Hauptausschuss entscheidet eindeutig

Lüftungsanlagen an Schulen: Nur noch ein Schritt

Luftfilter in Klassenraum Corona Schule
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Luftfilter in einem Klassenraum.

Die Schulen werden mit Luftfilteranlagen ausgestattet. Zumindest nach Beschlusslage des Hauptausschusses von Mittwochabend; die endgültige Entscheidung trifft der Rat am Montag.

Halver – Vier Raumszenarien mit jeweils zwei Ausstattungsmöglichkeiten (» Infokasten), mobil oder stationär, sowie Kostenangaben gab es seitens der Verwaltung für die Ausschussmitglieder. Kai Hellmann, verantwortlich für Schulangelegenheiten im Rathaus, stellte sie vor und gab zudem bekannt, dass es eine neue Förderung in Höhe von 80 Prozent für stationäre Luftfilteranlagen gibt. Die maximale Fördersumme beträgt 500 000 Euro.

Entschieden hat sich der Hauptausschuss einstimmig dafür, die Räume, die nicht ausreichend gelüftet werden können, kurzfristig mit mobilen Anlagen auszustatten. Das würde innerhalb von rund drei Wochen realisierbar sein, wie Bauamtsleiter Michael Schmidt mitteilte. Aufgrund der Förderung haben sich die Mitglieder zudem klar dafür ausgesprochen, zunächst an den Grundschulen alle Klassen und OGS-Räume mit dezentralen stationären Anlagen auszustatten. Das heißt: Klassenräume werden individuell über die Fassade mit Luft versorgt und die lokale Abluft direkt nach draußen ausgeblasen. Das aber wird nicht zeitnah passieren. Die Planungen werden dauern. Wenn alles reibungslos funktioniert, sind die Lüftungsanlagen im Herbst 2022 in den Schulräumen installiert.

Viele Vorteile, aber Kosten dafür hoch

Durch den Einbau dieser Anlagen würde nicht nur die Virenlast reduziert, auch die CO2-Konzentration wird dauerhaft niedrig gehalten und auf weitere Lüftungsmaßnahmen, die im vergangenen Winter Lehrer und Schüler frieren ließen, kann verzichtet werden. Anders als bei mobilen Anlagen, die ein Lüften nach wie vor nicht ersetzen. „Dementsprechend teuer“ sind die stationären Anlagen, sagte Hellmann. „Die Preise gehen gerade richtig nach oben.“

Die Verwaltung bleibt bei der Auffassung, dass der Einsatz von mobilen Luftfilteranlagen im Rahmen der Kosten-Nutzen-Abschätzung nicht effizient dargestellt werden kann, lediglich in einigen nicht ordnungsgemäß zu lüftenden Räumen könnten diese mobilen Anlagen kurzfristig einen Nutzen schaffen. Der Einbau stationärer Einrichtungen sei wiederum nicht kurzfristig zu realisieren. „Es gibt so viele Details zu erarbeiten“, sagte Michael Schmidt und wies auch auf Folgekosten hin, die sich ergeben. Eingeplant werden müssen die Kosten für die stationären Anlagen in den Haushalt 2022.

Mitglieder sind sich einig: Kinder sollen schnellstmöglich geschützt werden

Die Mitglieder aber sind sich einig. „Wir müssen die Kinder jetzt zuerst schützen“, appellierte Andreas Hesse (CDU) mit Blick auf ein nicht absehbares Ende der Pandemie, in der immer neue Mutationen auftauchen werden. Auch Martina Hesse (CDU) merkte an, dass schon zu viel Zeit verloren wurde. Die Förderung von 80 Prozent sollte man nutzen, „jetzt“, sagte auch Sabine Wallmann (UWG), die bereits im Bildungsausschuss für die Anlagen plädierte. Das unterstützte auch Jürgen Wichert aus den Reihen der SPD: „Wir müssen jetzt etwas tun.“

Jana Schrage (Grüne) verwies darauf, dass Lüftfilteranlagen „auch vor Corona sinnvoll waren und es auch nach Corona sein werden“. Damit entkräftete sie das Argument der Verwaltung, dass die mobilen Anlagen irgendwann nicht mehr nötig sein werden. Die Ausschussmitglieder denken nachhaltig und sehen einen grundsätzlichen Bedarf der Anlagen. Die Lernsituation müsse insgesamt verbessert werden, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Martin Kastner. „Klar ist, dass es dieses Jahr nichts mehr bringt.“ Das sieht Marvin Schüle, Fraktionsvorsitzender der CDU, als Problem.

Möglichkeiten gibt es

Anders gehe es aber nicht. Die Umsetzung brauche Zeit. Viel Arbeit komme aufs Bauamt zu, das ohnehin personell unterbesetzt sei. Jeder Raum müsse betrachtet werden. Dass externe Dienstleister unterstützen könnten, merkte Wallmann an. Bürgermeister Michael Brosch forderte nur „einen klaren Auftrag, alles andere machen wir“. Wenn das Bauamt Kapazitätsprobleme habe oder man mit dem Haushalt nicht zurecht komme, müsse man Prioritäten setzen, sagte Andreas Hesse. „Und etwas anderes sein lassen, vielleicht auch irgendeine Straßensanierung, wenn man dafür die Kinder in den Schulen schützen kann. Oder wir lassen die Runde um den Block sein und sparen die 70 000 Euro.“

Im Haushalt sind 20 000 Euro veranschlagt, rund 42 000 Euro kostet es, zunächst die Räume, die nicht gelüftet werden können, mit mobilen Geräten auszustatten. Das betrifft 13 von insgesamt 174 Räumen an den Schulen. „Wir brauchen eine Gegenfinanzierung“, merkte auch Sascha Gerhardt (FDP) an und ergänzte, dass alles, was im Haushaltsplan 2021 veranschlagt ist, wohl durchdacht sei. „Übers Knie brechen“ sollte man nichts. Bis zum Rat am Montag soll es einen Deckungsvorschlag geben.

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