Umgang mit Corona an Schulen

Lüften, bis das grüne Licht angeht: Schule im MK testet Co2-Ampeln gegen das Coronavirus

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Pilotprojekt am Anne-Frank-Gymnasium: Eine CO2-Ampel im Klassenraum zeigt an, wie die Luft sich während des Unterrichts verändert und wann gelüftet werden muss. Ansonsten besteht eine Infektionsgefahr mit dem Coronavirus. Die Ampel war Thema im Bildungsausschuss.

Die CO2-Ampel wird schneller rot als gedacht. Diese Erkenntnis hat eine Lehrerin an einer Schule im MK gemacht.

Halver – „Es muss deutlich häufiger gelüftet werden“, sagt Uta Hentschel, Biologie-Lehrerin am Anne-Frank-Gymnasium (AFG). Das ist das Fazit des Einsatzes der CO2-Ampeln.

Am AFG sind zwei CO2-Ampeln im Einsatz. Sie sollen Erfahrungswerte liefern und ein Gefühl für das Lüften vermitteln. Das ist wichtig mit Blick auf die kommende kalte Jahreszeit mit dem Coronavirus. Aerosole spielen eine immer größere Rolle im Infektionsgeschehen. Wenn die Luft im Klassenraum schlechter wird, muss gelüftet werden. Das müsse man zwar ohnehin machen, aber unter Infektionsgesichtspunkten wird das Lüften noch wichtiger.

Ich will keine falsche Sicherheit vermitteln.

Uta Hentschel, Lehrerin am AFG

Eine CO2-Ampel kann helfen, die Luft im Klassenraum rechtzeitig als Risiko wahrzunehmen. Uta Hentschel sagt aber auch klar: „Ich will keine falsche Sicherheit vermitteln.“ Was sie jedoch mit großer Sicherheit sagen kann, wenn die Ampel auf rot springt: Die Luft, die die Schüler einatmen, werde bereits jemand anderes im Raum ausgeatmet haben. Auch das Umweltbundesamt sagt, CO2-Ampeln dienen als „grober Anhaltspunkt“, wann gelüftet werden muss.

CO2-Ampel: Noch ist alles im grünen Bereich. Wenn das rote Licht angeht, muss man lüften.

Die Reaktionen der Schüler auf die Ampel waren dementsprechend überraschend. Schülern, die sonst schnell gefroren und gefordert haben, die Fenster wieder zu schließen, warteten nun geduldig darauf, dass die Ampel wieder auf grün springt. Auch das andere Extrem unter Schülern, nämlich das, was das Fenster am liebsten durchgängig geöffnet haben würde, hat sich darauf eingelassen bei Grün die Fenster zu schließen.

Von Jahreszeit und Raum abhängig

Die Ampel gibt ein neues Gefühl fürs Lüften, kann Uta Hentschel bestätigen. Aber wann die Ampel ihre Farbe wechselt, sei stark abhängig von Innen- und Außentemperatur. Daher kann man Erfahrungen nicht auf jeden Raum und jede Jahreszeit eins zu eins übertragen. An einem der vergangenen warmen Tage musste 45 Minuten gelüftet werden, bis die Ampel wieder grün wurde. Beim momentanen Wetter müsse man alle 10 bis 15 Minuten ein Fenster öffnen. Wenn es draußen noch kälter wird, werde es schneller gehen, vermutet die Bio-Lehrerin. Aber die nötige Häufigkeit werde sich nicht unbedingt ändern. Auf Studien könne man auch nicht zurückgreifen, weil es zu wenig dazu gebe. „Irgendwie müssen wir durch den Winter kommen“, sagt Hentschel.

Thema war das Projekt am AFG, das durch Energieberater Martin Halbrügge ermöglicht wurde, der die Ampeln zur Verfügung stellte, auch im Bildungssauschuss am Mittwoch. Die ersten Erfahrungen nach zwei Wochen teilte Regina Büchmann, die Sachkundige Bürgerin der Grünen und am AFG in der Elternpflegschaft aktiv ist, mit den Ausschussmitgliedern. Kai Hellmann, zuständiger Mitarbeiter für Schulangelegenheiten im Rathaus, sagte: „Wir stehen dem aufgeschlossen gegenüber.“ Vorstellbar seien ein bis zwei Ampeln pro Schule. „Es scheitert nicht an der Anschaffung“, ergänzte Bürgermeister Michael Brosch. Die Schulen müssten die Ampeln wollen, und einen Prozess abgeklärt haben, wie damit umgegangen werden muss, wenn die CO2-Konzentration überschritten wird. „Das ist das viel größere Problem“, sagt Brosch im Gespräch mit unserer Zeitung.

Abbruch des Unterrichts?

Fragen blieben, ob der Unterricht im Zweifel abgebrochen wird oder ob es beispielsweise Decken für die Schüler gibt. Weiter werden nun die Fenster in den Schulen, die bisher aus Sicherheitsgründen nur gekippt werden konnte, wieder umgebaut, um sie ganz öffnen zu können, sagte Hellmann.

Uta Hentschel, Biolehrerin am AFG, testet in ihrem Unterricht die CO2-Ampel.

Wenn es nur zwei Ampeln pro Schule geben soll, rät Uta Hentschel dazu, die Geräte rumzureichen, damit jede Klasse ihre Erfahrungen damit machen kann, denn übertragbar sind sie nicht. Deshalb machten Plakate für Klassenräume mit Tipps zum Lüften, keinen Sinn, sagt die Lehrerin.

Nichtsdestotrotz: „Die Ampeln sind momentan das Beste, was wir haben.“ Zusätzlich sei die Diskussion im Unterricht weniger emotional und dafür sachlicher. Sie weiß aber auch mit Blick in den Winter: „Irgendwann müssen wir die Fenster schließen.“ Ob es auch reicht, mit offenen Türen Unterricht zu machen, werde die nächste Frage sein.

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