„Lottes lästige Leichen“: Turbulentes Theaterstück am AFG

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Das SEK und Butler Dominik. Die Theater AG des Anne-Frank-Gymnasiums unter Regie von Karsten Thiesbrummel überzeugte mit ihrem schwarzhumorigen Stück.

Halver - „Das ist jetzt aber wirklich mal eine Abwechslung!“ Über mangelnde Abwechslung musste sich Fräulein (Char)lotte, körperlich schon etwas gebrechlich, geistig aber noch voll auf der Höhe, am Donnerstag beim Theater in der Aula des Anne-Frank-Gymnasiums (AFG) beim besten Willen nicht beklagen.

Die Leibwächter mit Leiche Valentina. Immer neue Pointen tischte das Stück auf.

Nicht genug damit, dass das Kaffeekränzchen mit ihren Freundinnen Amalie und Beate wieder einmal Abwechslung in den beschaulichen Alltag brachte, hatten Lotte und ihre reizende Dienerschaft mit lästigen Leichen bald mehr als genug zu tun. Im Weinkeller, in der Abstellkammer, in Gästezimmern und hinterm Sofa „stapelten“ sich unliebsame, schnell und geräuschlos aus dem Weg geräumte Eindringlinge. Mittendrin die Polizei, die durch einen anonymen Anrufer informiert worden war und jetzt in Lottes Haus herumschnüffelte.

An die resolute Miss Marple und die liebenswerten Brewster-Schwestern (Arsen und Spitzenhäubchen) fühlten sich die Zuschauer bei der schwarzen Komödie „Lottes lästige Leichen“ von Christine Steinwasser erinnert, mit der die Theater-AG des AFG mitten ins Schwarze traf und kurzweilige Unterhaltung vom Feinsten bot.

Unter Leitung von Karsten Thiesbrummel (Regie) brillierten die jungen Akteure aus den Jahrgangsstufen 7 bis Q2 mit Charme, Witz und bissiger Ironie. Auf den Punkt brachte das Ensemble die unzähligen Pointen des schwarzhumorigen Verwechslungsstücks, bei dem am Ende offen blieb, wer wen „um die Ecke gebracht“ hatte.

Mit Gehstock, grauen Haaren und gekrümmtem Rücken auf alt getrimmt, hatte es Franziska Esken als Fräulein (Char)lotte faustdick hinter den Ohren. Immer in Reichweite: das SEK, ihre Dienerschaft. Froh über jede Abwechslung, ließ Lotte es bei den Pokerrunden mit ihren Freundinnen Amalie (Laura Dunkel) und Beate (Leonie Schaefer) richtig „krachen“ und gaukelte sich hohe Einsätze, harte Drinks und dicke Zigarren vor.

Neffe Giacomo „Black Jack“ Nero (Johanna Schäfer), der sich mit der Mafia angelegt hatte und ausgerechnet in Tantchens Haus untertauchen wollte, passte da so gar nicht in Lottes Konzept. Laut und lärmend fiel die italienische Verwandtschaft, die sich köstlich auf italienische Wortspielereien und Akzent verstand, in die traute Idylle ein und stellte das Leben in Lottes Haus auf den Kopf. Dass der das nicht passte, versteht sich von selbst. Die im Koffer mitgebrachte Leiche war da noch das kleinste Übel.

Lotte alias Franziska Esken im Gespräch mit Kommissar Bertold Frauentöter.

Überaus amüsant spielten Lotte und ihre Dienerschaft in trefflich herausgearbeiteten Rollen mit Mafiosi Jack und seinem Anhang Katz und Maus. Valentina (Maria Förster), seine ungeliebte Ehefrau, war die Erste, die plötzlich das Zeitliche segnete und bei der „Entsorgung“ Probleme bereitete.

Während sich Lotte nett mit Kommissar Bertold Frauentöter (!) alias Fynn Grotehans unterhielt, verfrachtete das SEK die Ärmste von einer Ecke in die andere. Der Rest der Bagage – Jack, Tochter Angelina (Nikola Hüttenschmidt), „Kindermädchen“ Beatrice (Johanna Esken), die Leibwächter Marco (Jakob Thiesbrummel) und Nico (Luis Schäfer) sowie Möchtegern-Boss Angelo (Nik Nilovic), der Sohn – folgte auf dem Fuß. Herrlich gestelzt und vornehm mimte Linda Seyfried den Butler Dominik mit krimineller Vergangenheit. Als SEK Sophia, Elena und Katharina, die Hausmädchen, glänzten Svenja Lang, Alina Sajzev und Annabell Hägger. Spielfreudig meisterten alle ihren Part.

Dass ausgerechnet die Herkunft ihrer Dienerschaft aus Gelsenkirchen Lotte erschütterte, war eine von vielen Spitzen, die die Lachmuskulatur kitzelten.

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