Überzeugend und stilsicher

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Halver - „Ohne Begleitung, ohne Hast…“ sensibilisierte das Lüdenscheider Vokalensemble am Sonntag in der katholischen Christus-König-Kirche für den reinen, klaren Chorklang. Unter Leitung von Kantor Dmitri Grigoriev richtete der Chor sein Augenmerk auf A-Cappella-Werke aus fünf Jahrhunderten.

Von Heinrich Schütz (1585-1672), dessen inniges „Vater unser“ den Reigen meditativer Werke eröffnete, bis zu zeitgenössischen Komponisten wie Nikolaj Romanoff (Jahrgang 1975) reichte die Spannweite des Programms. Als ausdrücklichen Wunsch des Chors stellte Dmitri Grigoriev, der die Zuhörer moderierend durch den Nachmittag begleitete, das A-Cappella-Konzert vor.

Stilsicherheit durch die Bank

Chorleiter Dimitri Grigoriev gab die geistlichen und poetischen Texte der Lieder, die der Chor zu einem meditativen Konzert zusammenfasste, zu bedenken.

In unterschiedlicher Konstellation, als klangmächtiger Gesamtchor, ausgedünnt in kleinerer Besetzung, als reiner Frauen- oder Männerchor trumpfte der überregionale Chor auf. Gleichgültig, in welcher Besetzung der gemischte Chor chronologisch die Jahrhunderte durcheilte: Die Darbietungen zeugten von Stilsicherheit, hoher gesangstechnischer Kunst und enormer stimmlicher Präsenz.

Ob es galt, ein vertontes Gebet aus der Feder des Barockmeisters Henry Purcell („Hear my prayer o Lord“) in seiner Tiefe zu erfassen, oder sich mit Olivier Messiaen in das Geheimnis des heiligen Gastmahls („O sacrum verum“) zu versenken – stets lotete der Chor die Werke unter der gefühlvoll gestaltenden Hand seines Chorleiters bis in leiseste Stellen hinein präzise und farbenreich aus.

Grigoriev rezitiert

Rezitierend gab Dmitri Grigoriev die geistlichen und poetischen Texte der Lieder, die der Chor zu einem meditativen Konzert zusammenfasste, zu bedenken. Mit deutschen Übersetzungen erleichterte er den Zugang zu fremdsprachigen Texten wie dem lateinischen „Oculi omnium“ von Charles Woods (1866-1926). „Aller Augen warten auf dich, Herre, und du gibst ihnen ihre Speise zu seiner Zeit“, hieß es da.

Auf seinem berührenden, andächtigen Weg aus dem 16. ins 21. Jahrhundert machte der Chor bei Tonmeistern wie Francis Poulenc, der als „Mozart des 20. Jahrhunderts“ in die Musikgeschichte einging, Arvo Pärt, Igor Strawinsky, Maurice Duruflé und vielen anderen Großen des Genres Halt. In steter Bewegung und immer neuer Konstellation entdeckte der Chor seinen Zuhörern in allen Stimmlagen seine herausragende stimmliche und musikalische Qualität.

Strahlende Motette

Auf hohem Niveau präsentierte das Vokalensemble seine anspruchsvollen, gesangstechnisch schwierigen Stücke. Die Johann Sebastian Bach-Motette „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“, die lange fälschlicherweise Johann Christoph Bach zugeschrieben wurde, entfaltete in diesem Reigen klanglich eindrucksvoller Chorwerke einmal mehr ihre bemerkenswerte Strahlkraft.

Große Intonationssicherheit bewies der Chor bei der Umsetzung des bekannten Werkes. Nach Juri Faliks Gedichtvertonung „Die Unbekannte“ auf einen Text von Alexander Blok knüpfte Dmitri Grigoriev mit der Eigenkomposition des „Pater noster“ (Vater unser) klangvoll an den Konzertauftakt an.

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