Halveraner Firma spielt wichtige Rolle für die Logistik

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Miniatur oder massiv: Etwa 150 unterschiedliche Kugelrollen produziert Schulz Stanztechnik als letzter Hersteller in Deutschland.

Halver – Wo im Logistikbereich große oder kleine Lasten von Hand bewegt werden müssen, kommen wahrscheinlich Kugelrollen und Stahlröllchen zum Einsatz, die im Halveraner Unternehmen Schulz Stanztechnik hergestellt wurden. Doch auch Drucklager für Türen und Fenster werden in dem Betrieb in Oeckinghausen produziert.

Die Schulz Stanztechnik GmbH wurde 1991 am Standort an der Kruppstraße gegründet. „Wir waren das erste Unternehmen hier im Industriegebiet“, sagt Ralf Dietzel, der Geschäftsführer der Firma. Den Posten teilt er sich mit Peter Schulz, Gründer zahlreicher Firmen in ganz Deutschland, die in einem losen Firmenverbund kooperieren und sich gegenseitig ergänzen. Einige Produkte, die zum heutigen Angebot von Schulz Stanztechnik gehören und früher in Schwesterfirmen hergestellt wurden, gibt es allerdings schon seit 60 Jahren, sagt Dietzel.

„Eins der Urprodukte, mit dem es eigentlich losging, sind die Axial-Rillenkugellager“, sagt Betriebsleiter Arndt App. Diese machen etwa ein Viertel des Umsatzes des Unternehmens aus. Die Rillenkugellager, die es in verschiedenen Ausführungen gibt, werden zum Beispiel in Fenster- und Türscharnieren verbaut. Außerdem stellt Schulz verschiedene Komponenten für die Lager-, Förder- und Transporttechnik her, die insbesondere in der Logistikbranche benötigt werden. „Alles, was es als Einzelteil gibt, gibt es auch als Baugruppen, also vormontiert auf Schienen und auch als komplette Systeme“, sagt App. Zusammen mit den anderen Schulz-Schwesterfirmen ließe sich eine komplette Logistik vom Förderband bis zur Sortieranlage herstellen.

Axial-Rillenkugellager gehören zu den Urprodukten des Unternehmens und werden beispielsweise in Fenster- und Türscharnieren verbaut.

Letzter deutscher Kugelrollen-Hersteller

Zum Bereich Fördertechnik, dem Hauptschwerpunkt des Unternehmens, gehören beispielsweise Stahlröllchen, die von Logistikern beim Entladen und Transport von Paketen verwendet werden. Die Stahlröllchen haben einen Anteil von etwa 10 Prozent am Umsatz, mehr als das dreifache, nämlich 35 Prozent, machen die verschiedenen Kugelrollen aus, die in Halver hergestellt werden.

„Wir sind der letzte deutsche Hersteller von Kugelrollen“, sagt Betriebsleiter Arndt App. Wegen der Konkurrenz aus China, aber auch altersbedingt hätten andere Firmen die Produktion eingestellt, erläutert Geschäftsführer Dietzel. In Halver werden etwa 150 unterschiedliche Kugelrollen hergestellt. Es gibt sowohl gestanzte Blechvarianten als auch massive Kugelrollen.

„Das reicht vom Miniaturbereich, zum Beispiel für Labore, bis zu Kugelrollen mit einer Tragfähigkeit von 4,5 Tonnen.“ Diese würden zum Bewegen von Schwermaschinen eingesetzt, zum Beispiel beim Ein- und Ausbau von Trafos bei E-Loks. Die Kugeln können aus Stahl, Edelstahl oder auch aus Kunststoff sein, Letzteres zum Beispiel, wenn Glas über die Kugeln transportiert wird oder diese nicht leitfähig sein dürfen.

Kugelrolle im Querschnitt: Trag- liegt auf Stützkugeln.

„Ein leichter, leiser Lauf ist das Wichtigste bei einer Kugelrolle“, erklärt Dietzel. Denn wenn viele Rollen gleichzeitig laufen, sei das ein ziemlicher Lärm. Die Firma bietet die Kugelrollen auch in vormontierten Gruppen auf Schienen oder auf Tischen an. „Jeder Kugelrollentisch ist anders, je nach Größe und Gewicht des Transportgutes“, sagt Dietzel. „Je größer das Produkt, desto weiter können die Abstände zwischen den Kugelrollen sein. Wenn es nur kleine Pakete sind, müssen die Abstände sehr eng sein.“

Einzelteile werden im Haus gefertigt

Die Einzelteile der eigenen Produkte werden alle im Werk selbst hergestellt. „Wir haben durch Reinvestition einen sehr modernen Maschinenpark, der für die Unternehmensgröße eigentlich untypisch ist“, sagt App. Unter anderem wurde ein vollautomatischer Roboter für die Zerspanung angeschafft sowie eine zusätzliche Drehmaschine für die Herstellung der massiven Kugelrollen. Insgesamt sind auf einer Produktionsfläche von 2500 Quadratmetern 17 Maschinen in der Fertigung im Einsatz, dazu 10 weitere im Bereich Werkzeugbau.

Neben den Einzelteilen für die eigenen Produkte werden auch Komponenten für verschiedene Branchen wie die Automobil- und Elektroindustrie in Lohnfertigung produziert, sagt Dietzel. Auch Kabel-Befestigungen für Funkmasten in verschiedenen Größen gehören zum Produktangebot. „Es ist sehr vielfältig, aber manchmal gibt es auch Teile, wo für uns nicht erkennbar ist, wofür sie genau sind.“ Insbesondere durch die Stanzteile sei man immer breiter aufgestellt, weil man in weitere Bereiche hineingeht. „Die breite Fächerung ist ein Vorteil für uns.“ Der Großteil der Kunden, etwa 80 Prozent, befindet sich in Deutschland, die übrigen 20 Prozent werden ins europäische Ausland exportiert. „Wir liefern zwar auch mal nach Indien oder China, aber das ist marginal“, sagt Dietzel.

Tragende Rolle: Geschäftsführer Ralf Dietzel (links) und Betriebsleiter Arndt App.

„Wir haben keine Wahnsinnssteigerungen, sondern wachsen kontinuierlich“, sagt Dietzel. „Irgendeine Branche schwächelt immer, deswegen machen wir keine großen Sprünge, weder nach oben noch nach unten.“ Allerdings sei man eines der wenigen Unternehmen im Industriegebiet in Oeckinghausen gewesen, bei dem 2008 und 2009 keine Kurzarbeit gemacht wurde.

Das Unternehmen beschäftigt derzeit 14 Mitarbeiter, darunter auch ein Auszubildender. Momentan hat der Betrieb zwar keine offenen Stellen zu besetzen, aber sowohl App als auch Dietzel beschreiben die Fachkräftesuche als schwierig. „Wir sind ein kleiner aber feiner Betrieb. Das Mitarbeiterverhältnis ist sehr gut“, sagt Dietzel. Vor Kurzem wurde ein neues Prämiensystem eingeführt und auch am Erfolg des Unternehmens werden die Mitarbeiter beteiligt. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei 2,1 Millionen.

Steckbrief der Firma

  • Unternehmen: Schulz Stanztechnik GmbH
  • Branche: Stanz- und Fördertechnik
  • Gründung: 1991
  • Mitarbeiter: 14
  • Geschäftsführung: Ralf Dietzel & Peter Schulz
  • Umsatz: 2,1 Millionen Euro
  • Kontakt: www.schulz-stanztechnik.de

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