Hospitanten ziehen Resümee

Mit einem eigens für den BüZ-Besuch getexteten Lied mit passendem Tanz beendeten die Teilnehmer die Runde. ▪ Hoppe

HALVER ▪ Etwa 150 Schulen aus ganz Europa gehören dem Schulverbund „Blick über den Zaun“ (BüZ) an, einer vor 23 Jahren gegründeten Interessengemeinschaft aus Einrichtungen mit klar formulierten Standards und Grundüberzeugungen. Seit drei Jahren gehört auch die Lindenhofschule zu dem Verbund, den in seiner Arbeit vor allem eines auszeichnet: die regelmäßigen Hospitationen der Mitglieder untereinander.

In den vergangenen drei Tagen war die Halveraner Schule das Ziel von 20 Pädagogen aus ganz Deutschland. Sie schauten sich in der Lindenhofschule um, erhielten Einblicke in Schulleben und -alltag. Dienstagmorgen endete die Hospitation mit einer „Rückmelderunde“ für Eltern, Schüler und Lehrerkollegium. Dabei machten die Hospitanten ihrer Begeisterung über den Zusammenhalt, die Atmosphäre und die Gesprächskultur an der Lindenhofschule Luft.

Eine „lebendige und gesunde Struktur“ habe man vorgefunden, einen auffallend „respektvollen und freundlichen Umgang“, sowie ein hohes Lern-Niveau der Kinder.

Zudem seien Lehrer und Kinder sehr achtsam. „Da gibt es den Blick für das große Ganze.“ Ursula Herchenbach von der Bodenseeschule in Friedrichshafen, die durch die Diskussion führte, betonte: „Eure Schule ist für euch zu einem Lebensraum geworden, in dem man gerne lebt.“

Doch auch Ideen, wie Schule in Halver noch besser umgesetzt werden kann, hatten die Hospitanten. So war einigen das „vergleichsweise starre Abarbeiten der Aufgaben in den Arbeitsheften“ aufgefallen. Durch diese Hefte seien die Kinder eingeschränkt – beispielsweise, wenn ihr Lernstand schon weiter sei, als die Aufgaben im Buch. Einige Eltern bestätigten diese Einsicht, andere machten deutlich, dass sie durch die Arbeitshefte auch gewisse Sicherheit ob des Kenntnisstandes ihres Kindes gewinnen.

Mehr Experimente, noch freieres Arbeiten nach dem Motto „Was will ich heute lernen?“, mehr Projektwochen und das Aufbrechen des teilweise noch vorhandenen Klassendenkens – auch diese Punkte sahen die Gäste von außerhalb als verbesserungswürdig. Anstöße, die nun in Halver diskutiert und eventuell auch umgesetzt werden.

Schulleiterin Beate Segieth hatte bereits im Vorfeld des Treffens erklärt, glücklich über die Mitgliedschaft im Verbund zu sein. „Dort sind Standards erarbeitet worden, die festlegen, wie Schule sein soll“, so Segieth. So orientiere sich das Leitbild der Lindenhofschule, das den Fokus bekanntlich auf individuelle Förderung legt, an den Ideen Maria Montessoris – ohne jedoch den Stempel einer Montessori-Schule aufgedrückt bekommen zu wollen. „Wir wollen uns kein Korsett anlegen lassen“, sagt Segieth, die gerne Ideen Montessoris umsetzt, aber diese nicht zum Dogma für den gesamten Schulalltag erheben will.

Unabdingbar sei jedoch das Voneinander-Lernen der BüZ-Mitglieder untereinander. Dazu würden die Hospitationen beitragen, bei denen die Arbeitskreis-Mitglieder – acht weitere Schulen gehören dem „Arbeitskreis 13“ der Lindenhofschule an – als „kritische Freunde“ auftreten. „Das ist das Wertvollste, was man als Schule machen kann“, ist Beate Segieth vom Effekt der Hospitation, wie sie am Dienstag in Halver endete, überzeugt. Denn nicht nur Schüler, sondern auch Schulen müssten lernen – „sonst kann man nicht vorwärts kommen“ ▪ zach/svh

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