Ein erlesener Hörgenuss

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Das Lüdenscheider Vokalensemble begeisterte die Zuhörer mit einer emotional ergreifenden, eindringlichen Version des berühmten Requiems von Maurice Duruflé.

HALVER - Mit dem Requiem von Maurice Duruflé (1902-1986) – dem bedeutendsten Werk des französischen Komponisten und gefeierten Orgelvirtuosen - brachte das Lüdenscheider Vokalensemble am Sonntagnachmittag in der Christus-König-Kirche ein Meisterwerk zur Aufführung, das als Höhepunkt der von Gabriel Fauré begründeten Requiem-Tradition inniger, tröstlicher Natur gilt. Unter Leitung von Dmitri Grigoriev brillierte der Chor mit einer emotional ergreifenden, eindringlichen Version des berühmten Werks.

Die kammermusikalische Fassung, die 1961 entstand, ließ die Zuhörer über den Tod, das Jüngste Gericht und ewigen Frieden im Paradies nachdenken. Als Gäste rundeten Britta Strege (Mezzosopran), Kevin Dickmann (Bariton), Margarita Schablowskaja (Orgel) und Lebrecht Schilling (Sprecher) den erlesenen Hörgenuss ab. Seinen hervorragenden Ruf bestätigte überdies das Neue Rheinische Kammerorchester Köln, das den Instrumentalpart übernahm. Dank tatkräftiger finanzieller Unterstützung durch die „Inge und Werner Turck Stiftung“ und weitere Sponsoren konnte der überregional zusammengesetzte Chor das Werk, eine in jeder Hinsicht außergewöhnliche Vertonung der lateinischen Totenmesse, aufführen.

Was die Einzigartigkeit des Requiems und die Leistung Duruflés ausmacht, legte Lebrecht Schilling den begeisterten Zuhörern in seiner fundierten theologisch-musikalischen Werkeinführung dar. Um die Glaubenswelt des Mittelalters, die Gregorianik und die Tonsprache des Impressionismus, die sich in dem Requiem berühren und vermischen, kreisten seine Gedanken. Modale Tonalität sei die Brücke, die Duruflé – musikalischer Zweisprachigkeit fähig – baue. „Das ist seine große Leistung im Requiem“, führte Schilling aus.

Auf Schritt und Tritt begegneten die Zuhörer in dem Werk, das Duruflé zum Begräbnis seines Vaters schrieb, dem besonderen Stil der Gregorianik, durchweg in eine schillernde impressionistische Tonsprache verpackt. Schon im Requiem aeternam, der zunächst von den Männerstimmen, dann von den Frauenstimmen getragenen Einführung in die Messe, betonte diese Zweisprachigkeit. Zart wogende Klänge des Orchesters unterlegten den lateinischen Lobgesang. Durch neun Sätze begleiteten Orgel und Orchester den Chor mit selbständig geführten Stimmen.

Meisterhaft gelang Dmitri Grigoriev, Nachfolger der beim Konzert anwesenden Mary Sherburne, mit seinem Chor die Ausdeutung des Texts. Tröstlich wirkten die zart und innig vorgetragenen Teile der Messe. Klangmächtig kam der volle Chor in dramatischen Höhepunkten des Werkes daher. Ein glückliches Händchen besaß Grigoriev bei der Wahl der jungen Solisten. Mit Bravour meisterte Britta Strege die hoch expressive Arie „Pie Jesu Domine“, die – von der Empore aus gesungen – aus weiter Ferne zu kommen schien. Flehenden, später sich erregt steigernden Bittgesang stimmte Kevin Dickmann mit warmer, ausdrucksvoller Stimme an. Zart und versöhnlich klang das Werk, das sich unter Grigorievs sorgsam gestaltender Hand zu einem stimmigen Ganzen fügte, aus.

Von Monika Salzmann

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