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Lkw-Fahrer gesucht: Speditionen klagen über Mangel

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Von: Thilo Kortmann

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Janina Kattwinkel leitet Kattwinkel Transporte mit Sitz in Oberbrügge. Sie wünscht sich mehr Lkw-Auszubildende.
Janina Kattwinkel leitet Kattwinkel Transporte mit Sitz in Oberbrügge. Sie wünscht sich mehr Lkw-Auszubildende. © Janina Kattwinkel

Zwei Jahre lang hat Janina Kattwinkel auf einen Auszubildenden gewartet. Seit dem 1. August ist die Wartezeit beendet, ein neuer Azubi wurde gefunden. In was für einer Branche gibt es einen so großen Nachwuchsmangel? Bei einem Speditionsunternehmen wie Kattwinkel-Transporte zum Beispiel.

Das Speditionsunternehmen mit Sitz an der Vömmelbach 6 sucht verstärkt Lkw-Fahrer. Insbesondere Nachwuchs, die den anerkannten Lehrberuf als Lkw-Fahrer absolvieren möchten. „Momentan sind zwar genügend Fahrer vorhanden, die unsere 15 Lkws fahren. Aber wir blicken auch in die Zukunft. Wir bilden ja auch aus“, erklärt Janina Kattwinkel, die das Speditionsunternehmen leitet.

Kattwinkel führt das Unternehmen in der vierten Generation, hat es von ihren Eltern übernommen. „Ich bin in die Branche reingewachsen. Lkws und der Transport von Waren haben mich schon immer auch fasziniert“, erklärt sie. Umso mehr freut sie sich über den neuen Auszubildenden, der nun eine dreijährige Ausbildung beginnt.

Ein Grund zur Freude – aber es gebe immer noch viel zu wenig Azubis, sagt die Chefin. Der Beruf des Lkw-Fahrers habe ein schlechtes Image erfahren. Dabei sei er ein genauso seriöser Job wie andere auch, findet Kattwinkel. Lkw-Fahrer hätten eine 40 Stundenwoche wie andere auch. Überstunden würden zudem angerechnet. Auch die Bezahlung stehe dem in nichts nach. „Das Gehalt unserer Lkw-Fahrer befindet sich im oberen Bereich der Tariflöhne“, erklärt die 38-Jährige.

Es ist immer noch eine Nische, dass eine Frau diesen Job ausübt. Es gibt nur sehr selten weibliche Fahrer, die sich bei uns bewerben.

Speditionschefiin Janina Kattwinkel

Das Vorurteil, dass Lkw-Fahrer 24 Stunden auf den Autobahnen unterwegs und schlecht bezahlt seien, stimme deshalb so nicht, sagt die Unternehmerin. Kattwinkel setzt „auf einen vernünftigen Arbeitsplatz. Immerhin werden die Fahrer ja auch bei uns bis zu drei Jahre anerkannt ausgebildet“. Fächer wie Lastensicherung ständen auf dem Lehrplan. Man habe sich, so die Halveranerin, auf Transporte in eine Großstadt spezialisiert. „Täglich Lüdenscheid Hamburg“ steht auf den Lkws.

„Als mittelständisches Transportunternehmen sollte man sich spezialisieren“, sagt sie. Von den Auswirkungen der A45-Sperrung sei man glücklicherweise weniger betroffen, „unsere Lkws fahren um 17 Uhr los und kommen nachts zurück. Vom größeren Stau bleiben wir deshalb weitestgehend verschont“. Und somit sei die Belastung für die Fahrer auch geringer. Jedoch sei der Job nicht für Jedermann geeignet. Man brauche Kraft, Geduld und sollte stressresistent sein, sagt sie. Auch sie selber habe einen Lkw-Führerschein, „bin aber eher für das Büro geeignet“, sagt sie und lächelt.

Sie wisse von Unternehmen, die so verzweifelt nach Fahrern suchten, dass sie extrem viel Gehalt zahlten. „Aber da machen wir nicht mit“, so Kattwinkel. Noch habe man genügend Fahrer, manchmal würden Aushilfen eingestellt. Zum Teil würden sich Menschen bewerben, die nicht deutsch sprechen könnten. Doch eine Einstellung sei dann schwierig. Zuletzt habe das Unternehmen 2020 einen solchen Fahrer eingestellt, „das hat uns aber die beiden vergangenen Jahre viel Schweiß und Mühe gekostet, bis der Fahrer eingearbeitet worden ist und auch die deutsche Sprache beherrscht“.

