinie in nationales Recht berücksichtigt werden. 

Schließlich erhielten viele Städte und Kreise im ländlichen Raum derzeit überhaupt keine Zuschüsse für die Anschaffung emissionsfreier Busse, weil die Grenzwerte in den Kommunen nicht überschritten werden. Mit anderen Worten: Weil die Luft auf dem Land zu gut ist, müssten die Verkehrsgesellschaften hier draufzahlen. 

Die MVG-Flotte wird fortlaufend erneuert. Für einen neuen Niederflur-Linienbus mit Euro 6 muss die MVG rund 230.000 Euro zahlen. Ein Niederflur-Gelenkbus ist ab 310.000 Euro zu haben. Im Schnitt hat ein neuer Bus eine „Lebensdauer“ von zehn Jahren. 

Pressesprecher Jochen Sulies betonte aber auch, dass sich die MVG an die Vorgaben der Richtlinie halten werde, sollte sie wie von der EU beabsichtigt eins-zu-eins in nationales Recht umgesetzt werden. Dies aber bedeute erhebliche Kostensteigerungen. 

Der Deutsche Städtetag mahnte vorsorglich bereits, dass durch die Elektro-Bus-Quote steigende Fahrpreise im Nahverkehr zu erwarten seien. Höhere Ticketpreise aber wären das falsche Signal. Erstes Ziel müsse es sein, den öffentlichen Verkehr auszubauen, um mehr Menschen zum Umstieg zu bewegen.

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