Corona in Halver

Lockerungen in Seniorenheimen? Die Heimleiter sehen das skeptisch

Ein Bild aus den Zeiten vor Corona: Doch schon bald soll gemeinsames Singen und Basteln wieder erlaubt sein. Was sagen die Heimleiter dazu?
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Ein Bild aus den Zeiten vor Corona: Doch schon bald soll gemeinsames Singen und Basteln wieder erlaubt sein. Was sagen die Heimleiter dazu?

Basteln, Singen, Gottesdienste. Das alles und einiges mehr soll bald wieder in Seniorenheimen möglich sein. Lockerungen, die explizit für diese Einrichtungen kommen sollen. Davon gehört haben die hiesigen Seniorenzentren zwar, aber eine Verordnung fehlt bisher. Was sie davon grundsätzlich halten und wie sie damit umgehen werden, wenn die Lockerungen kommen, haben wir sie gefragt.

Halver – Im Seniorenzentrum Bethanien kann man die Pläne nicht nachvollziehen, wie Linda Hauf sagt. Die stellvertretende Heimleiterin kann gar nicht glauben, dass FFP2-Masken nicht mehr getragen werden müssen. Sie wird ihre Maske aufbehalten, sagt sie. „Ich verstehe vieles in dieser Zeit nicht“, sagt Hauf. „Dass aber ausgerechnet Lockerungen nur für uns kommen, verstehe ich zweimal nicht.“ Für die Bewohner freut sie sich aber, dass zum Beispiel Gottesdienste wieder möglich sein werden. Aber sie sagt auch, man werde „an den Verstand der Besucher appellieren“. Die Bewohner sind zwar geimpft, aber das sei kein 100-prozentiger Schutz. Und Überträger kann im Grunde jeder sein.

Ähnlich sieht das auch Bernd Lauermann, Heimleiter vom Haus Waldfrieden. „Wir werden erst einmal nichts verändern.“ Die Lockerungen nennt Lauermann „puren Leichtsinn“. Ja, sagt er, es gibt Senioreneinrichtungen, in denen Bewohner seit rund einem Jahr auf ihrem Zimmer sind und vereinsamen. Sie essen auf ihren Zimmern und haben keine Gemeinschaft mehr. Das ist aber nicht die Regel und jede Einrichtung bemüht sich, ist er sicher. Im Haus Waldfrieden ist das aufgrund der Wohngemeinschaften ohnehin nicht so drastisch gewesen. Innerhalb der festen Gemeinschaften wurde im Rahmen der Möglichkeiten immer versucht, alles für die Bewohner zu ermöglichen. Auch christliche Andachten, Musiknachmittage und Besuche von Ponys wurden mit Corona-Schutzmaßnahmen ermöglicht. Alles andere fände er schrecklich. „Man kann demente Menschen nicht einsperren.“ Die Lockerung lehnt er ab und wird das eigene Konzept weiterführen. „Mit den Mutanten sind wir noch nicht am Ende“, sagt er und unterschätzt die britische Version des Coronavirus nicht. „Die Gefahr ist real“, sagt er. „Ich könnte es schwer verkraften, wenn ein Bewohner an Covid-19 stirbt.“ Daher werden auch Mitarbeiter, die sich nicht haben impfen lassen, jeden Tag vor Arbeitsantritt getestet. Das ist viel Aufwand, aber jede Mühe wert.

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