Höheres Ansehen in anderen Ländern

Länder wie die Niederlande hätten nicht so das Problem des Lkw-Fahrermangels, dort würden sie ein höheres Ansehen genießen, höhere Gehälter beziehen. Schon allein die Bezeichnung „Chauffeur“ für die Fahrer im Nachbarland sage viel über das andere, positivere Image des Berufs aus. Fernsehsendungen wie die „Trucker Babes“ versuchen, das Fahren eines Lkws nicht nur positiv und spannend darzustellen, sondern zeigen auch, dass der Beruf längst nicht mehr nur männlich konnotiert ist. Auch Frauen zieht es ab und zu in die Mehrtonner, den ganzen Tag auf Autobahnen und Landstraßen unterwegs. Die Realität sei aber eine andere. „Es ist immer noch eine Nische, dass eine Frau diesen Job ausübt. Es gibt nur sehr selten weibliche Fahrer, die sich bei uns bewerben“, sagt Janina Kattwinkel.

Auch bei KBD-Transporte am Vorst 1a in Halver ist man auf ständiger Suche nach Lkw-Fahrern. „Wir suchen eigentlich immer qualifizierte Lkw-Fahrer“, sagt Geschäftsführer Thomas Bühler. Das Problem betreffe hauptsächlich den Lkw-Bereich, bei anderen Transportern wie Sprintern sei der Fahrermangel nicht das Problem. Dann springt die Chefin höchstpersönlich ein. Kerstin Bühler ist früher Bus für das Busch-Unternehmen gefahren. Das habe ihr damals „tierisch“ Spaß gemacht, sagt sie. „Wenn wir nicht genügend Fahrer haben, dann fahre ich selber Sprinter. So muss das auch sein, dass die Chefin in solchen Notsituationen einspringt“, erklärt Kerstin Bühler. Sogar 7,5-Tonner dürfe sie mit ihrem Führerschein fahren. Auch Thomas Bühler hilft aus, wenn gerade mal Not am Lenkrad ist.

Mit Stundenlöhnen um die fünf Euro. Überstunden werden nicht honoriert.

KBD-Transporte-Chef Thomas Bühler

Den Lkw-Fahrermangel sieht er aber, neben einer fehlenden Qualifikation, überwiegend darin begründet, weil so viel „Schindluder“ in der Branche betrieben werde. Fahrer, insbesondere aus Osteuropa, würden oft ausgenutzt, „mit Stundenlöhnen um die fünf Euro. Überstunden werden nicht honoriert, kritisiert Bühler. Es gebe schwarze Schafe, die ein schlechtes Licht auf den Job werfen würden und das spreche sich herum. Das sei, so Bühler, sehr ärgerlich, weil der Lkw-Fahrer-Job eine genauso reglementierte Arbeit sei wie jede andere auch. „Wir setzen auf Seriosität und eine faire Bezahlung inklusive Stundenbuch und der Anrechnung von Überstunden“, sagt der gebürtige Stuttgarter.

Neben der schwierigen Suche nach qualifizierten Fahrern, sei es immer schwieriger, Fahrer zu finden, die deutsch sprechen könnten. Bei dem Beruf gehe es auch um Kommunikation und nicht nur ums Fahren. „Das Beherrschen der deutschen Sprache ist wichtig in dem Job“, erklärt Bühler. Und viele seiner Kunden legen ebenso großen Wert auf die Deutschkenntnisse, fügt er hinzu.

Supermarktketten vom Fahrermangel bedroht

Auf der Homepage von Transportlogistic, der Internationale Fachmesse für Logistik, Mobilität, IT und Supply Chain Management, heißt es, dass zurzeit einer extrem hohen Nachfrage nach Laderaum nur ein geringes Angebot gegenüberstehe. Das Problem sei der Lkw-Fahrermangel, der sich in Deutschland auch künftig weiter zuspitzen werde. Dieser Fachkräftemangel in der Logistik drohe zu einem stark reglementierenden Wachstumsfaktor in der Wirtschaft zu werden. Insbesondere Supermarktketten könnten künftig vom Lkw-Fahrermangel in der Logistikbranche bedroht sein, heißt es da.

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